Author Topic: Jacques Choron: Der Tod im abendländischen Denken  (Read 3993 times)

Offline orzifar

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Jacques Choron: Der Tod im abendländischen Denken
« on: 02. Mai 2014, 04.16 Uhr »
Hallo!

Choron ist ein Klassiker im Bereich der Philosophie des Todes, den ich seinerzeit im Rahmen einer Seminararbeit geplündert habe. Deshalb hatte ich ihn auch noch gut (im Sinne von positiv) in Erinnerung: Allerdings beschränkt sich der Wert des Buches wirklich darauf, die verschiedenen mit dem Tod oder der Unsterblichkeit verbundenen Stellen bei den einzelnen Philosophen ausfindig zu machen. Wenn man hingegen das Buch nicht als Nachschlagewerk oder Zitatenlieferanten betrachtet, so ist es eine recht unerquickliche Lektüre.

Das liegt schlicht daran, dass Choron zwar sämtliche philosophische Meinungen bezüglich der Todesproblematik von den Vorsokratikern bis ins 20. Jahrhundert auflistet, er selbst aber kaum etwas Verbindendes oder Erhellendes zu den einzelnen Positionen beizutragen weiß. Einer kurze Charakteristik des Philosphen folgen eine Unmenge an Zitaten (die etwa drei Viertel des gesamten Buchumfanges ausmachen), Zitate, deren Auswahl nicht wirklich repräsentativ ist und die in einen größeren Zusammenhang zu stellen vom Autor nicht einmal versucht wird. Für die Neuzeit bedeutet das etwa: 4 Seiten Descartes, 5 Seiten Pascal, 7 Seiten Spinoza, 3 Seiten Leibniz usf. Das liest sich wie ein historisch-enzyklopädische Aufzählung von Gedanken zu Tod und Unsterblickeit, ist also bestenfalls als eine solche spezielle Enzyklopädie zu gebrauchen. Allerdings wüsste ich keine "philosophische Todesmonographie", die sich eingehender mit dieser Thematik auseinandersetzen würde.

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re: Jacques Choron: Der Tod im abendländischen Denken
« Reply #1 on: 02. Mai 2014, 07.11 Uhr »
Hallo!

Als mein RSS-Feed den Thread-Titel ausspuckte, war ich schon ganz hoffnungsfroh. Scheint aber doch nichts zu sein, das ich lesen müsste.

Eigentlich wäre es in Zusammenhang mit meiner Burger-Lektüre ganz interessant gewesen; auch habe ich mir Elias Canettis Nachlass-Nachlese "Das Buch gegen den Tod" (oder so ähnlich) bereits bestellt. Da wäre ein genuin philosophisches Zubrot gerade recht gekommen.

Grüsse

sandhofer

PS.

Allerdings wüsste ich keine "philosophische Todesmonographie", die sich eingehender mit dieser Thematik auseinandersetzen würde.

Schade - das wäre meine nächste Frage gewesen. :(
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Offline Gontscharow

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Re: Jacques Choron: Der Tod im abendländischen Denken
« Reply #2 on: 02. Mai 2014, 21.54 Uhr »

Aber der Name ist gut -  für einen philosophischen Todesmonographen ;D - wie von Th.Mann erfunden.

Offline orzifar

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Re: Jacques Choron: Der Tod im abendländischen Denken
« Reply #3 on: 07. Mai 2014, 02.12 Uhr »
Hallo!

Ganz übel das Kapitel über Feuerbach: Seitenlange Aneinanderreihung verschiedenster Zitate ohne eine einzige erläuternde Zeile. Und weil das zitierte Werk "Todesgedanken" in der Frühzeit von Feuerbachs Schaffen entstand, wird man also mit einem an Hegel erinnernden allumfassenden Geist gequält, in den sich der individuelle Geist im Tode ergießt. Usf. - in tpyisch hegelscher Manier. Eine Tortur. Ebenso die letzten Kapitel über die Existentialisten, Heidegger, Jaspers, Sartre und Marcel in Zitaten ist nur etwas für einen robusten Magen.

Ich werde nun auf die Suche nach anderen entsprechenden Werken gehen: Es muss sich doch irgendwann mal ein halbwegs intelligenter Schreiberling des Themas angenommen haben. Oder es in Zukunft tun, etwa in einer Habil-Schrift (*nach Süddeutschland mit dem Zaunpfahl wink*). Auch ohne morbiden Namen ...

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re: Jacques Choron: Der Tod im abendländischen Denken
« Reply #4 on: 07. Mai 2014, 20.13 Uhr »
Hallo!

So, wie Dein erster Post klang, dachte ich, Du seist fertig. Dass Du da noch weitergelesen hast - diesen Durchhaltungswillen brächte ich nicht auf ...

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Re: Jacques Choron: Der Tod im abendländischen Denken
« Reply #5 on: 08. Mai 2014, 07.20 Uhr »
Gerade gesehen ... Durchhaltungswillen ist auch schön ... man sollte nicht hudeln beim Schreiben ...  ::)
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