Autor Thema: Biografien  (Gelesen 970 mal)

Offline sandhofer

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Biografien
« am: 12. Juli 2019, 20.17 Uhr »
Hallo!

Ich bin gerade ein wenig auf dem Biografien-Trip. 3 Kant-Biografien warten bereits; etwas über Hölderlin möchte ich auch noch gerne ... Und dann die kleineren Fische zwischendurch.  lvw

Grüsse

sandhofer
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Offline orzifar

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Re: Biografien
« Antwort #1 am: 15. Juli 2019, 02.53 Uhr »
Hallo,

Ich bin gerade ein wenig auf dem Biografien-Trip. 3 Kant-Biografien warten bereits; etwas über Hölderlin möchte ich auch noch gerne ... Und dann die kleineren Fische zwischendurch.  lvw

Ich lese Biographien häufig als historische Werke, die dann die Zeit aus einer bestimmten Sicht beleuchten. - Hatten wir nicht sogar mal eine Unterhaltung, in der du dich als wenig begeistert in Bezug auf Biographien geäußert hast? Kann mich aber auch täuschen ...

lg

orzifar

Welche Biographien von Kant bzw. Hölderlin?
Derzeitige Lektüre:

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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #2 am: 17. Juli 2019, 21.43 Uhr »
Hallo!

Hatten wir nicht sogar mal eine Unterhaltung, in der du dich als wenig begeistert in Bezug auf Biographien geäußert hast? Kann mich aber auch täuschen ...

Das kann durchaus sein; ich habe ja den Thread hier auch eröffnet, weil ich selber von mir überrascht bin.

Welche Biographien von Kant bzw. Hölderlin?

Kant muss ich noch nachschauen, das weiss ich jetzt nicht auswendig: Hölderlin ist es der Bericht von Wilhelm Waiblinger.
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Offline orzifar

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Re: Biografien
« Antwort #3 am: 18. Juli 2019, 05.41 Uhr »
Hallo!

Hatten wir nicht sogar mal eine Unterhaltung, in der du dich als wenig begeistert in Bezug auf Biographien geäußert hast? Kann mich aber auch täuschen ...

Das kann durchaus sein; ich habe ja den Thread hier auch eröffnet, weil ich selber von mir überrascht bin.


Schön, wenn man sich noch selbst überraschen kann. Mir gelingt das immer seltener - und das ist kein gutes Zeichen.

lg

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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #4 am: 24. Juli 2019, 19.57 Uhr »
Welche Biographien von Kant bzw. Hölderlin?

So, nun habe ich endlich Zeit gefunden, das Buch schnell hervorzusuchen:

Es sind Borowski, Jachmann und Wasianski.  Alle drei in einem Band bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen.
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Offline orzifar

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Re: Biografien
« Antwort #5 am: 25. Juli 2019, 04.55 Uhr »
Welche Biographien von Kant bzw. Hölderlin?

So, nun habe ich endlich Zeit gefunden, das Buch schnell hervorzusuchen:

Es sind Borowski, Jachmann und Wasianski.  Alle drei in einem Band bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen.

Nichts dabei, was ich hier stehen hätte. Weil ich auch grad mal Lust auf ein bisschen Kant (in welcher Form auch immer) hätte. Ich werde mich vielleicht an die sehr umfangreichen von Vorländer machen (dich ich teilweise kenne).

lg

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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #6 am: 26. Juli 2019, 19.51 Uhr »
Nichts dabei, was ich hier stehen hätte. Weil ich auch grad mal Lust auf ein bisschen Kant (in welcher Form auch immer) hätte. Ich werde mich vielleicht an die sehr umfangreichen von Vorländer machen (dich ich teilweise kenne).

Ich hab hier noch "Immanuel Kant. Der Mann und das Werk" von Vorländer. Habe ich vor langer, langer Zeit einmal gelesen und wollte es eigentlich relativ rasch nach den andern Biografien lesen; jetzt hat es mir 8 Bände Tagebücher von Ferdinand Beneke 'reingeschneit ... lvw Da wird das wohl so rasch nichts.
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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #7 am: 27. Juli 2019, 05.48 Uhr »
Im weitesten Sinne ist es auch eine Biografie: Die - wie es im Klappentext heisst - überfällige Streitschrift - von Reinhard Horowski: Hölderlin war nicht verrückt. Wie immer bei solchen Fragen: Sie lassen sich mehr als 175 Jahre nach dem Tod des 'Patienten' nicht mehr klären.
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Offline orzifar

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Re: Biografien
« Antwort #8 am: 27. Juli 2019, 06.23 Uhr »
Ich hab hier noch "Immanuel Kant. Der Mann und das Werk" von Vorländer. Habe ich vor langer, langer Zeit einmal gelesen und wollte es eigentlich relativ rasch nach den andern Biografien lesen; jetzt hat es mir 8 Bände Tagebücher von Ferdinand Beneke 'reingeschneit ... lvw Da wird das wohl so rasch nichts.

