Hallo!
Seymour Papert war ein Schüler Piagets (dessen genetische Erkenntnistheorie ich bald mal wiederlesen möchte) und Entwickler der (Kinder-)Programmiersprache "LOGO", die ich vor knapp 20 Jahren kennengelernt habe und nun aus aktuellem Anlass (Papa, kann ich auch programmieren - wie macht man das, warum (x 2 hoch 10), darf ich auch probieren ...?) mir wieder ins Gedächtnis gerufen habe. Das Prinzip dieser Sprache besteht in einer Visualisierung von Bewegungen (eines Pfeils bzw. einer Schildkröte), die man mit entsprechenden Befehlen steuern kann. Papert ging es darum, Kindern eine mathematische Umwelt zu bieten, sie aktiv einzubinden und durch die Bewegungen (die etwa auch von anderen Kindern ausgeführt werden können, also als analoges Spiel betrieben werden kann) ihnen ein Gefühl für geometrische Figuren bzw. für die Zahlenwerte zu vermitteln.
In "Mindstorms" werden die pädagogisch-philosophischen Grundgedanken (die sich zu einem guten Teil an Piagets Untersuchungen orientieren) dargelegt, es ist kein Programmierlehrbuch (eher ein Lehrbuch für den Lehrenden, sofern es den in diesem Konzept gibt: Denn der Betreffende sollte sich nach Möglichkeit zurückhalten und die Kinder ihre Welt allein erforschen lassen). Das zugrunde liegende Mathematikkonzept (wiewohl aus den 70iger bzw. 80iger Jahren) mutet immer noch revolutionär an, wenn man es mit der in unseren Schulen üblichen Vermittlung mathematischer Kenntnisse vergleicht: Man soll verstehen, was geschieht, zu den einfachen Prinzipien selbst kommen (indem man den Raum mit der Schildkröte bzw. dem eigenen Körper erfährt), wodurch sich etwa die Infinitesimalrechnung "erfahrbar" gestaltet. Durch diese Bezugnahme auf die Welt des Kindes, die immer auch eine mathematische Umgebung ist, soll ihm die durch unsere Lehrpläne häufig verstärkte, manchmal erst induzierte Mathematikangst genommen werden, soll ihm gezeigt werden, dass es sich nicht um rein theoretische Konstrukte, sondern Teile unserer Umwelt handelt.
Von der etwas betulichen Einleitung einmal abgesehen (wofür man den Autor nicht verantwortlich machen kann) ein bisher sehr lesenswertes Buch mit interessanten Vorschlägen für den entsprechenden Unterricht (möglicherweise darf orzifar jr. schon im nächsten halben Jahr auch in seiner Klasse sich mit Logo beschäftigen). Die Entwicklungsumgebung von Logo gibt es gratis für fast alle Plattformen, auch kostenlose Tuturials im Netz. Und es macht nicht nur Kindern Spaß

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lg
orzifar