Autor Thema: Amir D. Aczel: Probability 1  (Gelesen 3599 mal)

Offline orzifar

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Amir D. Aczel: Probability 1
« am: 11. Dezember 2014, 23.40 Uhr »
Hallo!

Der Autor ist Mathematiker und versucht der Frage nach außerirdischem Leben auf Grundlage wahrscheinlichkeitstheoretischer Überlegungen nachzugehen. Das Ergebnis dieser seiner Annahmen und Berechnungen findet sich schon im Titel wieder: Die Wahrscheinlichkeit für außerirdische Intelligenz hält er für praktisch erwiesen.

Unabhängig davon, ob man den Ausführungen Aczels in allem folgen kann oder will, ist dies ein durchaus gelungenes Buch über dieses Thema. Natürlich erfährt der mit der Thematik vertraute Leser auf den meisten Seiten nicht sehr viel Neues (das Beste sind die letzten Kapitel, die anhand einfacher mathematischer Beispiele seine Überlegungen erhärten (sollen)), aber er wird auch nicht mit überflüssigem, pseudophilosophischen Ballast gequält wie etwa bei Graßmann. Der Unterschied zwischen dem vorliegenden Buch und dem erwähnten Elaborat liegt schlicht darin, dass Aczel sich nicht bemüßigt fühlt, in für ihn weitgehend fremde Bereiche vorzudringen und - wie Graßmann - über Dinge zu schreiben, von denen er keine Ahnung hat. Nicht zufällig sind die Ausführungen über die Wahrscheinlichkeitstheorie die am besten zu lesenden (Aczel ist Professor für Statistik).

Wenn Naturwissenschaftler wie Graßmann sich in philosophischen Ausführungen versuchen, ist das zumeist in ähnlicher Weise peinlich wie die lächerlichen Bezugnahmen von Metaphysikern jedweder Provenienz auf die Quantenphysik oder die Relativitätstheorie. Sokal, Bricmont haben in "Eleganter Unsinn" diesen Unfug auf bestechende Weise dargestellt. Wobei nichts gegen fächerübergreifende Bemühungen gesagt werden soll - im Gegenteil: Aber sie müssen fachlich fundiert sein, nicht bloß bequeme Anleihen aus dem fachfremden Gebiet. Wenn aber diese fachliche Fundierung mitgebracht wird, sind die Bücher umso lesenswerter: Gerhard Vollmer oder Bernulf Kanitscheider sind hervorragende Beispiele für eine solche Integration geistes- und naturwissenschaftlicher Bereiche.

lg

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Offline sandhofer

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #1 am: 12. Dezember 2014, 19.08 Uhr »
Hallo!

Das Buch müsste ich wohl selber mal lesen. Persönlich hielt ich die Wahrscheinlichkeit ausserirdischen Lebens bisher immer für de facto gleich 0. Ich denke allerdings, dass die Frage sowieso nur theoretisch-spekulativ interessieren kann - selbst wenn Ausserirdische existieren, müssten sie denselben physikalischen Gegebenheiten untergeordnet sein, die die Menschheit (und manchmal denke ich: zum Glück für den Rest des Alls!) an ihr Planetensystem fesselt.

Grüsse

sandhofer
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Offline orzifar

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #2 am: 12. Dezember 2014, 20.43 Uhr »
Hallo!

Das Buch müsste ich wohl selber mal lesen. Persönlich hielt ich die Wahrscheinlichkeit ausserirdischen Lebens bisher immer für de facto gleich 0.