Das Buch von Vorländer meinte ich. Ich habe kaum eine Erinnerung daran, kommt vielleicht wieder beim Lesen.

lg

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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #9 am: 04. August 2019, 06.08 Uhr »
Waiblingers Text, in einer durchaus empfehlenswerten Ausgabe, habe ich nun auch im Blog vorgestellt.
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Offline Karamzin

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Re: Biografien
« Antwort #10 am: 04. August 2019, 07.19 Uhr »
Die Kant-Biographie von Manfred Kühn empfand ich als gut lesbar, die inzwischen sogar ins Türkische übersetzt wurde.


Was Hölderlin betrifft, so stand ja zeitweise die These von Pierre Bertaux im Raum, dass dieser nur Geisteskrankheit simuliert hätte, um seine Ruhe zu haben. Das geht natürlich nicht.

Zum einen wurde gezeigt, dass die späte Lyrik Hölderlins der Tübinger Zeit ebenfalls mit vollem Recht als Literatur angesehen werden muss, nachdem über lange Zeit nur die Produkte von "Gesunden" dazu gezählt wurden.
Sodann haben sich Literaturwissenschaftler und Neurologen/Psychiater einmal zu einer gemeinsamen Konferenz über Hölderlin zusammengefunden, wobei sich zeigen sollte, dass auch der "Fall Hölderlin" den Ärzten manchen Aufschluss bringen kann.

Zwölf Jahre nach der ersten Ausgabe kam jetzt 2019 zum zweiten Mal in meine Buchhandlung (und der Preis verdoppelte sich auch):

Johannes Heinrichs: Revolution aus Geist und Liebe. Hölderlins "Hyperion" durchgehend kommentiert. Steno-Verlag, München u. a. 2007.

Dieses Buch werde ich im September mit nach Meran nehmen, um den "Hyperion" in der handlichen Ausgabe im Deutschen Klassiker Verlag - Friedrich Hölderlin: Hyperion. Empedokles. Aufsätze. Übersetzungen. Hrsg. von Jochen Schmidt. Frankfurt am Main 2008 - zu lesen.
(und diese Ausgabe wiederum wurde auf 10 Euro in meiner Buchhandlung herabgesetzt)


Ziel: ich möchte meinen russischen Kollegen den "Hyperion" im Hölderlin-Jahr 2020 in einem Aufsatz vorstellen, zumal die Handlung zur Zeit des russisch-türkischen Krieges 1769/71 spielt; in Russland ist Hölderlin kaum bekannt, der sicher auch nur schwer zu übersetzen sein dürfte.

Wenn ich nun den "Hyperion" und das Buch von Johannes Heinrichs mit seinen Kommentaren zu jedem Absatz des Textes nebeneinander lege, womit ich bereits begonnen habe, ergeben sich mannigfache Reibungsflächen (und bei mir hier ein schiefes Bild).

Heinrichs (geb. 1942) ist Ex-Jesuit und Philosoph, von den Ereignissen 1968 durchaus geprägt und von der sozialen Frage berührt. Von seiner Gelehrsamkeit kann ich auf der einen Seite nur profitieren.

Auf der anderen Seite ist mir dieser Autor fremd in seiner Denkweise. Den Historiker entnervt das ständige Hin- und Herspringen dieses Philosophen zwischen Hölderlin und  den ganzen Kämpen des 20. Jahrhunderts - Heidegger, Husserl, Thomas Mann, da geht es um Gedanken des philosophisch beschlagenen Hegel- und Schellingfreundes Hölderlin, die 150-200 Jahre später in völlig anderen Epochenzusammenhängen weitergesponnen werden. Das will ich eventuell gar nicht alles wissen, weil die Probleme dieser Epochen mich jetzt nicht so bewegen. Und vieles scheint mir hier auch übertrieben, manches mag zufällig übereinstimmen, was aber im 20. Jh. nicht direkt bei Hölderlin gelesen wurde. Nun ja, wer sich vorwiegend in diesen Sphären bewegt, kann ja auf seine Kosten kommen.

Gleichzeitig lese ich Jozef Piorczynski (hier ohne diakritische Zeichen; ich müsste den Text hier erst woanders schreiben), dem polnischen Botschafter in Deutschland, Der Pantheismusstreit. Spinozas Weg zur deutschen Philosophie und Kultur, Würzburg 2019.
Wieder ein Philosoph (seufz), aber erst einmal vorwiegend in der konkret festzumachenden Zeit um 1785.

