Im letzten und in meiner Ausgabe (Johannes Kepler, Was die Welt im Innersten zusammenhält) nur mit den Büchern 1-3 und 5 aufgeführten Werk meiner Expedition in die Mathematik des 16. und 17. Jahrhunderts, schildert Kepler nochmals sein Weltbild. Der Titel sagt es bereits: Auch noch 1619, nachdem Kepler sich bereits über die elliptische Form der Planetenbahnen, ja über deren Status als Bahn und nicht als Sphäre, klar geworden ist, kann er nicht auf die Idee verzichten, dass dem Weltgebäude eine Harmonie innewohnen müsse. Er erreicht sein Ziel mit ziemlich komplizierten Berechnungen von Verhältnissen zwischen den Planetendistanzen. Er hält fest am Gedanken, dass 5 verschiedene Körper die Harmonien zwischen den Planeten bestimmen, von denen der Würfel der einfachste ist. Die sind von Gott gedanklich eingebaut worden zwischen den Planetenbahnen.
Es war für mich nicht immer leicht, Kepler zu folgen. Vor allem das erste Buch hatte es in sich: einer Geometrie in der Art des 16. und 17. Jahrhunderts ist es nicht einfach zu folgen. (Auch Mathematik, wenn sie noch nicht mit Kommastellen rechnet, sondern mit Brüchen, und dann Verhältnisse erzielt wie 427/569 oder so, wird irgendwann unübersichtlich.) Ich hoffe aber, Kepler im Grossen und Ganzen verstanden zu haben ... Die Astrologie erwähnt er in diesem Buch mit keinem Wort mehr. Ist es Absicht oder lag es einfach ausserhalb des Themas? Ich tippe auf letzteres.
Auch wenn Kepler darauf besteht, dass "da draussen" kein Laut von sich gegeben werde, besteht er ebenso darauf, dass die Harmonien der Planetenbahnen mit denen der Tonleiter verglichen werden können und müssen. Vieles wirkt aber für den heutigen Leser an den Haaren herbeigezogen, wo Kepler behauptet, dass es selbstverständlich und in die Augen springend sei. Auch erzielt Kepler viele Harmonien nur, indem er eine beachtliche Toleranz seiner Berechnungen zu den tatsächlichen Beobachtungen zulässt. (Nachdem sich seine ursprüngliche Hoffnung, die Astronomen hätten falsch oder ungenau beobachtet und würden ihre Beobachtungen noch zu Gunsten seiner Harmonien korrigieren, nicht erfüllt hatte, beugte sich Kepler dann doch - hierin ganz moderner Wissenschafter - den Beobachtungen von Tyho Brahe und andern.)
Alles in allem ein interessantes Dokument einer Astronomie im Übergang zur heutigen Auffassung davon.