Autor Thema: Louis-Sébastien Mercier: Das Jahr 2440 / L'An Deux Mille Quatre Cent Quarante  (Gelesen 5477 mal)

Offline sandhofer

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Hallo!

Na dann  ;) - bin grade belletristikfrei.

Ob das Belletristik ist, weiss ich noch nicht. Ich bin unterdessen so ca. auf S. 50. Eine klassische Utopie im Sinne des Erfinders. Ich lese den Reprint einer Ausgabe von 1775, angeblich in London erschienen. Saage1) kennt offenbar eine von 1772, in Leipzig erschienen. Welche Ausgabe liest Du denn?

Grüsse

sandhofer

1)Richard Saage: Politische Utopien der Neuzeit. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1991.
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Offline sandhofer

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Wobei Mercier wohl besser getan hätte, seine Utopie nicht im Frankreich/Paris des 25. Jahrhunderts spielen zu lassen, sondern wie Morus auf einer abgelegenen und unbekannten Insel. Irgendwie wirkt es unfreiwillig komisch, wenn im 25. Jahrhundert noch alle Literaten und Philosophen des 18. Jahrhunderts verehrt werden, als ob es in der Zwischenzeit nichts mehr gegeben hätte. Oder wenn die Herren noch immer gepuderte Frisuren tragen. Und auch sonst vom technischen Fortschritt keine Spur zu sehen ist. (Immerhin waren zu Merciers Zeit die Brüder Montgolfier schon Weltstars ...)
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Offline sandhofer

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Ich bin noch nicht weiter, aber meine Eindrücke formieren sich zur Zeit häppchenweise in meinem Hirn ...  :)

Mir will scheinen, Mercier kann sich nicht so recht entscheiden, ob er nun ein staats- bzw. gesellschaftstheoretisches Werk verfassen soll oder Belletristik. Das hat allerdings wohl System. Einerseits, weil die belletristische Einkleidung gegenüber der Zensur wahrscheinlich einen gewissen Schutz bot, andererseits, weil die Tradition auch dafür spricht. Platons dialogische Einkleidung war nur noch ein mühsamer Rest der ausgefeilten und auch ästhetisch durchdachten Dramaturgie der früheren Dialoge. Morus' belletristische Einkleidung ist zwar um Längen besser ausgefallen, aber das Hilfsmittel, einen Unbekannten von einer entfernten Insel erzählen zu lassen, ist halt auch nur das: ein Hilfsmittel. Letztendlich leiden alle diese Utopien an ähnlichen Krankheiten: Der utopische Staat kann nicht (belletristisch) erlebt, er muss theoretisch geschildert werden. Erewhon, Die Insel Felsenburg ... tutti quanti ...
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Offline orzifar

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Hallo!

Ich lese das Insel-Taschenbuch (it 1162), herausgegeben von Herbert Jaumann.

Deine Kritik kann ich nachvollziehen und unterschreiben. Mercier verfasst nicht eigentlich einen Zukunftsroman, sondern übt Kritik an den herrschenden Umständen. Hier ist nichts Visionäres, werden keine neuen Ideen geboren, sondern Missstände geschildert, die sich durch ein edles Menschenbild wie von selbst beheben. Alles bleibt sich gleich, der König, die Institutionen, die Gesellschaft, nur sind sie alle in wundersamer Weise verwandelt und plötzlich gute, altruistische, hochherzige Menschen geworden.

Außerdem ist die Unzahl an Fußnoten dem Lesefluss nicht wirklich förderlich. Natürlich ist dies Absicht, soll durch den faktischen Bezug den Eindruck von Wissenschaftlichkeit erwecken, ist aber eine recht mühselige Angelegenheit. Alles in allem: Nicht sehr originell, eine bloße Auflistung von Missständen, die sich durch eine wundersame Änderung des Menschen in nichts auflösen.

lg

orzifar
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Offline orzifar

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Nachsatz: Beispielhaft für die Phantasielosigkeit des Autors ist seine Einschätzung der Frauen in und für die Gesellschaft: Sie sollen selbstverständlich menschlich und respektvoll behandelt, nicht zu bloßen billigen Arbeitskräften degradiert werden - allerdings sieht er die Hauptaufgabe für eine Frau einzig darin, Kinder zu bekommen bzw. für den (netten) Ernährer der Familie ein angenehmes Umfeld zu bereiten. - Das alles ist schon sehr einfallslos und hausbacken, Mercier scheint es gänzlich an Imaginationskraft zu fehlen. Und ich fürchte, dass das mit Fortdauer des Buches nicht besser werden wird.