Heinrichs führt mich also mit seinen Lesarten durch den "Hyperion", und ich will meinen russischen Freunden eine "Historisierung" an die Hand geben.
Ich möchte dabei nicht die mich ebenfalls ziemlich nervenden und zum Teil moralingesättigten "Orientalismus"-Debatten (Schuld der Kolonialherren) im Gefolge Edward Saids und dann J. Osterhammels lesen müssen - da, von heutigen Standpunkten aus, viel zu sehr verallgemeinernd ("der Orient") und modernisierend, das neue Griechenland des 18. Jahrhunderts muss man erst einmal nicht mit dem Kolonialdiskurs zusammenwürfeln -

sondern jetzt will ich die Jahre 1792-1797 in den Blick nehmen, was heisst denn jetzt für welches Jahr konkret Auswirkungen "der Französischen Revolution" (in  welcher ihrer Etappen denn), da in Süddeutschland Jourdan einbricht und Goethe seine Reise nach Italien abbricht und wieder zu Christiane zurückkehrt.
Was bedeutet denn die Terreur, die in der DDR und der Sowjetunion als so heilsam gepriesen wurde, "Abwehr äußerer Gefahren" in höchster Not rechtfertigt Massenabschlachtungen, aber 1794 war der Feind schon zurückgeschlagen, und 1937 stand der entscheidende Zusammenstoß noch bevor ... unerträglich diese Terror-Apologie auch bei dem ansonsten geschätzten Walter Markov, Anführer des Aufstandes 1945 im Zuchthaus Siegburg ... Und dann kommt der arme Hölderlin wieder zurück aus Südfrankreich, wo man sich jetzt in der Zeit des Friedens von Amiens nach den napoleonischen Siegen erst einmal zur Ruhe setzen will, völlig fertig und von Apoll geschlagen ...


Gleichzeitig sitzt in jenen Jahren Johann Heinrich Jung-Stilling an seinem herrlich kaputten und religiös entrückten Mammut-Roman "Das Heimweh", den ich sogar vor dem Jubiläum 1994 in Gänze gelesen hatte ("nur" 2400 Seiten und damit kürzer als "Sophiens Reise von Memel nach Sachsen" mit ihren 3700 Seiten),
und bei einem Vortrag in Jung-Stillings Heimat, dem Siegerland, ist der Saal zum Bersten voll, Stühle müssen in den Saal hineingetragen werden, so etwas gäbe es bei Wieland oder Herder im heimatlichen Weimar nicht, "der Herbstwind raßt" draußen genauso, wie es in den Schlussworten des "Heimwehs" klingt, und der nichtreligiöse Mensch aus dem Osten ist ganz erstaunt und gerührt über die Hingabe der religiösen Menschen in Westfalen an das Werk des Siegerländers, der sein Solyma irgendwo in der usbekischen Wüste bei Samarkand und Buchara aufsuchen will, das Reich des ewigen Heils und Friedens...

Himmel, ich schweife ab, wo war ich doch gleich nochmal stehengeblieben?

noch einmal zum "Orientalismus":
am Anfang standen, auch für Hölderlin,  1792 "Les Ruins" von Volney, diese großartige Geschichtsschau, die auch Karamzin begeisterte  - und diese Lektüre hat mich in den letzten Jahren dann doch viel mehr gefesselt als Karl Marx in all den Jahrzehnten!

Und jetzt doch noch einmal der "Hyperion" und die Deutschen-Schelte eines Autors, der sein Vaterland doch glühend liebt, auf zum vierten Mal nach den Anfängen 1972.
« Letzte Änderung: 04. August 2019, 07.29 Uhr von Karamzin »

Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #11 am: 05. August 2019, 19.33 Uhr »
Die Kant-Biographie von Manfred Kühn empfand ich als gut lesbar, die inzwischen sogar ins Türkische übersetzt wurde.

Danke für den Tipp. Merke ich mir mal.
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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #12 am: 13. Oktober 2019, 07.37 Uhr »
Welche Biographien von Kant bzw. Hölderlin?

So, nun habe ich endlich Zeit gefunden, das Buch schnell hervorzusuchen:

Es sind Borowski, Jachmann und Wasianski.  Alle drei in einem Band bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen.

Den Text von Borowski habe ich unterdessen gelesen. (Im Vorwort der heutigen Herausgeber wird übrigens Kühne auch gelobt. Muss ich mir nun wirklich mal besorgen.) Borowski ist etwas simpel gestrickt und hält keine Chronologie ein. Dazu etwas sehr adulatorisch, aber dennoch ein gutes Bild des jungen Kant liefernd.
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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #13 am: 02. November 2019, 05.36 Uhr »
Die zweite meiner drei Kant-Biografien, die von Jachmann, fand ich bedeutend weniger interessant, als die erste von Borowski. Jachmann bleibt meiner Meinung nach zu sehr an der Oberfläche kleben - wohl, weil er Kant eben nur oberflächlich kannte. (Oder, weil er ein oberflächlicher Mensch war?)
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Offline sandhofer

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Re: Biografien
« Antwort #14 am: 16. November 2019, 06.33 Uhr »
Im Blog habe ich gerade eine mir unvermutet zugeflogene Quasi-Biografie von Thomas Knubben über Hölderlin vorgestellt: "Hölderlin. Eine Winterreise". Von der Bewerbung her ein bisschen reisserisch, aber ganz ok.
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