Author Topic: James D. Watson: Die Doppelhelix  (Read 2282 times)

Offline orzifar

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James D. Watson: Die Doppelhelix
« on: 18. November 2009, 21.23 Uhr »
Hallo!

Ein unterhaltsames, spannendes Buch, wenngleich Ernst Peter Fischers (wohl nicht ganz ernst gemeinter) Vorschlag, dass man hier auch einen Nobelpreis für Literatur hätte vergeben können, eher vom mediokren Literaturgeschmack desselben zeugt. Watson erzählt aus sehr persönlicher Sicht von der Entdeckung der Doppelhelix, liefert witzig-einprägsame Charakterstudien seiner Forschungskollegen und erzählt von der Jagd nach wissenschaftlichen Erkenntnissen abseits gängiger Vorstellungen von sterilen Labors und weltfremden Forschern.

Das vorliegende Buch ist also weniger Wissenschaftsgeschichte als vielmehr das amüsante Protokoll einer Entdeckung - mit allen persönlichen Querelen, Animositäten, Vorlieben, Seltsamkeiten. Und genau daraus bezieht das Buch seinen Charme, wenn Koryphäen  wie Linus Pauling oder Francis Crick auf unterhaltsam-menschliche Art geschildert werden. Zudem entbehrt die Darstellung auch nicht einer gewissen Spannung: Denn das Rennen um das richtige Modell der DNS war lange Zeit offen und u. a. ein Konkurrenzkampf zwischen Europa und Amerika.

Insgesamt eine äußerst kurzweilige Lektüre, die jedem - auch dem chemisch-biologischen Laien ans Herz gelegt werden kann. Denn diese "menschliche" Darstellung einer Welt berühmter Geistesgrößen wirkt nicht bemüht wie so manche Anekdotensammlung über bekannte Philosophen (wie etwa Wilhelm Weischedel in seiner "Philosophischen Hintertreppe" eine solch unangenehm anbiedernde Darstellung vorgenommen hat), sondern ungeschönt und authentisch. Wobei der Autor selbst sich keineswegs schont. Lesen!

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline finsbury

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Re:James D. Watson: Die Doppelhelix
« Reply #1 on: 28. Januar 2010, 19.32 Uhr »
Diese Buch hätte mich fast mal zum Studium der Biochemie veranlasst. Glücklicherweise scheiterte ich am damaligen NC von 0,9.

Sonst wäre ich jetzt vielleicht in einem der pharamzeutischen Kartelle beschäftigt, die Krankenkassen, Patienten und zukunftsverändernde Patente in ihrem Würgegriff haben.

Für einen Watson/Crick hätte es bei mir eh nie gereicht. Ein Super-Buch!

finsbury

Offline orzifar

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Re:James D. Watson: Die Doppelhelix
« Reply #2 on: 05. Februar 2010, 18.40 Uhr »
Für einen Watson/Crick hätte es bei mir eh nie gereicht.

Nunja, nichts weiß man ;). Aber gerade dieses Buch zeigt auch, dass Glück und Zufall erheblich zum Erfolg beitragen. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort nebst einer zündenden Idee.

lg

orzifar
« Last Edit: 05. Februar 2010, 19.26 Uhr by orzifar »
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