litteratur.ch

Lektüren, Rezensionen => Bistro => Thema gestartet von: sandhofer am 16. Oktober 2019, 16.35 Uhr

Titel: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 16. Oktober 2019, 16.35 Uhr
Ich hatte mir überlegt, auch ein paar Worte dazu im Blog zu verlieren. Aber jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte einen gescheiten Ansatz, habe ich herausgefunden, dass irgendein Schlaumeier im Internet den auch schon versucht hatte. Das ganze Schmierentheater schreit nach einer moralphilosophischen Abhandlung mittlerer Grösse, aber dazu fehlt mir dieses Jahr noch die Zeit.
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: orzifar am 17. Oktober 2019, 05.33 Uhr
Ich hatte mir überlegt, auch ein paar Worte dazu im Blog zu verlieren. Aber jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte einen gescheiten Ansatz, habe ich herausgefunden, dass irgendein Schlaumeier im Internet den auch schon versucht hatte. Das ganze Schmierentheater schreit nach einer moralphilosophischen Abhandlung mittlerer Grösse, aber dazu fehlt mir dieses Jahr noch die Zeit.

Führe mich nicht in Versuchung. Bin ja mit dem Steirischen Herbst aufgewachsen, wo der gute Nobelpreisträger seine ersten Gehversuche unternommen hat. Eigentlich mag ich nur ein Buch von ihm - "Wunschloses Unglück". Später sehr viel Selbstbespiegelung, Nabelschau, Literatur für Kritiker, ungeheuer langweilig und versehen mit einem Anspruch, der nirgendwo eingelöst werden konnte. Als Mensch ohnehin ein Ekelpaket, politisch dumm und arrogant (eine Eigenschaft, die der Dummheit stets auf dem Fuße folgt, weil man auf diese Weise sich selbst und seine Meinungen nicht in Frage zu stellen braucht), außerdem ein Heuchler par excellence, der noch vor 5 Jahren die Abschaffung des Nobelpreises gefordert hat und nun wie ein Pfau durch die Gegend gockelt (und heute schwer beleidigt war, weil man ihn nicht zu seinem Werk, sondern nur zu den politischen Dummheiten meinte fragen zu müssen, worauf er erbost feststellte, auf diesen "Scheißdreck" (es war aber sein eigener ;)) nicht mehr antworten zu wollen, überhaupt Journalisten in Zukunft mit Verachtung zu strafen). - Wenn man sich dadurch die entbehrlichen Wortspenden von seiner Seite in Zukunft erspart soll es mir recht sein.

lg

orzifar
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: orzifar am 21. Oktober 2019, 05.05 Uhr
Nachsatz: Kennst du etwas von Olga Tokarczuk? Irgendwo habe ich gelesen, dass sie eine Vertreterin des "esoterischen Feminismus" sei (wusste noch nicht mal, dass es so was gibt). Klingt nun nicht wirklich prickelnd, obschon ich die UB dann doch um einen Roman von ihr erleichtert habe. Mal sehen ...

lg

orzifar
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 21. Oktober 2019, 20.39 Uhr
"Esoterischer Feminismus" klingt gut. Ich kann mir zwar nichts darunter vorstellen, aber ...

Nein, ich kenne nichts von Olga Tokarczuk. Bisher. Wie ich bin, habe ich ihre "Jakobsbücher" beim Verlag bestellt. Sind ja nur elfhundert Seiten...

Aber ich denke, der kleine Schweizer Kampa Verlag muss erst mal schauen, wie er einen Nachdruck organisiert kriegt. Und bis ich's dann noch gelesen habe, wird es wohl 2020 sein.

Grüsse

sandhofer
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: orzifar am 22. Oktober 2019, 04.31 Uhr
"Esoterischer Feminismus" klingt gut. Ich kann mir zwar nichts darunter vorstellen, aber ...

Ich auch nicht wirklich. Aber wenn ich den Versuch unternehme, sind die entstehenden (Sprach-)Bilder von geringem Reiz ;).

lg

orzifar
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2018/2019
Beitrag von: sandhofer am 22. Oktober 2019, 06.15 Uhr
Aber wenn ich den Versuch unternehme, sind die entstehenden (Sprach-)Bilder von geringem Reiz ;).

 ;D

Ich habe übrigens Handkes "Die morawische Nacht" von 2008 in der suhrkamp taschenbuch-Ausgabe von 2009 gekauft. War tatsächlich noch erhältlich und tatsächlich noch in der ersten TB-Auflage...

