Author Topic: Phillip Pullman: His Dark Materials  (Read 10841 times)

Offline Frank Duwald

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #15 on: 07. Juni 2014, 16.14 Uhr »
Mir ging es ähnlich wie dir. Auch ich halte den 2. Band für den schwächsten der Trilogie. Dieses ewige Rumgehüpfe zwischen den verschiedenen Welten hat mich enorm angeödet. Den 3. Band fand ich wieder bei weitem gehaltvoller und emotional packender.

Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #16 on: 08. Juni 2014, 07.00 Uhr »
Na ja, das mit den Welten wäre mir noch egal. Aber in vielem musste ich mir sagen: Man merkt die Absicht und man ist verstimmt. Scoresby und John Parry sterben. Warum? Entweder, weil sie nicht mehr gebraucht werden und dem Autor nix Besseres eingefallen ist, um sie aus der Geschichte zu kriegen, oder, weil der Autor sie noch braucht - so, wie Obi Wan Kenobi in Star Wars auch noch (bzw. erst recht jetzt) als Toter ins Geschehen eingreift - mit Fähigkeiten, die halt nur ein Toter haben kann. Auch die ganze komplizierte Art und Weise, sich Mary Malones zu versichern - der Autor braucht sie ganz offensichtlich, und er hätte sie rascher ins Bild bringen können. Aber er wollte eindeutig Zeilen schinden...

PS & Nachträglich: Herzlich willkommen hier!
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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #17 on: 16. Juni 2014, 19.59 Uhr »
Auch wenn jetzt Engel vorkommen, der Beginn von Band 3 ist nicht mehr als ein Fantasy-Abenteuerroman. Denn die Engel benehmen sich nicht anders als z.B. Tolkiens Elben in Mittelerde. M.a.W.: menschlich... Von Milton auf den ersten 20 Seiten oder so keine Spur...
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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #18 on: 17. Juni 2014, 11.34 Uhr »
Kurz danach kommt dann die Sache mit Lyra = Eva und dem zu erwartenden Sündenfall wieder. Und eine ziemlich zynische Darstellung des HErrn, der keineswegs der Schöpfer der Welt(en) ist, sondern auch nur ein Engel, der sich die höchste Gewalt angemasst hat, sich jetzt aber langsam in die Meditation zurückzieht und einen Chefengel, der früher einmal ein Mensch war, "regieren" lässt.
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Offline orzifar

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #19 on: 17. Juni 2014, 19.03 Uhr »
Hallo!

Ich habe die drei Bände nun gekauft (werde sie aber erst im Juli erhalten, bis dorthin also noch Kehlmann lesen ;)). Mal sehen ...

lg

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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #20 on: 18. Juni 2014, 07.43 Uhr »
Dann bin ich mal gespannt. Nachdem der erste Band für mich einen guten Mittelweg zwischen "Fantasy" und "Ideologie" gehalten hat, der zweite dann nur noch (und teilweise sogar ziemlich mühsame) "Fantasy" war, scheint mir der dritte Teil auf den ersten 20 Seiten "Fantasy" zu sein, dann aber holt der Autor die im zweiten Band vergessen gegangene "Ideologie" nach. Alles wird nun bedeutungsschwanger.
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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #21 on: 21. Juni 2014, 18.36 Uhr »
Es wird dann wieder besser. Ich weiss noch nicht, ob Band 3 und ob die ganze Trilogie wirklich "gut" ist, aber sie scheint mir jedenfalls weit über dem zu stehen, was da so als "Fantasy" verkauft wird. (Was zur Folge hat, dass zum Beispiel im Forum von Literaturschock.de die negativen Kritiken zu Band 3 überwiegen. Man (bzw. meistens frau) hat offenbar anderes erwartet und macht nun dem Autor die Komplexität der Geschichte zum Vorwurf. Dabei ist sie gar nicht soooo komplex...)

Nun, die Sünde, die Eva-Lyra begehen soll, konkretisiert sich; die Schlange ist auch schon auf dem Weg. Wir treffen alte Bekannte aus Band 1 wieder. Will und Lyra sind unterwegs im Land der Toten.
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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #22 on: 22. Juni 2014, 16.05 Uhr »
Pullman erreicht beim Show-Down die Sprachgewalt Miltons nicht. Ganz und gar nicht. Es ist gelehrte Fantasy, wenn man so will. Professoren-Literatur, aber von der besseren Sorte.

Allerdings: Die atmosphärische Dichte, die er bei der Beschreibung von Lyras Oxford erreichte, ist ihm in den folgenden Bänden nirgends mehr gelungen. Die University of Oxford kannte der Herr Professor wohl auch am besten.

Aber - vorläufiges Fazit: Ich habe schon Schlimmeres gelesen. Pullman soll das Buch als Anti-Test zu Lewis' Narnia geschrieben haben. Es ist in etwa von derselben Qualität. Nur gewinnt hier der Intellekt und nicht der Glaube.
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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #23 on: 24. Juni 2014, 17.45 Uhr »
Auch das Ende, die "Moral von der Geschicht", ist im Grunde genommen dann wieder protestantisch-bieder. Obwohl Pullman gerade keine prostestantisch-biedere Moral propagieren möchte.
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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #24 on: 28. Juni 2014, 07.33 Uhr »
Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von Pullman halten soll. Im Grossen und Ganzen habe ich ihn gern gelesen und fand ihn gut, aber gewisse Teile fallen halt dann doch ab. Mein Blog-Eintrag =>hier<=.
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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #25 on: 28. Juni 2014, 12.02 Uhr »
Ach ja ... ich sehe gerade: Im Blog ist's richtig; hier hat der "Philip" ein "l" zu viel ...  :-\
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Offline orzifar

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Re: Philip Pullman: His Dark Materials
« Reply #26 on: 20. September 2014, 03.52 Uhr »
Hallo!

Ich habe die Trilogie nun auch beendet. Das liest sich flott und angenehm, hat mich allerdings durch die etwas platte, vorhersehbare Moral am Ende der Geschichte verstört. Ob ich mir im Wissen um den Inhalt die 1500 Seiten noch mal antun würde - weiß nicht. In einem kann ich dir (und F. Duwald) so nicht zustimmen: Ich fand den zweiten Teil nicht schlechter als die übrigen - im Gegenteil: Mir gefiel der dritte am wenigsten: Die Nekyia von Lyra nebst Gefolge schien mir sehr viel stärker konstruiert (weil der Autor ihrer einfach bedurfte) als etwa die Einführung Dr. Malones. Aber über allem schwebt das für mich ungenügende Ende: Sobald sich Lyra und Will händchenhaltend ins Gebüsch verdrücken, bleibt der "Staub" in der Welt erhalten (dass dann noch alle "Fenster" geschlossen werden müssen und damit die Liebe geopfert wird, wirkt auf mich wie eine Plausibilitätserklärung a posteriori).

Was deine Schachmetaphern im Blog betrifft: Die meisten sind sich darüber einig, dass das Mittelspiel mit seinen taktischen Möglichkeiten der interessanteste Part ist. (Allerdings ist das Endspiel bzw. die Überleitung in dasselbe im Schach das Wichtigste - und nicht etwa Eröffnungskünste oder Kombinationsgabe, wie von vielen vermutet. Wobei letztere natürlich auch nicht schaden.)

lg

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Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #27 on: 20. September 2014, 07.02 Uhr »
Aber über allem schwebt das für mich ungenügende Ende: Sobald sich Lyra und Will händchenhaltend ins Gebüsch verdrücken, bleibt der "Staub" in der Welt erhalten (dass dann noch alle "Fenster" geschlossen werden müssen und damit die Liebe geopfert wird, wirkt auf mich wie eine Plausibilitätserklärung a posteriori).

Deiner Rüge am Ende der Trilogie kann ich schon zustimmen. Irgendwie scheint Pullman der Mut verlassen zu haben...

Was deine Schachmetaphern im Blog betrifft: Die meisten sind sich darüber einig, dass das Mittelspiel mit seinen taktischen Möglichkeiten der interessanteste Part ist.

Ich bin, wie gesagt, kein Schachspieler. Du hast - vom Standpunkt eines Spielers - zweifellos recht. Wenn ich mich genauer ausdrücken soll, war mir wohl vor allem die Tatsache ein Dorn im Auge, dass Pullmans Züge für den Kenner (der in der Literatur zu sein, wenigstens in einem gewissen Grad, ich mir schmeichle) ... dass für den Kenner also die Aufstellung der Figuren fürs Endspiel zu durchsichtig war. Dann lieber gar kein Endspiel.
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Offline yarpi

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #28 on: 24. November 2014, 16.10 Uhr »
Oh, sehr schön, dass du die Trilogie rezensiert hast! Klingt ja soweit, so gut, denn ich hatte schon länger vor, selbige zu lesen. Die verfilmungen fand ich nämlich sehr schön. Bin gespannt, ob sie den büchern gerecht geworden sind.
"La poesía no quiere adeptos, quiere amantes." - Federico García Lorca

Offline sandhofer

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #29 on: 24. November 2014, 16.53 Uhr »
Die verfilmungen fand ich nämlich sehr schön. Bin gespannt, ob sie den büchern gerecht geworden sind.

Ich wusste nicht einmal, dass His Dark Materials verfilmt wurde ...  :)
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