Author Topic: Polybius  (Read 3203 times)

Offline sandhofer

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Polybius
« on: 12. Februar 2014, 19.53 Uhr »
Hallo zusammen!

Des Polybius Erzählung vom Aufstieg Roms durch die Punischen Kriege ist recht anregend. Der erste Historiker, der über seine Kollegen herzieht.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Re: Polybius
« Reply #1 on: 13. Februar 2014, 20.08 Uhr »
Er kabbelt gern mit seinen "Kollegen". Daneben aber versucht er tatsächlich, neutral zu bleiben. Ähnlich wie Herodot wägt er die Argument / Erzählungen sorgfältig ab.
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Offline sandhofer

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Re: Polybius
« Reply #2 on: 17. Februar 2014, 20.02 Uhr »
In vielem scheint mir Polybius der erste "moderne" Historiker zu sein: u.a. quasi der Erfinder der Fussnote - sprich: der überhaupt nicht zum Thema gehörenden Nebenbemerkung.
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Offline Sir Thomas

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Re: Polybius
« Reply #3 on: 18. Februar 2014, 09.07 Uhr »
Des Polybius Erzählung vom Aufstieg Roms durch die Punischen Kriege ist recht anregend.

Da Du die lateinische Schreibweise des Namens benutzt, nehme ich an, dass Du eine ältere Ausgabe liest, oder?

Offline sandhofer

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Re: Polybius
« Reply #4 on: 18. Februar 2014, 11.48 Uhr »
Nein. Sondern eine englische Übersetzung.  ;)
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Offline sandhofer

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Re: Polybius
« Reply #5 on: 21. Februar 2014, 18.27 Uhr »
Polybius wendet nicht nur eine zyklische Geschichtstheorie an; er ist auch der erste, der die Gewaltenteilung propagiert im Staat. Er schreibt sie zwar Solon zu, dem  mythischen Gesetzgeber von Sparta, aber als Theorie entwickelt hat sie wohl Polybius. Kein Wunder, war er bei den US-amerikanischen Vätern der Verfassung hoch im Kurs, v.a. bei John Adams, dem Brieffreund Thomas Jeffersons.
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Offline sandhofer

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Re: Polybius
« Reply #6 on: 22. Februar 2014, 16.46 Uhr »
Wenn Polybius über andere Geschichtsschreiber herzieht, ist er am schwächsten. Er verliert sich in Details und oft sind seine Berechnungen auch nicht exakter als die seiner Kollegen, denen er Unexakhteit vorwirft.

Am besten ist er dort, wo er verschiedene Verfassungen vorstellt / diskutiert. Oder dort, wo er eine Theorie der Geschichtsschreibung entwirft, sozusagen. Der beste Geschichtsschreiber ist für ihn der, der
a) das Land bereist hat, über das er schreibt, und so die Geografie und die Leute aus eigener Erfahrung kennt
b) als Politiker tätig war / ist
c) auch über militärische Erfahrungen (als General) verfügt.

Zufälligerweise trifft das alles auf ihn zu.
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Offline sandhofer

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Re: Polybius
« Reply #7 on: 02. März 2014, 08.43 Uhr »
Polybius / Πολύβιος - die griechische Schreibweise extra für Sir Thomas  ;D - hat nun auch ein Plätzchen gefunden im Blog.
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Offline Sir Thomas

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Re: Polybius
« Reply #8 on: 04. März 2014, 15.36 Uhr »
Polybius / Πολύβιος - die griechische Schreibweise extra für Sir Thomas  ;D - hat nun auch ein Plätzchen gefunden im Blog.

Interessant! Angesichts der von Dir erwähnten zyklischen Geschichtsbetrachtung kann ich nicht umhin, mich zu wundern bzw. zu amüsieren über einen derartigen Unsinn, der für einen antiken Autor gerade noch angehen mag, aber spätestens bei Schiller und Spengler nur noch hanebüchen ist. Wobei Schiller gar nicht so sehr zyklisch, sondern einfach nur fortschrittsoptimistisch gestimmt war. Ich glaube es war Gottfried Benn, der zum Thema Geschichte schlicht empfahl, darin die Krankenakte einer irre gewordenen Menschheit zu sehen. Man muss kein Zyniker sein, um ihm zuzustimmen.   

Offline sandhofer

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Re: Polybius
« Reply #9 on: 05. März 2014, 18.51 Uhr »
Na ja - Spengler wie auch Weininger sind eher im Kontext ihrer Zeit interessant denn als echte Wissenschafter. Auch wenn sowohl Wittgenstein wie Freud von Weininger sehr beeindruckt waren - z.B.
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