Autor Thema: Das Schweizer Fernsehen stellt die Kandidaten für den Schweizer Buchpreis vor  (Gelesen 5667 mal)

Offline sandhofer

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Hallo zusammen!

Das meiste davon ist in Standardsprache gehalten, also auch jenseits des Rheins verständlich  ;) :

http://www.srf.ch/sendungen/kulturplatz/mit-eva-wannenmacher-in-der-buechersphaere

Die beiden Moderatorinnen sind Geschmackssache, der Schnitt der Beiträge zu den fünf Büchern auch. Aber zumindest Dutlis "Soutines letzte Fahrt" sceheint mir interessant ...

Grüsse

sandhofer
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Offline Gontscharow

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Aber zumindest Dutlis "Soutines letzte Fahrt" sceheint mir interessant ...

Dutlis Roman war vor einigen Monaten Thema im Literaturclub und wurde dort von Zweifel/Heidenreich/Safranski und ? unisono derart über den grünen Klee gelobt, dass ich meine Skepsis in bezug auf die literarische Verarbeitung von Viten realer Persönlichkeiten über Bord warf und das Buch gelesen habe.Chaim Soutine ist ein unglaublich interessanter, leider viel zu wenig bekannter Maler und ein Verdienst des Buches ist es,  seine Bilder, die von Dutli mit viel Kompetenz und Sensibilität beschrieben und gedeutet werden, wieder stärker ins Bewusstsein gerückt zu haben. Die literarische Aufbereitung, der Erzählansatz, die Idee, Soutine im Morphiumrausch in Form eines stream of consciousness oder inneren Monologs sein Leben Revue passieren zu lassen während einer (illegalen) Fahrt ins Krankenhaus zur einer lebensrettenden Operation durch das besetzte Frankreich ist mir einfach much too much, zu konstruiert, zu ambitioniert, zuviel künstliche Spannung hereinbringend, im Grunde auch zu altbacken. Dutli hat lange in Paris gelebt und das Leben Soutines recherchiert. Wenn er darüber geschrieben hätte. Das wäre viel spannender gewesen!
Am besten gefallen hat mir denn auch der Epilog. Da trifft Dutli bei einem Besuch am Grab des Malers einen der vier Männer, die dem Sarg Soutines 1943 gefolgt waren, kommt mit ihm ins Gespräch und erzählt von seinem Vorhaben, einen Roman über Soutine zu schreiben. Der Freund Soutines rät ab.
Das Buch habe ich vor einigen Monaten schon gelesen und dann verliehen. Ich konnte jetzt nicht noch mal nachschauen, wer die Person war. Vielleicht war es sogar Picasso  ;). Jedenfalls war der einer der vier Sargträger.
 
Übrigens wird Dutli den Preis gewinnen.

Offline sandhofer

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Heidenreich ist schlecht, ganz schlecht. Unsere Geschmäcker sind inkompatibel ...
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Offline Gontscharow

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Heidenreich ist schlecht, ganz schlecht. Unsere Geschmäcker sind inkompatibel ...

Ja, ich weiß, dass du Elke nicht magst. Es waren aber auch zwei Schweizer Kompatrioten von Dir dabei , Stefan Zweifel und Hildegard Keller. Wie steht's mit denen? Und Rüdiger Safranski. ;D Das Buch wurde übrigens von H. Keller vorgestellt. Die Sendung war im Mai. Und wie gesagt, ich bin nicht der Meinung der vier. Aber vielleicht tu ich dem Buch unrecht.

Offline sandhofer

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Wie steht's mit denen?

Keine Ahnung; ich kenne sie nicht.

Und Rüdiger Safranski. ;D Das Buch wurde übrigens von H. Keller vorgestellt. Die Sendung war im Mai. Und wie gesagt, ich bin nicht der Meinung der vier. Aber vielleicht tu ich dem Buch unrecht.

Safranski auch? Au weia ... Mal schauen. Wenn das Buch nun noch den Preis gewinnt, ist es wohl für mich tabu.  :teufel:
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Offline Gontscharow

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...Stefan Zweifel und Hildegard Keller. Wie steht's mit denen?

Keine Ahnung; ich kenne sie nicht.

Nein? ;D Schau mal im Klassikerforum:

Zitat von:  sandhofer« am: 8. Juli 2012, 19:10 »
   
Zitat von:  JMaria am  8. Juli 2012, 17:57

    Ab 18. September 2012 moderiert Stefan Zweifel den Literaturclub  :klatschen:
    ihm zur Seite stehen:

    Elke Heidenreich (Literaturclub 1993/94 // Lesen!)
    Hildegard Elisabeth Keller, Germanistin
    Rüdiger Safranski (Das philosophische Quartett)



Zweifel mag hingehen. Aber Heidenreich + Safranski?!?  :sauer:

Offline sandhofer

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...Stefan Zweifel und Hildegard Keller. Wie steht's mit denen?

Keine Ahnung; ich kenne sie nicht.

