Autor Thema: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...  (Gelesen 1935 mal)

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2 667
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #15 am: 10. November 2019, 03.46 Uhr »
"Die Zentrierung des Westens auf ein autonomes Ich ist umso erstaunlicher, als dieses genealogische Modell den Menschen auf eine biologisch vorgeschriebene Existenz festlegt, also wenig Raum für individuelle oder gar prozessuale Veränderungen bietet. Die Paradoxie, dass das Individuum in der westlichen Gesellschaft einerseits im Mittelpunkt steht, andererseits aber auch seinem biologischen Schicksal ohnmächtig ausgeliefert ist, hat dazu geführt, dass das Ich in der westlichen Gesellschaft in zweit Gestalten daherkommt: Auf der einen Seite ein kleines ich, dem ein kurzes Leben auf der Welt beschieden ist; auf der anderen Seite ein großes ICH, das Anspruch auf eine das eigenen Leben überdauernde Existenz erhebt, daber nur in entleibter Form lebensfähig ist: als Name, als Buchtitel, als Vermögen zum Beispiel. Dieses große ICH ist verwandt, aber nicht identisch mit dem Über-Ich der Psychoanalyse (womit die Verinnerlichung von Gesetz und Normen gemeint ist). Es ist ein Sprössling, des Unvergänglichkeitsgedanken, der mit der Schrift einhergeht und repräsentiert überwiegend Männlichkeit."

Gibt's davon auch eine deutsche Übersetzung?

Drogenabusus? Derrida (und Foucault und Kristeva und Liotard und Deleuze und und und ...) haben ja ganze Bücher geschrieben in einem Sprachduktus, der das obige Zitat noch um Längen an Unverständlichkeit übertrifft. Während ich deren Unsinn noch allenthalben bis zum bitteren Ende gelesen habe, entsorge ich solche Bände nun früher. Vielleicht bin ich ja doch in Maßen lernfähig.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Marcel Proust: Die Gefangene
Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums. Die Frühzeit.
------------------------------------------------------
Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte
Harro Heuser: Unendlichkeiten

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 4 847
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #16 am: 18. November 2019, 20.37 Uhr »
Derrida (und Foucault und Kristeva und Liotard und Deleuze und und und ...) haben ja ganze Bücher geschrieben in einem Sprachduktus, der das obige Zitat noch um Längen an Unverständlichkeit übertrifft.

Meine Erfahrung in meiner Studienzeit war, dass die Literaturprofessoren und (v.a.!) -studenten völlig auf diese Namen abfuhren, während die Philosophen da weniger enthusiastisch waren.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2 667
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #17 am: 19. November 2019, 20.10 Uhr »
Derrida (und Foucault und Kristeva und Liotard und Deleuze und und und ...) haben ja ganze Bücher geschrieben in einem Sprachduktus, der das obige Zitat noch um Längen an Unverständlichkeit übertrifft.

Meine Erfahrung in meiner Studienzeit war, dass die Literaturprofessoren und (v.a.!) -studenten völlig auf diese Namen abfuhren, während die Philosophen da weniger enthusiastisch waren.

Stimmt, da hast du Recht, diese Erfahrung habe ich auch gemacht.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Marcel Proust: Die Gefangene
Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums. Die Frühzeit.
------------------------------------------------------
Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte
Harro Heuser: Unendlichkeiten

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2 667
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #18 am: 28. November 2019, 05.00 Uhr »
Hallo!

Ferdinand von Schirach: Tabu. - Diesmal also der Enkel des Reichsjugendführers, der für seine Krimis bekannt ist. Und "Tabu" ist ein sprachlich ansprechender, ungewöhnlicher und gut geschriebener Kriminalroman (wobei - ist er das wirklich? - wer da auf das Ende sieht (das natürlich nicht verraten wird) mag da so seine Zweifel haben). Nachdem die Lebensgeschichte des Protagonisten Sebastian von Eschburg ausführlich geschildert wird (und man gegen Ende immer stärker verunsichert wird, ob man denn all das Erzählte wirklich so hat glauben dürfen), geschieht ein Mord(?), den Sebastian schließlich nach unmissverständlicher Androhung von Folter auch gesteht. Das alles erinnert nicht von ungefähr an den Fall Metzler und der anschließenden Diskussion darüber, wozu jemand berechtigt sei, der noch jemanden in Lebensgefahr Befindlichen retten zu können glaubt. Kurzweilige Lektüre, gut geschrieben, angenehm gehobene Unterhaltung.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Marcel Proust: Die Gefangene
Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums. Die Frühzeit.
------------------------------------------------------
Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte
Harro Heuser: Unendlichkeiten

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2 667
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #19 am: 09. Dezember 2019, 04.19 Uhr »
Hallo!

