Hallo!
Choron ist ein Klassiker im Bereich der Philosophie des Todes, den ich seinerzeit im Rahmen einer Seminararbeit geplündert habe. Deshalb hatte ich ihn auch noch gut (im Sinne von positiv) in Erinnerung: Allerdings beschränkt sich der Wert des Buches wirklich darauf, die verschiedenen mit dem Tod oder der Unsterblichkeit verbundenen Stellen bei den einzelnen Philosophen ausfindig zu machen. Wenn man hingegen das Buch nicht als Nachschlagewerk oder Zitatenlieferanten betrachtet, so ist es eine recht unerquickliche Lektüre.
Das liegt schlicht daran, dass Choron zwar sämtliche philosophische Meinungen bezüglich der Todesproblematik von den Vorsokratikern bis ins 20. Jahrhundert auflistet, er selbst aber kaum etwas Verbindendes oder Erhellendes zu den einzelnen Positionen beizutragen weiß. Einer kurze Charakteristik des Philosphen folgen eine Unmenge an Zitaten (die etwa drei Viertel des gesamten Buchumfanges ausmachen), Zitate, deren Auswahl nicht wirklich repräsentativ ist und die in einen größeren Zusammenhang zu stellen vom Autor nicht einmal versucht wird. Für die Neuzeit bedeutet das etwa: 4 Seiten Descartes, 5 Seiten Pascal, 7 Seiten Spinoza, 3 Seiten Leibniz usf. Das liest sich wie ein historisch-enzyklopädische Aufzählung von Gedanken zu Tod und Unsterblickeit, ist also bestenfalls als eine solche spezielle Enzyklopädie zu gebrauchen. Allerdings wüsste ich keine "philosophische Todesmonographie", die sich eingehender mit dieser Thematik auseinandersetzen würde.
lg
orzifar