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Ich lese das Insel-Taschenbuch (it 1162), herausgegeben von Herbert Jaumann.

Auf welcher Ausgabe beruht die Insel denn?

Mercier scheint es gänzlich an Imaginationskraft zu fehlen. Und ich fürchte, dass das mit Fortdauer des Buches nicht besser werden wird.

Ich denke nicht.
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Offline sandhofer

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Beispielhaft für die Phantasielosigkeit des Autors ist seine Einschätzung der Frauen in und für die Gesellschaft: Sie sollen selbstverständlich menschlich und respektvoll behandelt, nicht zu bloßen billigen Arbeitskräften degradiert werden - allerdings sieht er die Hauptaufgabe für eine Frau einzig darin, Kinder zu bekommen bzw. für den (netten) Ernährer der Familie ein angenehmes Umfeld zu bereiten.

Das hatte ich die längste Zeit gesucht und nicht gefunden ... Habe ich das überlesen oder bin ich noch nicht so weit? In welchem Kapitel steckt das denn?
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Offline orzifar

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Das hatte ich die längste Zeit gesucht und nicht gefunden ... Habe ich das überlesen oder bin ich noch nicht so weit? In welchem Kapitel steckt das denn?


Hallo!

Das musst du überlesen haben (was nur allzu verständlich ist, ich bin mittlerweile auch ziemlich genervt von diesem Buch und überlege ernsthaft, es abzubrechen): Im vierten Kapitel der letzte Absatz.

Mehr als 5 - 10 Seiten schaffe ich kaum, dann bin ich meist verärgert und/oder gelangweilt und greife zu einem anderen Buch. Nicht, dass er mit seinen Ansichten immer so falsch läge, aber es sind doch nur ausgewalzte Platitüden, die im 18. Jahrhundert zwar noch mehr Originalität beanspruchen konnten, sich nun aber lesen wie ein selbstverständlich zu kritisierender Katalog von antiquierten Verhaltensweisen. (So etwa soll ein König nicht arrogant, selbstgefällig, ausschweifend etc. sein, sondern ein Bürger wie alle anderen. Sowas aber auch.) Banal sind die sich anschließenden Lösungsvorschläge: Der König wird ein netter, verständiger Kerl und die Sache ist gelöst, alle Verfassungsänderungen werden dadurch überflüssig.

Das ist - wie schon erwähnt - einfach nur billig.

lg

orzifar

Nachsatz: Ich bin erst bei Kapitel 13, lese die Übertragung von Chr. Felix Weiße von 1772 mit Verbesserungen des erwähnten Herrn Jaumann.
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Offline sandhofer

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Hallo!

Das musst du überlesen haben (was nur allzu verständlich ist, ich bin mittlerweile auch ziemlich genervt von diesem Buch und überlege ernsthaft, es abzubrechen): Im vierten Kapitel der letzte Absatz.

Danke. Ich habe mittlerweile das Inhaltsverzeichnis meiner Ausgabe gefunden, und dort ein ganzes Kapitel, das der Frau gewidmet ist: XXXVIII. Da es, soweit ich sehe, in diesem Werk nicht auf die Reihenfolge ankommt, in der man die Kapitel lesen soll, habe ich Kapitel XXXVIII sogleich aufgeschlagen. Und war - gelinde gesagt - entsetzt, um nicht zu sagen: Mir wurde schlecht. Schon im bisherigen Text war Mercier ja im Grunde genommen ein Kritiker des gegenwärtigen Systems auf konservative Art. Will sagen: Das System wäre seiner Meinung nach schon in Ordnung, nur die Art und Weise, wie es praktiziert wird, ist von Übel. Wenn es aber um die Frauen geht, übertrifft sich Mercier selber. Sie sollen kein Mitgift bekommen, sondern ihr Leben lang ökonomisch vom Mann abhängig sein. Schliesslich besteht ihre einzige Lebensaufgabe darin, den Haushalt zu führen, Kinder zu kriegen und zu erziehen. Dass dann im Jahr 2440 die Scheidung erlaubt sein soll, ist einer der inneren Widersprüche von Mercier. Er begründet diese auch in einer Fussnote.