Erich Hackl: Auroras Anlaß. - Ich habe von Erich Hackl bislang noch gar nichts gelesen, obschon er - zumindest in Österreich - zu den bekanntesten Schriftstellern zählt. Seine ersten Bücher ("Auroras Anlaß" war der Erstling) waren große Verkaufserfolge, in den letzten Jahren ist es ein wenig stiller um ihn geworden. (Es war wohl auch der Rummel um seine Bücher, der mich Abstand nehmen ließ.) Ein wenig zu unrecht, was die vorliegende Erzählung anlangt (die sich an realen Figuren orientiert): Aurora wächst in Spanien zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf, zu einer Zeit, in der Frauen keine Rechte besaßen, mehr oder weniger Sklaven ihrer Männer waren. Sie beschließt dagegen anzukämpfen, sieht sich aber außerstande, allein diese Änderungen zu erwirken und lässt sich gezielt schwängern (der Erzeuger verpflichtet sich, auf alle Rechte bezüglich des Kindes zu verzichten): So wird Hildegart geboren, die sich (trotz oder wegen der Erziehung durch Aurora) zu einem Wunderkind entwickelt, noch im Teenageralter Bücher schreibt, mit 17 ein Jus-Studium abschließt und sich gemeinsam mit ihrer Mutter in sozialistischen bzw. anarchistischen Kreisen um Gleichberechtigung bemüht. Doch Hildegart ist mit ihrer Bestimmung, Bevormundung nicht einverstanden, sie will dem strengen Diktat der Mutter entfliehen, wird aber auch von schlechtem Gewissen gegenüber Aurora gequält und bittet diese schließlich, sie zu erschießen. Mit diesem Mord beginnt die Erzählung, dann wird der Werdegang der beiden Frauen geschildert. Aurora wird wegen Mordes verurteilt, später als unzurechnungsfähig eingestuft, entkommt aber dem Irrenhaus während der revolutionären Wirren.

Ein eigentlich aktuelles Thema: Eltern beschließen (zum Wohle des Kindes) diesem eine hervorragende Ausbildung angedeihen zu lassen, merken aber nicht, dass dies nur eine andere Form der Tyrannei darstellt und sie dem Kind jede individuelle Entwicklungsmöglichkeit benehmen. Daneben wird in Hackls Buch die Unterdrückung der Frau gezeigt, der Kampf um sexuelle Eigenständigkeit, die fragwürdige Moral jener sozialistischen Politiker, die da angetreten sind, um den Armen zu helfen und beizustehen, die aber - einmal bei den Fleischtöpfen angelangt - nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Gut geschrieben, einfühlsam und ohne Platitüden. Ich werde mir wohl auch einige andere Bücher Hackls noch zu Gemüte führen.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Marcel Proust: Die Gefangene
Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums. Die Frühzeit.
------------------------------------------------------
Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte
Harro Heuser: Unendlichkeiten

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 4 847
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #20 am: 12. Dezember 2019, 19.53 Uhr »
Ich habe von Erich Hackl bislang noch gar nichts gelesen, obschon er - zumindest in Österreich - zu den bekanntesten Schriftstellern zählt.

Der Name sagt mir nichts. Zumindest nicht für einen Schriftsteller. Aber gab es nicht einmal einen Skirennfahrer Hackl?
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2 667
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #21 am: Gestern um 01:00 »
Ich habe von Erich Hackl bislang noch gar nichts gelesen, obschon er - zumindest in Österreich - zu den bekanntesten Schriftstellern zählt.

Der Name sagt mir nichts. Zumindest nicht für einen Schriftsteller. Aber gab es nicht einmal einen Skirennfahrer Hackl?

Du meinst wahrscheinlich den Rennrodler Georg (Schorsch) Hackl (ein Bayer). Und einen Burgschauspieler Karl-Heinz Hackl, der in Ö sehr bekannt war (und den ich nicht mochte: Möglicherweise war er der Grund, warum ich um den Schriftsteller einen Bogen gemacht habe - in der irrigen Annahme, dass sich da mal wieder ein Schauspieler im Metier verirrt), gab es auch. Mittlerweile habe ich noch "König Wamba" (Märchen) und "Abschied von Sidonie" gelesen, alles ganz annehmbar. Hackl verlegt im übrigen bei Diogenes, schon deshalb hatte ich vermutet, dass du ihn kennen würdest.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Marcel Proust: Die Gefangene
Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums. Die Frühzeit.
------------------------------------------------------
Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte
Harro Heuser: Unendlichkeiten

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 4 847
Re: Bücher, die es nicht ins Blog schaffen ...
« Antwort #22 am: Gestern um 20:09 »
Du meinst wahrscheinlich den Rennrodler Georg (Schorsch) Hackl (ein Bayer).

Wohl möglich.

Hackl verlegt im übrigen bei Diogenes, schon deshalb hatte ich vermutet, dass du ihn kennen würdest.

Wie Du siehst, kenne ich bei weitem nicht alle Diogenes-Autoren. (Eigentlich die wenigsten.  ::) )
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus