Author Topic: Phillip Pullman: His Dark Materials  (Read 10829 times)

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Phillip Pullman: His Dark Materials
« on: 22. Mai 2014, 20.46 Uhr »
Fantasy? Coming-of-Age-Roman? Jedenfalls mal wieder ein Fantasy-Autor, der in seinem Vorwort John Milton und Heinrich von Kleist zitiert ... Schon in den ersten Kapiteln subtile Anspielungen auf Narnia: Die Heldin, die sich im Kleiderschrank versteckt.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #1 on: 24. Mai 2014, 16.02 Uhr »
Ein Roman, in der eine Zehnjährige die Hauptrolle spielt, wird automatisch als Kinder- oder Jugendbuch abgestempelt. Allerdings sind dafür die Rollen zu undurchsichtig: Wer ist der Gute, wer ist der Böse? (Bzw.: Wer ist die Gute und wer ist die Böse?) Auch Anspielungen auf die "Häresie" des Zoroastrismus sind wohl nicht für Kinder gedacht. Spannend und intelligent, so far.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #2 on: 24. Mai 2014, 18.00 Uhr »
Je länger desto mehr vermute ich sogar, dass der Autor bewusst eine Zehnjährige agieren lässt, um aufzuzeigen, wie unreif unsere Entscheidungen letztlich sind, wenn's um Fragen von Gut und Böse - also um die Moral - geht. Das Mädel schwankt in ihren Beurteilungen der Erwachsenen beträchtlich.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #3 on: 25. Mai 2014, 16.35 Uhr »
Es gibt eine Weissagung, dass Lyra die Welt verändern wird. Eine Art Messias also (gibt es eine weibliche Form von "Messias"?). Das Ganze ist spannend und intelligent gemacht. Seitenhiebe gegen die Kirche, die den Staub als das personifizierte Böse ansieht und ihn bekämpfen will, anstatt die Chance zu nutzen und neue Ein- und Ansichten zu gewinnen...
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #4 on: 27. Mai 2014, 19.44 Uhr »
Alles in allem ist Band 1 ein interessanter Mix aus Fantasy und kirchenfeindlicher Einstellung - ein Gegenpol zum betont christlichen C. S. Lewis aber auch zum Dissidenten MacDonald (den ich Lewis vorziehe). Mervyn Peake ist besser, wenn es um seltsame Charaktere oder seltsame Orte geht, aber Pullmann beschreibt Zweikämpfe besser. Und Pullman ist der mit einer Botschaft - der nämlich, dass Milton Unrecht hatte, wenn er in Paradise Lost Luzifer verlieren lässt.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #5 on: 27. Mai 2014, 20.17 Uhr »
Dissenter, um Himmels Willen - nicht Dissident!
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #7 on: 02. Juni 2014, 19.39 Uhr »
Band 2: Der klassische Sprung zu einem andern Protagonisten. Will. Auch ein Kind. 12 Jahre alt. Weiss aber auch schon genau, was er will. So, wenn er seine Mutter bei seiner ehemaligen Klavierlehrerin unterbringt, weil er Wichtiges zu erledigen hat, und die Mutter offenbar nur - wie man in meiner Jugend sagte - halb-gebacken ist.
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Offline orzifar

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #8 on: 02. Juni 2014, 20.52 Uhr »
Hallo,

du machst mich neugierig. Aber das ist ja einer der Hauptzwecke eines Forums. Nur wann soll ich das alles lesen??

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #9 on: 02. Juni 2014, 21.07 Uhr »
Wobei ich gerade ein wenig zögere. Ich habe zugegeben erst das erste Kapitel und ein wenig vom zweiten des zweiten Bands gelesen. Aber ich hab' schon und gerade den Eindruck, dass auch His Dark Materials unter dem Fluch der Trilogien leidet. Will sagen: Der mittlere Band ist der, auf den ich am meisten verzichten könnte.

@orzifar: Wann Du das lesen sollst? Nun ja - vielleicht in der Zeit, die Du für Kehl reserviert hattest. Besser als Kehl ist Pullman allemal ...  >:D
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #10 on: 04. Juni 2014, 07.37 Uhr »
Das dritte Kapitel, wo wir wieder in Lyras ursprünglicher Welt sind, ist dann wieder besser. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, wird spannend. Wir erfahren auch aus dem Mund des langjährigen "Man-Servant" von Lord Asriel (Lyras Vater), dass dieser offenbar Luzifers Revolte wiederholen und Gott endgültig töten will.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #11 on: 05. Juni 2014, 06.44 Uhr »
Wobei ich mich immer noch frage, was ich von den seltsamen Dæmonen halten soll, die die intelligenten Lebewesen in Lyras Welt obligatorisch begleiten. Ansonsten: Sobald die Geschichte zu Lyra und Will switcht, wird es zäh. Die beiden haben einander mittlerweile gefunden und haben gerade in Wills Welt, Wills Oxford, gewechselt, wo Lyra als erstes fast von einem Auto überfahren wird, weil in ihrer Welt kein so wilder Strassenverkehr herrscht.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #12 on: 05. Juni 2014, 14.57 Uhr »
Übrigens bin ich mir nicht so sicher, ob das Etikett "Fantasy" es wirklich trifft. Es gibt zwar seltsame Wesen in der Trilogie, aber im Grunde genommen nicht Phantastisches im Sinne von Übernatürlichem. Alles ist der Physik der jeweiligen Welt angemessen, so, dass "Science Fiction" ein genau so korrektes Label wäre. "Echte" Physik spielt eine nicht kleine Rolle in diesen Romanen.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #13 on: 05. Juni 2014, 17.44 Uhr »
Band 2, The Subtle Knife, fertig. Mich mal wieder über einen deutschen Titel geärgert - "magisch" ist das Messer nicht. Nur eine Physik, die in unserer wirklichen Welt nicht so funktioniert. Im Grossen und Ganzen ist aber The Subtle Knife nur ein "strategisches" Buch, wie so viele zweite Teile von Trilogien: Der Autor stellt seine Figuren auf für den Endkampf. Wir erfahren das ein oder das andere vom ganzen theologischen Hintergrund, aber meist finden nur Kämpfe und Auseinandersetzungen statt zwischen Will und Lyra auf der einen Seite und irgendwelchen Opponenten auf der andern. Wenn die Opponenten einmal besiegt sind, spielen sie keine grosse Rolle mehr. Jedenfalls bis jetzt.
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Re: Phillip Pullman: His Dark Materials
« Reply #14 on: 07. Juni 2014, 07.18 Uhr »
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