Ach ja - diese Fussnoten. Dass sie den Lesefluss stören, könnte ich nicht sagen. Schliesslich ist da für mich gar kein Lesefluss vorhanden, der gestört werden könnte. Ein paar Mal bin ich allerdings gerade in den Fussnoten auf eine nachgerade verzweifelte Kritik seiner Gegenwart gestossen. Gerade, dass sich hier die Verzweiflung so manifestieren konnte, hat mich mit den Fussnoten nicht nur versöhnt; ich halte sie gar für den essentiellen, besseren Teil des Werks. Wo er kritisiert, wird Mercier lebendig, vibriert die Luft. Wo er Änderungen vorschlägt, traut er sich dann nicht mehr und will nur dasselbe, einfach ein bisschen anders.

Gemäss französischsprachiger Wikipedia ist Mercier der erste, der eine Utopie als Uchronie angelegt hat, sprich in eine ferne Zeit und nicht an einen fernen Ort verlegte. Der Urgrossvater der Science Fiction sozusagen. Auch konnte Mercier offenbar bei weiteren Auflagen mit Genugtuung darauf hinweisen, wie viele seiner Vorhersagen sich schon in kürzester Zeit in der Französischen Revolution bewahrheitet hatten.

Alles in allem wohl keine Belletristik, sondern höchst zeit- und ortsgebundene politische Polemik.

Grüsse

sandhofer
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Offline orzifar

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Hallo,

sehr unbefriedigend, nach wie vor. Ein bisschen Stammtischargumentation (etwa in bezug auf das Rechtssystem), wobei die Simplizität der Beweisführung von dem unzulässig vereinfachten Menschenbild ausgeht. Allerdings ist Mercier dann  auch wieder inkonsequent und spricht von "unbelehrbaren" Übeltätern, Übeltäter, die, weil Einsperren unmenschlich ist, einfach des Landes verwiesen werden (wobei sich natürlich die Frage aufdrängt, was andere Länder mit der genau gleich geistreichen Verfassung machen ...). Auf solche nicht zu Ende gedachten Vorschläge stößt man en masse - und genau deshalb ist der philosophische Gehalt des Buches nicht größer als eine hochprozentige Diskussion am Würstlstand. (Mord wird im übrigen weiterhin durch die Todesstrafe geahndet, nur dass man in Merciers Zukunftsland sich nicht darüber freut, sondern einige Tränen zerdrückt.)

Bezüglich der Theologie bemüht Mercier ähnlich einfältige Argumente. Es ist offenkundig, dass das theologische Personal entbehrlich ist, andererseits wirft der Autor bloß einen Blick in die Natur und schon sinkt er vor seinem ihm sich offenbarenden Gott in die Knie. Denn ein solcher sei nur für Ignoranten nicht erkennbar. Mit dieser inneren Gottesschau wandelt er auf mystischen Spuren - verbrämt mit pantheistichen Versatzstücken. Ein Philosoph ist Mercier wahrlich nicht ...

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Ein Philosoph ist Mercier wahrlich nicht ...

Nein. Sondern einer, der sich vom herrschenden System bedrückt fühlt und diese Bedrückung mit minimalstem Aufwand entfernen möchte. Mercier war ja nicht umsonst Mitglied der Gironde und ist wohl nur aus Zufall Robespierres Guillotine entgangen; verhaftet wurde er ja offenbar. Wie gesagt: Gut finde ich ihn dort, wo er anklagt; nicht dort, wo er Lösungen präsentiert. Die sind nämlich wirklich nichts wert ... Leider klagt er zu wenig an.
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Offline sandhofer

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Hallo!

Ich bin in der Zwischenzeit ja damit fertig. Ich weiss nicht so recht, was ich noch viel Neues dazu schreiben könnte. Die Fussnoten, die Uchronie - alles, was mehr oder weniger für ihn spricht, habe ich schon angeführt. Was gegen ihn spricht, auch ...  :-\

Grüsse

sandhofer
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Offline orzifar

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Hallo!

Da beneide ich dich ja fast schon darum. Ich habe noch nicht einmal die Hälfte hinter mir.

