Author Topic: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen  (Read 20099 times)

Offline Anna

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #15 on: 03. Oktober 2011, 15.22 Uhr »
Hallo!
Der italienische Sommer verträgt sich einfach nicht mit Leserunden.

Wohnst du in Sizilien? Dann ist es klar, oder musstest Du etwa nicht auch so viel Schnee schaufeln?

http://www.otz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Sizilianer-bekommt-Geld-fuer-Schneeschaufeln-im-Sommer-2092950824  :angel:

 ;D ;D ;D

Nein, ich wohne südlich von Rom, aber die Sache mit dem Schneeschaufeln hätte auch bei den hiesigen Behörden passieren können. Schließlich werde ich bei jeder Ausweisverlängerung mit schönster Regelmäßigkeit gefragt, ob ich aus der BRD oder aus der DDR komme. :o

Gruß
Anna
« Last Edit: 03. Oktober 2011, 15.30 Uhr by Anna »
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Offline orzifar

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #16 on: 03. Oktober 2011, 17.12 Uhr »
Hallo,

eine einzige Katastrophe. Also nicht die Schneemassen auf Sizilien, sondern jene Neugier, die ihr mit euren Kommentaren zu Ada geweckt habt und die mich veranlasst haben, das Buch doch wieder aus dem Regal zu nehmen. Aber - wann lesen? Trojanow fertig lesen, den Ribeiro begonnen (vielversprechend, das klingt nach Vargas Llosa und Marquez in Personalunion), Oliver Goldsmith verdankt seine Lektüre meiner Vergesslichkeit (besser: Alle Lektüre außer dem "Pfarrer von Wakefield" ward vergessen und so dieser zwangsläufig begonnen worden) und und und ...

Nun denn: Schleunigst gesunden und zurück zur Lektüre.

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #17 on: 03. Oktober 2011, 19.52 Uhr »
Hallo!

Schließlich werde ich bei jeder Ausweisverlängerung mit schönster Regelmäßigkeit gefragt, ob ich aus der BRD oder aus der DDR komme. :o

Sag doch das nächste Mal einfach: Deutsch Südwestafrika .... :angel:


den Ribeiro begonnen (vielversprechend, das klingt nach Vargas Llosa und Marquez in Personalunion),

Hm ... trifft es sehr gut, m.M.n. - wenigstens für die ersten 4 Kapitel ...

Oliver Goldsmith verdankt seine Lektüre meiner Vergesslichkeit (besser: Alle Lektüre außer dem "Pfarrer von Wakefield" ward vergessen und so dieser zwangsläufig begonnen worden) und und und ...

Du weiss ja schon, was der gute Onkel Sigmund zu Deinem Fall gesagt hätte?   :opa:

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Anna

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #18 on: 03. Oktober 2011, 20.19 Uhr »
Aber - wann lesen?

Die ewige bange Frage eines jeden Lesers. Auch ich gerate langsam in Panik, weil ich zu glauben beginne, dass ich es vor meinem Ableben nicht mehr schaffe, alle Bücher zu lesen, die ich noch lesen möchte. Hermann Löns hatte Unrecht: Nicht die ungeküssten Küsse, sondern die ungelesenen Bücher, das ist das bitterste Weh. ;)

Gruß
Anna
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Offline Gontscharow

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #19 on: 05. Oktober 2011, 15.31 Uhr »
Hallo Anna!

Quote from: Autor: Anna« am: 29. September 2011, 16.05 Uhr »
Anm.: Ich schreibe ja selten, aber wenn, dann lang. 

Und so trefflich! Es ist die reine Freude deine Ausführungen zu lesen!
Auch wenn ich natürlich einige "Ja, aber" einzuwenden hätte. Zum Beispiel hier:

Quote from: Autor: Anna« am: 29. September 2011, 16.05 Uhr »
Was die Darstellung von Sinnlichkeit und Erotik betrifft, macht Nabokov so leicht keiner etwas vor.

Ja, aber manchmal gleitet er eben auch ins Dumpf-Zotige ab:
 
Quote from:  Nabokov,Ada
… mit dem einzigen Erfolg, dass er auf der Willkommen-Matte vergoss, was sie hilfsbereit gern mit ins Haus gebracht hätte

Peinlich auch, wenn von Vans Zauberstab die Rede ist oder die Mädels im Traum an Maiskolben lutschen. Das ist St. Pauli-Nachrichten-Metaphorik, da merkt man die 6oer (die Gewagtheiten von gestern, sind die Platitüden von heute)
Aber wie du schreibst, man verzeiht ihm Entgleisungen und Ungereimtheiten, weil er so hervorragend schreibt und Atmosphäre und Gefühle evozieren kann, die in einem nachschwingen. Ich glaube übrigens, dass Sebald, in dessen Ausgewanderten Nabokov als der Schmetterlingsmann herumschwirrt und dem ähnliches gelingt, von ihm gelernt hat.

