My Board

Lektüren, Rezensionen => Gerade am Lesen ... => Topic started by: sandhofer on 27. April 2015, 07.47 Uhr

Title: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 27. April 2015, 07.47 Uhr
Gestern Abend noch damit begonnen. Weit bin ich noch nicht. Uff, das sind beinahe 1'500 Seiten. Kleingedruckt. Aber der Stil hat mich gleich gepackt. Ich kann das italienische Original leider nicht lesen; aber der Übersetzer hat hier gute Arbeit geleistet.

Da ich parallel noch in den philosophischen Werken Dante Alighieris lese, werde ich kaum schnell voran kommen. Aber dieser Frühling wird zu meiner italienischen Phase...  ;D
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: MichaelaBZ on 27. April 2015, 16.06 Uhr
Aber der Stil hat mich gleich gepackt.

Wie würdest du ihn beschreiben?
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 27. April 2015, 19.25 Uhr
Blumicht. Melodiös. Aber wie gesagt: Auf den ersten paar Seiten...
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 07. Mai 2015, 20.40 Uhr
Der d'Arrigo kommt locker und beschwingt daher, aber ich merke, dass ich nicht mehr als eine Handvoll Seiten an einem Wochenende lesen kann. Das schwingt dann irgendwie lange nach. Faszinierend...
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 11. Mai 2015, 20.04 Uhr
Ja, ich lese mal wieder alles andere als den d'Arrigo. Aber er ist gut ...
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 14. Mai 2015, 17.37 Uhr
Es geht auf den ersten 250 Seiten oder so ums Erzählen, ein Gegen-den-Tod-an-Erzählen. Und darum, dass Mit-den-Augen-Sehen halt dem Nur-gehört-Haben überlegen ist. Was in sich ein Widerspruch ist, ein Widerspruch, der den Hauptcharakter ausmacht.
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 17. Mai 2015, 17.13 Uhr
’Ndrja Cambrìa, der Focus des Romans (Hauptfigur oder Protaginist wäre nicht ganz korrekt) ist nach rund einem Drittel des Texts nun zurück im heimatlichen Dorf in Sizilien. Der Roman hat vier Achsen oder Himmelsrichtungen: Vergangenheit, Gegenwart (des ’Ndrja Cambrìa), Märchen/Mythos, Traum. Denen überlagern sich die Hauptthemen: die Liebe, der Tod (im Italienischen weiblich!), die Sexualität, die Armut. Das heisst, im Grunde genommen ist der Roman bipolar, weil die "Fere" (so nennen die Sizilianer den Delfin des Mittelmeers) immer wieder auftaucht (im wahrsten Sinn des Wortes): Monster und Geliebte ...
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 20. Mai 2015, 18.46 Uhr
Irgendwo - war's in der NZZ, war's in der Zeit? - hat ein Kritiker davon geschrieben, dass 'Ndrja Cambrìa eine zersplitterte Welt zusammenzuhalten versucht. Oder so ähnlich. Jedenfalls "zersplittert". Ich weiss noch nicht, ob ich dem zustimmen kann. Eines ist sicher: Cambrìa stellt so was wie den rationalen Menschen in diesem Roman dar. Zugleich ist er Beobachter. Der Analytiker seiner Epoche (nicht Psychoanalytiker lesen, bitte!).
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 31. Mai 2015, 21.59 Uhr
Cambroa Senior, der sich geziert hatte, seinen Sohn zu erkennen, tut es schlussendlich doch. Und stürzt sich nun in eine lange Erzählung, warum er sich vom Dorf mehr oder weniger abgesondert hat. Jeder scheint hier für sich zu leben - und doch nicht ohne den andern leben zu können...
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 04. Juni 2015, 19.45 Uhr
Überhaupt scheint mir eine Erzählung die vorhergehende immer revidieren zu wollen. So schwankt der Leser beständig zwischen Realität und Mythos.
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 11. Juni 2015, 21.38 Uhr
[...] dass 'Ndrja Cambrìa eine zersplitterte Welt zusammenzuhalten versucht.

Hm ... Cambrìas Welt besteht aus Bruchstücken. Aber bis jetzt vermag der Erzähler sie zusammenzuhalten, indem er diese Bruchstücke miteinander verschweisst, verlötet, verklebt. Da wandert dasselbe Motiv von einem Splitter in den nächsten, oder dieselbe Situation eines (Tag-)Traums oder ähnliches.
Title: Re: Stefano D'Arrigo: Horcynus Orca
Post by: sandhofer on 21. Juni 2015, 06.35 Uhr
Ich bin immer noch platt, habe aber versucht, meiner Plattheit im Blog Ausdruck zu geben: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=6402