Handke ist seit dem "Wunschlosen Unglück" von 1972 definitiv kein Autor fürs breitere Lesepublikum mehr. Dass ihn aber Kritiker sehr schätzen (oder zumindest schätzten, bevor sie Oktober 2019 merkten, dass das breitere Lesepublikum (zumindest im deutschen Sprachraum) Handkes politische Einstellung weit höher gewichtet als sein literarisches Können) und Autoren-Kollegen seine Schreibe fleissig studiert und kopiert haben, merkt man sofort. Rein literarisch haben sie ja Recht: Handke kann - was die Sprache angeht, die Figuren-Führung auch - schreiben. Leider weiss er, dass er schreiben kann. Weshalb er zu viel schreibt. Ich bin jetzt auf S. 200 (von deren mehr als 500), und ungefähr seit der Seite 100 eiert die Geschichte als Ganzes in Gegend herum. (Letzteres ist wörtlich zu nehmen!) Immer wieder blitzen kleine, hübsche Vignetten auf, aber sie können die Erzählung wohl nicht retten, wenn auf den restlichen >300 Seiten kein Wunder geschieht.
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2018/2019
Beitrag von: sandhofer am 29. Oktober 2019, 20.17 Uhr
[...] ungefähr seit der Seite 100 eiert die Geschichte als Ganzes in Gegend herum. (Letzteres ist wörtlich zu nehmen!) 

Seite 300: Wir eiern immer noch...  lvw
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 01. November 2019, 20.22 Uhr
Während sich meine Handke-Lektüre dem Ende zuneigt, ist gestern auch "Die Jakobsbrüder" von Olga Tokarczuk angekommen und wird wohl als nächstes in Angriff genommen.
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: orzifar am 02. November 2019, 02.10 Uhr
Während sich meine Handke-Lektüre dem Ende zuneigt, ist gestern auch "Die Jakobsbrüder" von Olga Tokarczuk angekommen und wird wohl als nächstes in Angriff genommen.

Ich habe von ihr "Taghaus, Nachthaus" hier liegen. Wird auch demnächst angelesen werden, habe nur belletristik-technisch mal mehr am Proust gelesen in den letzten Tagen.

lg

orzifar
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 03. November 2019, 08.26 Uhr
Wie bereits hier  (https://litteratur.ch/SMF/index.php?topic=802.msg11365#msg11365)geschrieben, habe ich über Handkes "Die morawische Nacht" im Speziellen und über die Reaktionen des Feuilletons auf Handke und die Verleihung des Literaturnobelpreises unterdessen im Blog ein paar Worte verloren (https://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=10792).
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 13. November 2019, 18.45 Uhr
Zumindest "Die Jakobsbücher" von Olga Tokarczuk ist durchaus empfehlenswert. Und ganz sicher kein "esoterischer Feminismus". Allenfalls könnte man von mystischer Emanzipation sprechen. Aber nicht der Frau, sondern der Juden im 18. Jahrhundert. Nämlich: Der Protagonist, Jakob Frank, war ein polnischer Jude ebendieser Zeit, der sich als Messias fühlte und seine Glaubensgenossen vom Diktat der Rabbis und des Talmuds befreien wollte. So jedenfalls eine mögliche Lesart seiner Tätigkeit. Ich werde noch im Blog berichten.
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: orzifar am 13. November 2019, 23.07 Uhr
Zumindest "Die Jakobsbücher" von Olga Tokarczuk ist durchaus empfehlenswert. Und ganz sicher kein "esoterischer Feminismus". Allenfalls könnte man von mystischer Emanzipation sprechen. Aber nicht der Frau, sondern der Juden im 18. Jahrhundert. Nämlich: Der Protagonist, Jakob Frank, war ein polnischer Jude ebendieser Zeit, der sich als Messias fühlte und seine Glaubensgenossen vom Diktat der Rabbis und des Talmuds befreien wollte. So jedenfalls eine mögliche Lesart seiner Tätigkeit. Ich werde noch im Blog berichten.

Schön zu hören, da geh' ich an mein Tokarczuk-Buch mit einer positiveren Erwartungshaltung ran.

lg

orzifar
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 15. November 2019, 20.46 Uhr
Schön zu hören, da geh' ich an mein Tokarczuk-Buch mit einer positiveren Erwartungshaltung ran.

Schön. Ich kenne es ja nicht, kenne überhaupt wenig bis keine polnische Literatur.  :-[
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 17. November 2019, 06.22 Uhr
Nun ist "Die Jakobsbücher" auch im Blog (https://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=10823). Im positiven Sinne ein Monster, das adäquat vorzustellen, mir Probleme bereitet hat.
Titel: Re: Nobelpreis für Literatur 2019
Beitrag von: sandhofer am 27. November 2019, 16.44 Uhr
Ich habe "Die Jakobsbücher" direkt beim Verlag bestellt. Jetzt will er, dass auch auch noch die anderen bei Kampa erschienen Bücher lese. Das wird mir aber dann doch zuviel...  lvw