Nein? ;D Schau mal im Klassikerforum:

Zitat von:  sandhofer« am: 8. Juli 2012, 19:10 »
   
Zitat von:  JMaria am  8. Juli 2012, 17:57

    Ab 18. September 2012 moderiert Stefan Zweifel den Literaturclub  :klatschen:
    ihm zur Seite stehen:

    Elke Heidenreich (Literaturclub 1993/94 // Lesen!)
    Hildegard Elisabeth Keller, Germanistin
    Rüdiger Safranski (Das philosophische Quartett)



Zweifel mag hingehen. Aber Heidenreich + Safranski?!?  :sauer:

Eben: Zweifel mag hingehen, ich kenne ihn nicht ...  O0
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Offline sandhofer

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Ich wollte gestern noch in der Buchhandlung ums Eck in den Soutine hineinblättern. War aber keiner mehr da; ich vermute, dass das lesende Publikum da - quasi eine Abstimmung mit den Füssen - seinen Favoriten schon gekürt hat ...
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Offline sandhofer

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Carambole - haben sich die Schweizer halt doch fürs Dorf entschieden ...  :teufel:
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Offline sandhofer

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Aber zumindest Dutlis "Soutines letzte Fahrt" sceheint mir interessant ...

Dutlis Roman war vor einigen Monaten Thema im Literaturclub und wurde dort von Zweifel/Heidenreich/Safranski und ? unisono derart über den grünen Klee gelobt, dass ich meine Skepsis in bezug auf die literarische Verarbeitung von Viten realer Persönlichkeiten über Bord warf und das Buch gelesen habe.

Habe heute in der Buchhandlung ein wenig darin herumgeblättert. Es ist stilistisch und inhaltich genau, die Literaturkritik in Ekstase setzt: Nicht 08/15 von vorne nach hinten erzählt. Verschachtelungen, Themensprünge etc. Stream of Consciousness ist gut und recht, aber: Das war vor 100 Jahren modern (und damals noch extravagant)! Mag auch sein, ich habe an den falschen Stellen hineingeblättert. Aber ich finde, heute haben wir wichtigere Themen als eine weitere Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg bzw. dem Nationalsozialismus bzw. dem Vichy-Staat. Zum Beispiel: wie die heutige Zeit sich mit dem Nationalsozialismus und Rechtsradikalismus auseinandersetzt. Wenn's denn schon politische Literatur sein soll.

Nein. Wird nicht gelesen.
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Offline Gontscharow

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Zitat von: sandhoferHeute um 16:10
Stream of Consciousness ist gut und recht, aber: Das war vor 100 Jahren modern (und damals noch extravagant)!

Ja, das meinte ich mit:

Zitat von:  Gontscharow 25. Oktober 2013, 22.05 Uhr
Soutine im Morphiumrausch in Form eines stream of consciousness … sein Leben Revue passieren zu lassen …. ist mir einfach ….. auch zu altbacken.

Übrigens, damit kein falscher Eindruck entsteht, Soutines letzte Fahrt ist keine

Zitat von: sandhofer Heute um 16:10 »
...weitere Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg bzw. dem Nationalsozialismus bzw. dem Vichy-Staat.

Das kommt nur am Rande vor. Es geht um sein Leben, seine Kindheit im bilderfeindlichen jüdischen Stedl in Weißrussland, sein Künstlertum, seinen Selbsthass, seine Krankheit, die Pariser Künstlerboheme, seine Freundschaft mit Modigliani und immer wieder seine Wahnsinnsbilder…

Offline sandhofer

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Das Schweizer Fernsehen stellt die Kandidaten für den Schweizer Buchpreis vor
« Antwort #11 am: 08. November 2013, 11.53 Uhr »
Zitat von: sandhoferHeute um 16:10
Stream of Consciousness ist gut und recht, aber: Das war vor 100 Jahren modern (und damals noch extravagant)!

Ja, das meinte ich mit:

Zitat von:  Gontscharow 25. Oktober 2013, 22.05 Uhr
Soutine im Morphiumrausch in Form eines stream of consciousness … sein Leben Revue passieren zu lassen …. ist mir einfach ….. auch zu altbacken.

Da sind wir ja einer Meinung.

Übrigens, damit kein falscher Eindruck entsteht, Soutines letzte Fahrt ist keine

Zitat von: sandhofer Heute um 16:10 »
...weitere Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg bzw. dem Nationalsozialismus bzw. dem Vichy-Staat.

Das kommt nur am Rande vor.

Wie gesagt:

Mag auch sein, ich habe an den falschen Stellen hineingeblättert.

Aber selbst so:

Nein. Wird nicht gelesen.

PS. Warum machen sich eigentlich Kritiker im 21. Jahrhundert immer noch ins Höschen bei etwas, das vor 100 Jahren mal Avant-Garde war? Weil sie's nach 100 Jahren endlich begriffen haben? Weil's jetzt so arriviert ist, wie vor 100 Jahren die Verschachtelungstechnik der Romantiker?
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