Das Menschenbild Merciers ist eine Leihgabe Rousseaus. Wenn man dasselbe in die Realität übersetzt gelangt man schließlich zu solchen Kuriosa wie hier: Ein Mörder, der bereut und freudig das Todesurteil hinnimmt, weil er dadurch weiterhin der Gemeinschaft angehört (sic), er flüchtet nicht oder entzieht sich demselben, weil die Schande ein so viel größeres Ungemach ist als der Tod. Amüsant auch der Initiationsritus mittels Teleskop und Mikroskop, nach dem Blick ins Größte und Kleinste ist der Kandidat von Gott überzeugt und erfüllt, sodass er erschüttert und begeistert von so viel wundersamen Dingen den Rest seines Lebens beglückt dahinwandelt.

Dass hier sehr viel mehr Rousseau, kein Diderot oder La Mettrie zu Ehren kommt, macht diese Gesellschaftsutopie derart versponnen und zu einem Wunsch- und Traumgespinst. Bei der immer wieder erörterten Rechtspflege wird das mehr als deutlich: Man versteht eigentlich gar nicht mehr, wie diese hochherzigen Straftäter denn überhaupt zu ihrem Tun kommen, es wäre im Grunde nur konsequent, wenn Mercier Straftaten als längst obsolet betrachten würde.

Ein bisschen erinnert diese Zukunftsprovinz an Kastalien, wenngleich noch eine Spur ernsthafter. Man huldigt der Wissenschaft und der Vernunft, hält aber die pantheistische Gottesvorstellung für evident, esoterische Einsprengsel sind fürs Seelenheil wohltuend. Apropos Seele: Hier wandelt Mercier auf Descartes Spuren, huldigt einem Dualismus (den er zu seinem Glück nicht erklären muss). Verbunden mit ein klein wenig Seelenwanderung a la Pythagoras.

Naja, schon eine ziemlich abenteuerliche Mischung.

lg

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Hallo

Irgendwo ist ein Kapitel reinster Rousseau'scher Naturschwärmerei eingelassen. Ein absoluter Fremdkörper im Text. Leider nur fremd, nicht besser ...

Grüsse

sandhofer
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Offline orzifar

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Hallo!

Eines fällt (wie bei den meisten Utopien) ins Auge: Dass Popper mit seiner warnenden Feststellung, solche Entwürfe würden den Keim der Diktatur in sich bergen, vollkommen Recht hatte. Immer glauben solche Autoren, ihre vorgebliche Weisheit im Sinne des Volkes bzw. der Menschen durchsetzen zu müssen, wobei es mit der Toleranz nicht sehr weit her ist: So heißt es etwa in Kapitel 25 über die Dichter "Sie haben die Herzen ihrer Mitbürger in der Hand, sie lenken sie nach Belieben. Deshalb machen sie sich auch strafbar, wenn sie gefährliche Grundsätze hervorbringen." (Hervorhebung von mir) Mehr oder weniger wortwörtlich finden sich derartige Formulierungen in faschistischen oder kommunistischen Systemen, die Entscheidung über das Maß an Gefährlichkeit obliegt dann einer speziellen Gruppe, welche kraft ihrer Einsicht darüber zu befinden befugt ist. Und es gibt bei Mercier unzählige weitere Stellen totalitärer Gesinnung.

Als Ursache ist ein verqueres Menschenbild auszumachen: Egal, ob man den Menschen als ursprünglich nur gut, böse etc. einstuft, immer erfolgen aufgrund dieser Vereinfachung unzählige Bestimmungen, die der tatsächlichen Komplexität des Menschen und seinem Verhalten in keiner Weise gerecht werden. Und was nicht dem vereinfachten Bild entspricht, wird als widernatürlich bzw. gesellschaftsfeindlich und damit strafbar betrachtet. So gibt es eben bei Mercier nur Mörder, die höchst verständig sind und sich selbst zum Tode verurteilen, jedes abweichende Verhalten ist ein absoluter Ausnahmefall und verbunden mit dem unbedingten Glauben an die Vernunft: Die jedem Menschen zueigen ist und auch entsprechend gebraucht wird, sodass die "richtige" Einsicht sofort gewonnen werden kann. O sancta simplicitas.

lg

orzifar
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