Autor Thema: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Gelesen 173912 mal)

Offline Gontscharow

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Ich komme zum zweiten Beitrag des dritten Stücks des Jahrgangs 1796: Der Ritter von Tourville . Um den Zusammenhang zu verstehen, habe ich  den Anfang der Erzählung ( 2/II,1796) doch noch gelesen.

Zitat von: sandhofer im blog
Der Ritter von Tourville
Um gleich die fürchterlichsten Sachen vorwegzunehmen, springe ich vom ersten sofort zum letzten Text dieser Nummer. Autor dieses Ritterstücks ist ein auch in der Allgemeinen Deutschen Biographie nicht auffindbarer Johann Friedrich Gerber.

Wohl aber in der Digitalen Textsammlung älterer Literatur Estlands ;):

Johann Friedrich Gerber (1761 – 1814)
Erzähler; Gerichtssekretär in Reval
Geburtsort: Danzig
Geburtsdatum (n.St./a.St.): 01.12.1761 / 20.11.1761
Sterbeort: Reval (Estland)
Sterbedatum (n.St./a.St.): 04.03.1814 / 20.02.1814
Geschlecht: Mann
Sprache: Deutsch
Namensform: Johann Friedrich Gerber
Anmerkungen
Heiratete 1791 in Reval Catharina Elisabeth Riesenkampff (1765-1833) ; seine Erzählung "Der Ritter von Tourville" erschien in F. Schillers "Horen" (2-3, 1796).


Die Frage ist eigentlich nicht, warum jemand eine solche unsäglich kitschige klischeehafte und platte Schmonzette verfasst, sondern was die Herausgeber  dazu bewogen haben mag, dieses triviale Herzkino in die Horen aufzunehmen. Anbiederung an den vermeintlichen Publikumsgeschmack, Steigerung der Verkaufszahlen nach dem Motto: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; Und jeder geht zufrieden aus dem Haus…? ::)

Der Witz ist: Wenn man sich durch die zwei Folgen gequält hat und meint, das absehbare, längst fällige, künstlich hinausgezögerte Happy-End müsse nun endlich kommen, stößt man auf ein: Fortzetzung folgt! Die folgt aber gar nicht. Ich wollte mir das Ende reinziehen, um diese Geschichte ein für alle Mal ad acta zu legen, eine Fortsetzung ist aber weder im Jahrgang 96, noch 97 zu finden! Was sagt man dazu?

Offline sandhofer

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Danke für Deine Nachforschungen.

Nun ja - ich bin ja froh, gibt es danach keine Fortsetzung mehr. Ich glaube aber nicht an eine Einsicht Schillers, sondern schlicht an ein Versehen. Oder der Autor hat nicht mehr geliefert...
« Letzte Änderung: 17. März 2014, 19.44 Uhr von sandhofer »
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Offline Gontscharow

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... ich bin ja froh, gibt es danach keine Fortsetzung mehr. Ich glaube aber nicht an eine Einsicht Schillers, sondern schlicht an ein Versehen. Oder der Autor hat nicht mehr geliefert...

Seh ich auch so. Die Geschichte lag zudem sowieso in den letzten Zügen.

Über den moralischen Nutzen ästhetischer Sitten gehört in die Reihe der schillerschen Nachbesserungen zur Ästhetischen Erziehung  wie der Aufsatz Von den nothwendigen Grenzen des Schönen besonders im Vortrag philosophischer Weisheiten im Septemberheft  und Über die Gefahr ästhetischer Sitten im Novemberheft 1795.

Dieser Aufsatz will mir platt, harmoniesüchtig und tautologisch erscheinen! Es versteht sich eigentlich von selbst, dass der gute Ton des civilisierten Menschen, dass der gute Geschmack, dass Mäßigung und Anstand  der Moralität förderlich sind, denn es sind ja bereits auch moralisch ethische Eigenschaften und Kompetenzen. Schiller schränkt Ästhetik ein auf das Positive.
 
Zitat von:  Schiller, Horen,3,II,1796
Zur Ehre der menschlichen Natur lässt sich annehmen, daß kein Mensch so tief sinken kann, um das Böse bloß deßwegen, weil es böse ist, vorzuziehen…

Ja, verleugne nur Franz Moor und andere deiner Dramengestalten! Wie bei Herders Fest der Grazien sehe ich hier eine Aussparung des Dunklen,Irrationalen, Rauschhaften zugunsten einer spießerhaften "erbaulichen" Klassizität.  Was in diesem thematischen Zusammenhang  spannend wäre, eine Untersuchung z.B. der läuternden Funktion des Ästhetischen, „Reinigung von Leidenschaften“ durch Darstellung derselben etwa, findet nicht statt.

