Autor Thema: Marie Mach: Erinnerungen einer Erzieherin  (Gelesen 1169 mal)

Offline orzifar

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Marie Mach: Erinnerungen einer Erzieherin
« am: 08. Juli 2015, 00.15 Uhr »
Hallo!

Eigentlich sollte mir dieses Buch biographische Zusatzinformationen zum Leben von Ernst Mach liefern, das Leben des Bruders wurde aber von der Autorin nur ganz selten gestreift. Dass ich das Buch dennoch weiter- und ausgelesen habe lag an der Tatsache, dass die Erfahrungen von Marie Mach bei ihren zahlreichen Anstellungen als Erzieherin ein äußerst buntes und beeindruckendes Panorama vom Leben in der k. u. k. Monarchie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bieten. Ob in Kroation, Montengegro, in der Bukowina, in Ungarn oder auch in österreichischen Landen: Sowohl durch die Beschreibung der Sitten ihrer Herrschaften als auch - implizite - etwa durch die Aussparung aller sexuell konnotierten Ereignisse (das allermeiste lässt sich nur erahnen) sind diese Erinnerungen historisches Quellenmaterial vom feinsten. Dazu kommen zahlreiche, amüsante Anekdoten und Beschreibungen ihrer Erfahrungen mit Haustieren aller Art (die hinwiederum erahnen lassen, in welchem Ausmaß die Darwinsche Theorie zu jener Zeit unter den Gebildeten Fuß gefasst hatte).

Alles in allem ein lesenswertes, kurzweiliges Buch ohne jeglichen literarischen Anspruch, Material für Mentalitätsgeschichte, das darüber hinaus auch noch unterhält.

lg

orzifar

p. s.: Wer das Buch sucht, sollte nur den Titel bei den Suchmaschinen eintippen. Marie Mach hat es anonym veröffentlich, weshalb man mit ihr als Autorin weniger Treffer erhält.
Derzeitige Lektüre:

Hans-Joachim Dahms: Positivismusstreit
Marcel Proust: Im Schatten junger Mädchenblüte
Niall Ferguson (Hrsg.): Virtuelle Geschichte. Historische Alternativen im 20. Jahrhundert.
Nick Bostrom: Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution.
Peter Farb: Die Indianer. Entwicklung und Vernichtung eines Volkes.
Michel Onfray: Wir brauchen keinen Gott: Warum man jetzt Atheist sein muß.
Franz M. Wuketits: Naturkatastrophe Mensch. Evolution ohne Fortschritt.