Auch den arroganten Blick und den Mangel an „Herzenswärme“ nehme ich N.  nicht übel. Wo die Natur, das Seiende, pathetisch gesagt, die Schöpfung so mit Liebe bis in feinste Verästelung ihrer Erscheinungen nachgeschaffen, ja mit Worten gefeiert wird, da ist schon Wärme und ein Leuchten, da bedarf es keiner den kritischen Blick auf die Welt ausgleichenden mütterlichen „Herzenswärme“. ;)

Quote
Und da ich bis jetzt außer „Ada“ nur noch „Dolores“ und „Pnin“ kenne,  habe ich noch einige schöne Nabokov-Erlebnisse vor mir.

Auch mich hat es veranlasst durch Ada nach mehr Nabokov verlangt und ich habe seine frühen Romane Maschenka - eine in ihrer Melancholie und Leichtigkeit an Joseph Roth erinnernde Erzählung -  und die Gabe gelesen. Die Gabe ist ein wunderbares Buch. Vom Aufbau her zwar eigenwillig, aber… Z.B. werden Expeditionen ins Innere Asiens beschrieben! Trojanow kann einpacken. ;D
Übrigens gibt es in diesem Forum bereits eine ausführliche lobende Besprechung der Gabe von Bartlebooth, der hab ich eigentlich nichts hinzuzufügen. Das wahre Leben des Sebastian Knight, N.s erstes auf enlisch geschriebenes Buch, habe ich angefangen.

Gruß
Gontscharow

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Quote from: Autor: Anna« am: 03. Oktober 2011, 15.22 Uhr »
Schließlich werde ich bei jeder Ausweisverlängerung mit schönster Regelmäßigkeit gefragt, ob ich aus der BRD oder aus der DDR komme. 

Immer noch?  ;D Ich kenne das. Schon damals sprach aus der an mich gerichteten Frage  die tiefe Unkenntnis der Verhältnisse
Vieni dalla Germania di qua (verlegenes Lächeln) o da quella di la? - und da gab es noch eine real existierende  DDR !

Quote from: Autor: Anna« am: 03. Oktober 2011, 20.19 Uhr »
Die ewige bange Frage eines jeden Lesers. Auch ich gerate langsam in Panik, weil ich zu glauben beginne, dass ich es vor meinem Ableben nicht mehr schaffe, alle Bücher zu lesen, die ich noch lesen möchte. Hermann Löns hatte Unrecht: Nicht die ungeküssten Küsse, sondern die ungelesenen Bücher, das ist das bitterste Weh.

Ars lunga, vita brevis! Seit langem schon mein geheimer Kummer.

Offline orzifar

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #20 on: 05. Oktober 2011, 22.35 Uhr »
Aber - wann lesen?

Die ewige bange Frage eines jeden Lesers. Auch ich gerate langsam in Panik, weil ich zu glauben beginne, dass ich es vor meinem Ableben nicht mehr schaffe, alle Bücher zu lesen, die ich noch lesen möchte. Hermann Löns hatte Unrecht: Nicht die ungeküssten Küsse, sondern die ungelesenen Bücher, das ist das bitterste Weh. ;)

Damit ist mit Sicherheit zu rechnen. Man kann diese Überlegung aber auch ins Positive wenden: Und sich zu sterben erst bereit erklären, wenn man alle Bücher gelesen hat. Das wär ein Rechten und Streiten und Hadern mit dem Sensenmann (und Jedermann lässt grüßen), wobei ich darauf bestehen würde, so manches noch einmal lesen zu wollen. Die kleinen Sachen wie die Recherche und die Joseph-Tetralogie, Strudlhofstiege nebst Dämonen etc.

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #21 on: 06. Oktober 2011, 07.56 Uhr »
Aber - wann lesen?

Die ewige bange Frage eines jeden Lesers. Auch ich gerate langsam in Panik, weil ich zu glauben beginne, dass ich es vor meinem Ableben nicht mehr schaffe, alle Bücher zu lesen, die ich noch lesen möchte. Hermann Löns hatte Unrecht: Nicht die ungeküssten Küsse, sondern die ungelesenen Bücher, das ist das bitterste Weh. ;)

Damit ist mit Sicherheit zu rechnen. Man kann diese Überlegung aber auch ins Positive wenden: Und sich zu sterben erst bereit erklären, wenn man alle Bücher gelesen hat. Das wär ein Rechten und Streiten und Hadern mit dem Sensenmann (und Jedermann lässt grüßen), wobei ich darauf bestehen würde, so manches noch einmal lesen zu wollen. Die kleinen Sachen wie die Recherche und die Joseph-Tetralogie, Strudlhofstiege nebst Dämonen etc.

Ja, wenn uns der Herr Pfarrer das Paradies als grosse Bibliothek geschildert hätte, wo man nach Lust und Laune Bücher lesen dürfte - da könnte man gläubig werden ...  ;D
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Camenzind

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Re: Vladimir Nabokov: Ada oder das Verlangen
« Reply #22 on: 15. Januar 2015, 17.34 Uhr »
Ja, wenn uns der Herr Pfarrer das Paradies als grosse Bibliothek geschildert hätte, wo man nach Lust und Laune Bücher lesen dürfte - da könnte man gläubig werden ...  ;D

"Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt. " Jorge Luis Borges