Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass Feuchtwanger mir einen Schlüsselroman aus der Weimarer Republik erzählt. Wie man im Nachwort (ich habe vorgeblättert) lesen kann, sind einige der Figuren Zeitgenossen nachempfunden. Vielleicht hat das Buch einen höheren Reiz, wenn man mit den Leuten, die hinter Klenk, Bichler und den anderen stehen, etwas mehr anfangen kann als ich. Doch ich bezweifle das.
Am Ende des vierten Buches ist nun wenigstens Martin Krüger am Ende seines Leidens, und Johanna macht sich Vorwürfe, weil sie nicht entschlossen genug gehandelt hat. Aber hat sie das wirklich nicht, oder meldet sich nur ihr schlechtes Gewissen, weil sie mit Tüverlin zusammen ist, während Martin in seiner Zelle sitzt und seine Freilassung ihr Leben, wie sie sich an einer Stelle eingesteht, erheblich komplizieren würde?
Zum anderen spitzt sich der Konflikt zwischen den Wahrhaft Deutschen und der bayrischen Regierung zu. Letztere trägt dabei einen Etappensieg davon. Auch hier der Eindruck: Einige historische Ereignisse (Besetzung der Ruhr durch die Franzosen, Unzufriedenheit in der Bevölkerung wegen des Versailler Vertrages, Zulauf zu den Wahrhaft Deutschen) werden referiert und nichts weiter. Vielleicht ist das hier angenehmer zu lesen, als ein weitschweifiges Geschichtsbuch, aber von einer Gesellschaftsanalyse kann ich nichts erkennen. Feuchtwanger ist entweder ganz groß, politisch, die Handlung des Einzelnen zählt nichts und vermag auch nichts auszurichten, oder ganz privat, bei den Karikaturen der Zeitgenossen und den Bedenken und Ränken der einzelnen Figuren. Vielleicht ist es für einen Text von 1930 visionär, die Gefahr erkannt zu haben (wobei ich mir nicht sicher bin, dass Feuchtwanger das hat, an einer Stelle des Kräftemessens zwischen Kutzner und Flaucher steht sinngemäß, dass bei einer Lösung des Ruhrkonflikts, bevor die Wahrhaft Deutschen die Macht an sich gerissen haben, diese Wohl wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken würden), für mich als jemanden, der weiß, was geschehen ist, ist das Buch einfach nur arabesk und anekdotengesättigt.