Offline sandhofer

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In Klöstern wohnt die Schwatzhaftigkeit, vorzüglich in Frauenklöstern.

Das ist in etwa das Niveau von Gerber. Und so geht's seitenlang ...
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Offline sandhofer

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Zitat von:  Schiller, Horen,3,II,1796
Zur Ehre der menschlichen Natur lässt sich annehmen, daß kein Mensch so tief sinken kann, um das Böse bloß deßwegen, weil es böse ist, vorzuziehen…

Ja, verleugne nur Franz Moor und andere deiner Dramengestalten! Wie bei Herders Fest der Grazien sehe ich hier eine Aussparung des Dunklen,Irrationalen, Rauschhaften zugunsten einer spießerhaften "erbaulichen" Klassizität. 

Ich denke, der Dramatiker Schiller und der Theoretiker Schiller gehen hier auseinander, weil, was im Drama höchste Wirkung entfalten kann - z.B. Franz Moor - , in der Realität tatsächlich unmöglich ist. Franz Moor ist ebenso wie Lautréamonts Maldoror das Gedankenspiel eines Jünglings. Das wirklich Beunruhigende an der Welt ist m.M.n., dass jeder Mörder, Räuber oder was auch immer, ob der nun mein einfacher Nachbar ist oder der Regierungschef eines Weltreichs oder Oberhaupt einer weltumspannenden Kirche, jeder findet zumindest im Moment der Tat einen Grund, warum dieser Mord gut und richtig ist.

Was in diesem thematischen Zusammenhang  spannend wäre, eine Untersuchung z.B. der läuternden Funktion des Ästhetischen, „Reinigung von Leidenschaften“ durch Darstellung derselben etwa, findet nicht statt.

Ob Schiller schon die Lust am Philosophieren verloren hat?
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Offline Gontscharow

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In Klöstern wohnt die Schwatzhaftigkeit, vorzüglich in Frauenklöstern.
;D

Und in estnischen Amtsstuben der pubertäre Traum vom tapferen Ritter, willigen Frauen und bösen Muselmanen.

Offline Gontscharow

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Ich denke, der Dramatiker Schiller und der Theoretiker Schiller gehen hier auseinander, weil, was im Drama höchste Wirkung entfalten kann - z.B. Franz Moor - , in der Realität tatsächlich unmöglich ist. Franz Moor ist ebenso wie Lautréamonts Maldoror das Gedankenspiel eines Jünglings.

Ja sicher, und Schiller weiß das. In seiner "Selbstbesprechung" der Räuber im Wirtembergischen Repertorium… analysiert er aufs feinste die natürlichen Grenzen  dieser absoluten Boshaftigkeit und weist sie als unrealistisches Hirngespinst aus.

Das wirklich Beunruhigende an der Welt ist m.M.n., dass jeder Mörder, Räuber oder was auch immer, ob der nun mein einfacher Nachbar ist oder der Regierungschef eines Weltreichs oder Oberhaupt einer weltumspannenden Kirche, jeder findet zumindest im Moment der Tat einen Grund, warum dieser Mord gut und richtig ist.


Finde ich auch. Aber dieses banale, alltägliche Böse ist ja erst recht nicht Thema beim Idealisten Schiller.

Was mir zu denken gibt: Der emanzipatorische Aspekt, den man  der ÄE durchaus noch abgewinnen konnte, scheint flöten zu gehen, wenn Anstand und Maß die Richtlinien sein sollen. Grenzüberschreitungen sind ja nun gerade das Spannende und „Progressive“ an der Kunst! Aber hier schreibt ja auch jemand, der z.B. die Gefährlichen Liebschaften für ein wunderbares Buch hält, aber meint, dem gemeinen Leser  müsse es vorenthalten werden.





« Letzte Änderung: 30. März 2014, 15.26 Uhr von Gontscharow »

