Hallo!
Soweit meine Erinnerung mich nicht täuscht, kann ich sandhofers Eindrücke nur bestätigen. Auch mir hat der Beginn besser gefallen, später verliert sich das Buch in einer krampfhaften Wissensauflistung, die steril und künstlich wirkt. Es fehlt dem Ganzen die Einbettung in ein Handlungskonstrukt, die bloße Aufzählung empfand ich als beschränkt amüsant.
Bei mir rührte die Enttäuschung wohl aus einer übergroßen Erwartungshaltung her, kenne ich doch nicht wenige solcher tatsächlichen oder scheinbaren Enzyklopädiefetischisten. Streitigkeiten in Wirtshäusern über vermeintlich wissenschaftliche Fakten, etwa zwei Pensionisten beim Schachspiel, die sich während eines Turmendspieles über die Entfernung der Sonne zur Erde in die Haare bekamen (bzw. über die Zeit, die das Licht von der Sonne zur Erde benötigt), wobei ihre Angaben zwischen ca. 5 - 10 Minuten und 14 Tagen schwankten. (Dummerweise machte sich gerade Letzterer anheischig, seine Tagesthese durch ein Astronomiebuch zu belegen, sprang während der Partie auf und lief nach Hause, um den Beleg schwarz auf weiß führen zu können. Dort wird ihm dann einige Erkenntnis zuteil geworden sein, er hat auf ein baldiges Wiedererscheinen verzichtet, hingegen später einen Ehrenbeleidigungsprozess angestrebt (der glücklicherweise nicht stattfand); allerdings haben die beiden nie wieder miteinander gesprochen noch Schach gespielt, wobei letzteres ihnen besonders schwer geworden sein dürfte.)
Übrigens finden sich meiner Erfahrung nach unter pensionierten Beamten oder Lehrern (und hier wieder besonders unter Schachspielern) ausnehmend viele Bouvards und Pechuchets, die Diskussionen über historische Daten, Definitionen von Fremdwörtern oder der sogenannten (Bernhard) Erdwissenschaften sind Legion und haben nicht wenig zu meiner Erheiterung beigetragen. Wobei ich mich stets vor einer aktiven Teilnahme an solchen Auseinandersetzungen gehütet habe - im Gegenteil: Ich bestärkte auch noch abstrusesten Behauptungen, zeigte mich über manches zwar verwundert, war aber immer dankbar für weitergehende Aufklärung. Darüber ließe sich tatsächlich ein Buch schreiben

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lg
orzifar