Im Zusammenhang mit Recherchen auf mehreren Forschungsfeldern habe ich seit Dezennien täglich (die meisten Sonntage ausgenommen) mit zahlreichen neuen Titeln zu tun. Arbeit und Hobby gehen bei mir seit der Jugendzeit ineinander über, ich kann das gar nicht voneinander trennen.
Zum Lesen neuerer Belletristik würde ich nur dann kommen, wenn mich die in den Titeln angesprochenen Probleme besonders beschäftigen und auch emotional berühren würden, also ein starkes Bedürfnis besteht, gerade dieses Buch lesen zu wollen. Beim regelmäßigen Besuch in der Buchhandlung werden die Titel überflogen, man schaut auf die Bestsellerlisten und in die Literaturbeilagen. Wenn ich regelmäßig zu dem Schluss komme, dass wieder nichts dabei ist, so soll das nicht abgehoben und elitär daherkommen und auch gar keine Wertung bedeuten: aber man hat am Ende zu wenig Zeit, von Konflikten zu lesen, mit denen man jetzt nicht in Berührung kommen will oder von Leuten zumeist jüngerer Generationen, deren gesellschaftliche Sphären und deren Gehabe einem völlig fremd sind. Das hat mit meiner Herkunft aus dem Osten Deutschlands zu tun, die meisten Zeitzeugen von dort verstummen allmählich, nach 27 Jahren verblasst die Erinnerung an vieles gewaltig. Also am besten: raus aus dem 20. Jahrhundert und wieder in die Zeit der geliebten Klassik.
Anders steht es um Sachbücher. Ich fahre jetzt für drei Wochen nach Südtirol, wo außer Bergen, Tälern und Almen auch ein Lesezimmer und -balkon auf mich warten. Da habe ich nicht einen Stapel mitgenommen, sondern nur zwei Bücher für die Bahnfahrt nach und von Meran und für den Balkon:
Dieter Borchmeyer: Was ist Deutsch? Die Suche einer Nation nach sich selbst. Berlin 2017,
und bevor es ein anderes Familienmitglied zum Geschenk erhält:
Peter Sloterdijk: Nach Gott. Berlin 2017
(man kann über ihn sagen, was man will, aber wie er - schon einmal kurz hineingeschaut - auf wenigen Zeilen dem heutigen Islam und dem Luther eine drüberzieht, das hat schon was!

Nun denn, bis später wieder