Hallo!
Eine sehr anregende Sammlung von Vorträgen und Aufsätzen, die in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen sich die Herausgeber bemüht haben. Was nicht immer ganz gelungen ist - vor allem: Man wird mit Wiederholungen konfrontiert, sodass sich die Frage stellt, ob nicht der eine oder andere Artikel hätte weggelassen werden können. Das tut aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch und ist - ganz nebenbei - pädagogisch sinnvoll: Durch die Wiederholung in einem anderen Zusammenhang werden bestimmte Probleme klarer und einsichtiger.
Musgrave ist bekennender kritischer Rationalist; deshalb ist es doppelt angenehm, im Beitrag über die Evolutionstheorie eine (berechtigte!) und scharfe Kritik Poppers zu lesen. Wollte Popper noch im "Elend des Historizismus" mit den geschichtsteleologischen Ansichten Marx' auch evolutionäre Theorien in einem Aufwaschen erledigen (eine Kritik, die er später - in "Ausgangspunkte" teilweise zurückgenommen hat), so war er auch noch in den 70igern offenbar der Meinung, dass die Evolutionstheorie eher einem metaphysischen Forschungsprogramm ähnlich sei (weil angeblich nicht falsifizierbar). Dass dem selbstverständlich nicht so ist, dass im Gegenteil ohne weiteres paläontologisches Material vorstellbar wäre, dass dieser Theorie den Garaus machen würde, wird von Musgrave auf anschauliche Weise dargestellt. Das Angenehme, weil nicht Selbstverständliche dieser Vorgehensweise besteht darin, dass hier ein dezidierter Anhänger eines bestimmten Philosophen diesen ohne viel Federlesens oder Scheu vor der Autorität einer Kritik unterzieht. Ein Vorgehen, dass man sich etwa von manchem Kantianer auch wünschen würde.
Ein äußerst empfehlenswertes Buch, dessen Preis mit knapp 50 Euro - wie bei fast allen wissenschaftlichen Werken - allerdings überzogen ist. Mir ist diese Preispolitik oft nicht ganz klar: Wenn Fachbücher ohnehin ein Verlustgeschäft darstellen, wäre es da nicht einen Versuch wert, sie günstig, ein wenig beworben, unters Volk zu bringen? Die "Materialkosten" sind ja ohnehin minimal, bei einem wie dem vorgenannten Kaufpreis kann man aber davon ausgehen, dass sich ausschließlich Fachinstitute oder die ganz wenigen an dieser Materie Interessierten das Buch kaufen. Denn dass sich auch Philosophie verkaufen lässt beweisen die Hypes um Prechtls Bücher und ich bin nicht so sicher, dass alle mit diesem aufgehübschten Flachdenkertum zufrieden sind.
lg
orzifar