Offline Gontscharow

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Bevor es wieder heißt : Habe Stück … verbloggt ( pardon, aber ich  lese immer verbockt), noch schnell ein paar Anmerkungen zum letzten Beitrag des Märzheftes, den Kostproben August-Wilhelm-Schlegelscher Shakespeare-Übersetzungskunst. Neben seiner interkulturell überaus fruchtbaren Beziehung zu Mme de Stael  ist es wohl seine Shakespeare-Übersetzung, (später als  Schlegel-Tieck-Ausgabe  erschienen), die am nachhaltigsten zu seinem Nachruhm beigetragen hat. Dabei gab es seit Lessings 17. Literaturbrief von 1759 ja schon jede Menge  Eindeutschungen des verehrten Dichters. Von  Wieland etwa oder von Eschenburg, Eckert, Sievers, Voß …
Was ist das Besondere an Schlegels Übersetzung? Dass sie metrisch ist und eigentlich eine Nachdichtung? Wenn ich ehrlich bin, hat die Schlegelsche Übersetzung (als einzig verfügbare) mich früher eher davon abgehalten, Shakespeare zu lesen. Immer wenn ich es versuchte, scholl mir dieses geschwollene, in Verse gezwängte Deutsch des ausgehenden18./ Anfang 19. Jahrhunderts entgegen : Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern/Des wütenden Geschicks erdulden oder,/Sich waffnend gegen eine See von Plagen,/Durch Widerstand sie enden? …
Shakespeare habe ich, wenn überhaupt, in der Schule durch seltene Shakespeare-Lektüre im Original, im Theater durch eigens für die einzelnen Inszenierungen angefertigte Übersetzungen lieben und schätzen gelernt. Die Schönheit und Einfachheit von Shakespeares Sprache ist mir aber zum ersten Mal  so richtig erst durch Polanskis Macbeth-Film aufgegangen, den ich vor langer Zeit in London gesehen habe:  Life's but a walking shadow,/…it is a tale told by an idiot,/ full of sound and fury, signifying nothing……Give sorrow words. The grief that does not speak./ Whispers the o'erfraught heart and bids it break…
Zurück zu August Wilhelm Schlegel. Christian Köllerer wunderte sich vor einiger Zeit anlässlich einer Shakespeare-Aufführung darüber, wie gut und geschmeidig die Übersetzung von Schlegel sei, man müsse sie hören, um ihren Wert richtig einzuschätzen.
Wie geht und ging es euch mit der Shakespeare-Übersetzung Schlegels?

Allgemein ist auffällig, dass Ende des 18., Anfang des 19.Jahrhunderts viele Werke der „Weltliteratur“in Deutschland  nicht nur übersetzt, sondern auch  metrisch nachempfunden , nachgedichtet werden. Suche um Anschluss an die Weltliteratur?

Offline sandhofer

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Wie geht und ging es euch mit der Shakespeare-Übersetzung Schlegels?

Ich habe Shakespeare in dieser Form kennen gelernt, und so, wie “Homer” für mich bei aller Kritik bis heute “Voß” ist, ist “Shakespeare” halt “Schlegel-Tieck”. Warum allerdings Schlegel (und/oder Schiller?) aus Romeo und Julia ausgerechnet diese recht uninteressanten Passagen aus dem Beginn des Stücks ausgewählt haben und nicht einen wirklich ‘dramatischen’ Ausschnitt, will sich mir nicht erschliessen.

Allgemein ist auffällig, dass Ende des 18., Anfang des 19.Jahrhunderts viele Werke der „Weltliteratur“in Deutschland  nicht nur übersetzt, sondern auch  metrisch nachempfunden , nachgedichtet werden. Suche um Anschluss an die Weltliteratur?

Übersetzungen haben ihre Moden: Es war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgemacht, dass, was im Original Versform aufwies, auch in der Übersetzung Versform aufzuweisen hatte. Warum allerdings gerade an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Deutschland Verse in Versen nachgedichtet werden mussten, kann ich auch nicht sagen.

Ach ja. Im Blog ist diese Nummer nun auch ...  :angel:
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Offline sandhofer

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Man möge mir übrigens verzeihen, wenn ich den Benvenuto Cellini nicht lese. Ich habe mich bei meiner ersten Lektüre der Horen, vor Jahren, tatsächlich über mehrere Nummern da durch gequält. Ein zweites Mal halte ich das nicht mehr aus. Goethes Kurialstil in Verbindung mit den letztlich uninteressanten Bluff-Geschichten des Italieners, der eh immer der Grösste und Beste und einzige Ehrliche ist ... brrr ...
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Offline sandhofer

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[...] noch schnell ein paar Anmerkungen zum letzten Beitrag des Märzheftes, den Kostproben August-Wilhelm-Schlegelscher Shakespeare-Übersetzungskunst. Neben seiner interkulturell überaus fruchtbaren Beziehung zu Mme de Stael  ist es wohl seine Shakespeare-Übersetzung, (später als  Schlegel-Tieck-Ausgabe  erschienen), die am nachhaltigsten zu seinem Nachruhm beigetragen hat. Dabei gab es seit Lessings 17. Literaturbrief von 1759 ja schon jede Menge  Eindeutschungen des verehrten Dichters. Von  Wieland etwa oder von Eschenburg, Eckert, Sievers, Voß …
Was ist das Besondere an Schlegels Übersetzung? Dass sie metrisch ist und eigentlich eine Nachdichtung?

