Author Topic: Karlheinz Deschner: Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert  (Read 1543 times)

Offline orzifar

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Hallo!

Eigentlich sind das zwei Bücher (jeweils knapp 700 Seiten), mit dem ersten bin ich jetzt durch. Hier wird der Zeitraum von Leo XIII. (ab 1878) bis Pius XI. (bis 1939) abgehandelt. Faktenreich und kompetent, wie immer bei Deschner, mit unzähligen Fußnoten (über 1000 in diesem ersten Band) dokumentiert er eine widerliche Geschichte der Machtausübung, die derart abstoßend wirkt, dass ich sie oft nur in kleineren Dosen erträglich fand. Das Perfide und Eklige daran ist die die ganze Geschichte durchziehende Doppelmoral, das Anbiedern an jede Art von weltlicher Macht (an Mussolini, Hitler, selbst mit dem komm. Russland wurde versucht zu paktieren, um ev. die orthodoxe Kirche auszubremsen, die aber dann ihrerseits einen Vertrag mit den Machthabern schloss), das In-Kauf-Nehmen unzähliger Toter bei jedem Krieg, die Unterstützung Mussolinis in Abessinien, die Unterstützung der Falange bzw. Francos in Spanien, das ständige Bemühen, die eigenen Vorteile zu wahren (v. a. jene finanzieller Natur bzw. den Einfluss auf die Schulen zu sichern) ohne auch nur in Ansätzen eine menschliche Haltung einzunehmen, das Tolerieren von Massenmorden, Hinrichtungen, die Freude noch über die eigenen Märtyrer, da sie sich unglaublich gut instrumentalisieren lassen etc. etc.

Und noch heute ist nicht die geringste Einsicht bei den Mächtigen dieser Kirche festzustellen (wohl, weil genau diese Politik immer noch fortgesetzt wird), sodass einem der Nationalsozialismus noch sympathischer erscheint: Dort wusste man zumindest, woran man war. Aufgrund ihrer Geschichte könnte man die kath. Kirche als terroristische Organisation vor den Menschengerichtshof bringen: Zumindest ein solcher Prozess würde Aufsehen erregen. Das Unglaubliche ist ja die Tatsache, dass diese Verbrecher noch heute nicht als solche gelten, sondern im Gegenteil sich für Moral und Ethik zuständig erklären - und das im Namen einer Reiligion, die ungleich mehr Menschen ermordet hat als Hitler und Stalin zusammen.

Vor dem zweiten Buch muss ich eine Pause einlegen, allzu viel Ekliges auf einmal schlägt sich auf die Stimmung.

lg

orzifar
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