Ich neige da eher der Ansicht von Aczel zu. Aber das alles ist natürlich völlig spekulativ, immer davon abhängig, wie man die einzelnen Parameter bewertet. Die Überlegungen von Aczel sind durchaus plausibel, aber selbstverständlich ließe sich auch das Gegenteil einsichtig machen. Mir selber will es nicht einleuchtend erscheinen, dass unter den Prämissen der von dir erwähnten universell gültigen "physikalischen Gegebenheiten" Leben sich nur einmal entwickeln sollte, vor allem angesichts der ungeheuren Zahl an Sonnensystemen und Galaxien. Das ist aber selbstverständlich kein gültiges Argument, denn die Einzigartigkeit des Lebens lässt sich problemlos vorstellen und denken. Ich halte den Gedanken der Einzigartigkeit aber eher für eine anthropozentrische Eigenheit: Wir neigen dazu, uns zumeist in den Mittelpunkt zu setzen und als etwas Besonderes zu betrachten. Das hat schon mit der Erde und der Sonne nicht wirklich gut geklappt.

Ich denke allerdings, dass die Frage sowieso nur theoretisch-spekulativ interessieren kann - selbst wenn Ausserirdische existieren, müssten sie denselben physikalischen Gegebenheiten untergeordnet sein, die die Menschheit (und manchmal denke ich: zum Glück für den Rest des Alls!) an ihr Planetensystem fesselt.


Jared Diamond erwähnt in einem seiner Bücher, dass wir mit dem "auf uns aufmerksam machen" angesichts dessen, was wir auf der Erde mit fremden Völkern bzw. anderen Arten veranstaltet haben, ein wenig vorsichtig sein sollten, da - wenn es denn schon überlegene extraterrestrische Wesen gäbe - diese auf uns nicht mehr Rücksicht nehmen würden als wir auf unsere nahe verwandten Zuchtsäugetiere. Aczel weist aber - wieder aufgrund wahrscheinlichkeitstheoretischer Überlegungen - darauf hin, dass wir - wahrscheinlich - zu den am höchsten entwickelten Lebewesen gehören dürften.

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Offline sandhofer

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #3 am: 12. Dezember 2014, 21.01 Uhr »
Ich halte den Gedanken der Einzigartigkeit aber eher für eine anthropozentrische Eigenheit: Wir neigen dazu, uns zumeist in den Mittelpunkt zu setzen und als etwas Besonderes zu betrachten.

Nun ja - ich neige eher dazu, die Tatsache, dass der Menschn nicht allein im Kosmos sein will, als eine Manifestation dessen zu betrachten, dass der Mensch - ob als Einzelwesen oder als Spezies - offenbar Mühe hat damit, das einzig "zählende" Lebewesen im Universum zu sein. Mit andern Worten: Ob ich mir einen Gott erfinde oder ein Alien - die Wurzel ist dieselbe. Und ob ich dabei nun die Existenz von Aliens begrüsse, wie Gene Rodenberry, oder Angst vor ihnen habe, wie Stephen Hawking, spielt auch keine Rolle.

Aczel weist aber - wieder aufgrund wahrscheinlichkeitstheoretischer Überlegungen - darauf hin, dass wir - wahrscheinlich - zu den am höchsten entwickelten Lebewesen gehören dürften.

Das wäre ja mal positiv für die andern. So lange der Mensch nicht aus seinem Planetensysem kommt, wird er auch keine andern Lebewesen auf andern Planeten versklaven können.
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Offline orzifar

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #4 am: 12. Dezember 2014, 21.32 Uhr »
Hallo!

Ich halte den Gedanken der Einzigartigkeit aber eher für eine anthropozentrische Eigenheit: Wir neigen dazu, uns zumeist in den Mittelpunkt zu setzen und als etwas Besonderes zu betrachten.

Nun ja - ich neige eher dazu, die Tatsache, dass der Menschen nicht allein im Kosmos sein will, als eine Manifestation dessen zu betrachten, dass der Mensch - ob als Einzelwesen oder als Spezies - offenbar Mühe hat damit, das einzig "zählende" Lebewesen im Universum zu sein. Mit andern Worten: Ob ich mir einen Gott erfinde oder ein Alien - die Wurzel ist dieselbe. Und ob ich dabei nun die Existenz von Aliens begrüsse, wie Gene Rodenberry, oder Angst vor ihnen habe, wie Stephen Hawking, spielt auch keine Rolle.