Im Gegensatz zu dem, was der Anfang vermuten lässt, gibt Schlegel im 4. Teil der Horen auch eine Erklärung, warum und wo er welches Versmass verwendet hat in seiner Übersetzung. Er sieht nämlich in der Shakespeare'schen Verwendung jeweils unterschiedlicher Sprachformen durchaus einen Sinn und möchte den auch ins Deutsche übertragen haben.

Daneben ist sein Aufsatz - natürlich! - eine Hommage an den Goethe des Wilhelm Meister, an Wieland den Übersetzer, an Lessing den Dramentheoretiker. Ein bisschen Romantik, ein bisschen Aufklärung...
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Offline Gontscharow

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Zitat von: sandhofer am: Gestern um 09:5
gibt Schlegel im 4. Teil der Horen auch eine Erklärung, warum und wo er welches Versmass verwendet hat in seiner Übersetzung

Ja, ein Blick in seine Übersetzerwerkstatt, aus der er außer Überlegungen zum Versmass noch viele weitere Details preisgibt.

Zitat von: sandhofer am: Gestern um 09:57
Daneben ist sein Aufsatz - natürlich! - eine Hommage an den Goethe des Wilhelm Meister, an Wieland den Übersetzer, an Lessing den Dramentheoretiker.

Wobei im Wilhelm Meister selbst schon eine Hommage an den Shakespeare-Übersetzer  Wieland enthalten ist: Wielands Übersetzung ist Grundlage von Wilhelms Hamlet-Inszenierung:

Zitat von:  Goethe Lehrjahre
Wilhelm hatte sich schon lange mit einer Übersetzung Hamlets abgegeben; er hatte sich dabei der geistvollen Wieland’schen Arbeit bedient, durch die er überhaupt Shakespearn zuerst kennen lernte…

Was mich wundert: dass es in den Horen sonst keine(?) Wilhelm Meister-Rezension gibt bis auf diese A.W.Schlegel’schen Anmerkungen, die sich auf die darin enthaltene Shakespeare- Interpretation beschränken.

Man möge mir übrigens verzeihen, wenn ich den Benvenuto Cellini nicht lese. Ich habe mich bei meiner ersten Lektüre der Horen, vor Jahren, tatsächlich über mehrere Nummern da durch gequält. Ein zweites Mal halte ich das nicht mehr aus.

Es sei Dir verziehen! Ich schließe mich Dir an, hoffe aber, dass Du aufgrund Deiner Lektüre noch einige Vermutungen darüber zum besten gibst, was Goethe an dem Künstler und Kunsthandwerker so interessant fand, dass er ihn (ich glaube sogar aus dem Englischen) übersetzt hat.



Offline sandhofer

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Ich schließe mich Dir an, hoffe aber, dass Du aufgrund Deiner Lektüre noch einige Vermutungen darüber zum besten gibst, was Goethe an dem Künstler und Kunsthandwerker so interessant fand, dass er ihn (ich glaube sogar aus dem Englischen) übersetzt hat.

Sofern ich was herausfinde ...  ::)
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Offline sandhofer

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Sofern ich was herausfinde ...  ::)

Viel Gescheites hat auch meine Werkausgabe nicht hergegeben, also habe ich sonst noch ein wenig Öl, Essig und Senf hinzugegeben: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5493
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Offline Gontscharow

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Viel Gescheites hat auch meine Werkausgabe nicht hergegeben, also habe ich sonst noch ein wenig Öl, Essig und Senf hinzugegeben...

...und Stück IV gehörig aufgepeppt. Erstaunlich, was du noch an Interessantem aus der faden Nummer herausgeholt hast!

Übrigens sind die A.W. Schlegelschen Anmerkungen doch nicht die einzige Erwähnung der Lehrjahre in den Horen. Ein paar Monate später folgt noch ein "Brief" von Freund Körner, in dem er sich über die Lehrjahre auslässt: Kurz, dröge, brav.
Es ist schon sehr verwunderlich, dass das literarische Großereignis, das Erscheinen von Goethes Roman 95/96 und die Diskussion darum, so gar keine Wellen schlägt in den kunstliebenden Horen! Die Leser werden mit Zweitrangigem, Marginalem abgespeist. Ähnliches gilt ja in bezug auf den "keimenden" Walllenstein, von dem Schiller kein Fitzelchen preisgibt, wie du schreibst.