Von dieser Warte aus habe ich das noch nie betrachtet. Vielleicht ist da was dran ... Für mich ist schlicht die Vorstellung seltsam, dass von all den Billionen an Himmelskörpern es nur einen einzigen geben soll, auf dem sich so was wie Leben entwickelt hat. Das ist nun - wie erwähnt - kein schlüssiges Argument. Nur aufgrund der Tatsache, dass die Materie sich eben überall gleich verhält, die Chemie dieselbe ist, liegt (für mich) die Vermutung nahe, dass wir nicht die einzigen sich replizierenden Molekülketten sind ;).

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Offline Dostoevskij

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #5 am: 13. Dezember 2014, 10.26 Uhr »
Moin, Moin!

Demnächst hat sich die Sache erledigt. Und eventuelle extraterrestrische intelligente Lebensformen dürfen sich glücklich schätzen, wieder die einzigen im All zu sein. Für die Intelligenz möglicher Aliens spricht ja gerade, sich nie auf der Erde blicken gelassen zu haben.
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Offline sandhofer

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #6 am: 13. Dezember 2014, 14.36 Uhr »
Alter Pessimist...  :yodel:
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Offline orzifar

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #7 am: 14. Dezember 2014, 00.56 Uhr »
Hallo!

Ich halte es für wenig wahrscheinlich, dass die Menschen sämtlichem Leben auf der Erde den Garaus machen werden. Und da die Ausbildung größerer Gehirne offenbar eine zwangsläufige Entwicklung darstellt, könnte eine andere Spezies eine Chance bekommen. Für den Menschen seh' ich auch ziemlich schwarz. (Aber müsstest du, Dostevskij, nicht mit irgendwelchen Parusiehoffnungen schwanger gehen oder bist du ganz und gar abgefallen? ;))

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Offline Dostoevskij

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #8 am: 14. Dezember 2014, 08.08 Uhr »
Moin, Moin!

Ich halte es für wenig wahrscheinlich, dass die Menschen sämtlichem Leben auf der Erde den Garaus machen werden. Und da die Ausbildung größerer Gehirne offenbar eine zwangsläufige Entwicklung darstellt, könnte eine andere Spezies eine Chance bekommen. Für den Menschen seh' ich auch ziemlich schwarz.

Ich sehe das ebenso. Nach dem Verschwinden des Homo sapiens erholt sich die geschundene Erde erstmal in aller Ruhe und startet dann einen zweiten, hoffentlich besseren Versuch.

Im Ernst jetzt, was hier so Jahr für Jahr abgeht, desillusioniert vollends.  Das einzige, was wir Bibliomanen noch tun können: uns ein paar schöne gebundene Bücher raffen, uns im Lesesessel zurücklehnen und die paar Jahre, die uns noch bleiben, wenn überhaupt, den gedruckten Buchstaben widmen. Das E-Buch scheint zurzeit sowieso etwas suspekt zu sein.

Zitat
(Aber müsstest du, Dostevskij, nicht mit irgendwelchen Parusiehoffnungen schwanger gehen oder bist du ganz und gar abgefallen? ;))

Mußte Parusie nachschlagen. Klang nach Erkältungskrankheit.
« Letzte Änderung: 14. Dezember 2014, 08.15 Uhr von Dostoevskij »
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Offline orzifar

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Re: Amir D. Aczel: Probability 1
« Antwort #9 am: 15. Dezember 2014, 01.31 Uhr »
Hallo!

Zitat
(Aber müsstest du, Dostevskij, nicht mit irgendwelchen Parusiehoffnungen schwanger gehen oder bist du ganz und gar abgefallen? ;))
Mußte Parusie nachschlagen. Klang nach Erkältungskrankheit.

Dass es sich hier tatsächlich um ein Krankheitsbild handelt würde ich nicht vollkommen ausschließen ;). Der Ironie der Frage lag allerdings ein ernstes Interesse zugrunde: Ich frage mich immer wieder, wie man derart disparate Weltbilder unter einen Hut bringt?

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orzifar
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