Author Topic: Ian Hacking: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften  (Read 2707 times)

Offline orzifar

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Hallo!

Der Titel ist mehr als irreführend (und mir ist völlig rätselhaft, wie man auf nämlichen verfallen konnte): Da das Buch im Englischen "Representing and Intervening" heißt und auch die deutsche Ausgabe in zwei große Teile "Darstellen" und "Eingreifen" gegliedert ist. Eine Einführung ist das Buch keinesfalls, wenn natürlich auch die verschiedensten wissenschaftstheoretischen Positionen referiert werden. Es gilt als das Hauptwerk von Ian Hacking - zumindest, was die Resonanz im philosophischen Bereich betrifft.

Die Sprache besticht für ein Buch dieses Zuschnitts durch Klarheit, auch die Einteilungen in kurze Kapitel ist sehr lesefreundlich. Einen nicht unbeträchtlichen Teil des Buches widmet Hacking seiner Auseinandersetzung mit Hilary Putnam und dessen "internalistischen" Realismus (Putnam hat seine diesbezügliche Einstellung später in Richtung Pragmatismus geändert), diese Kritik ist also insofern überholt. Hacking selbst ist ein Anhänger des Realismus (er ist der Meinung, dass etwa kurzlebige Teilchen einen ähnlichen ontologischen Status wie Bäume und Äpfel haben), deshalb, weil die Auswirkungen solcher Teilchen beobachtbar sind. (Die Realität von elektrischen Felder vergleicht er mit dem Gefühl des Verliebtseins, ein Vergleich, der einiges für sich hat ;)). Und Hacking ist ein Gegner der Theorienlastigkeit, jemand, der die Bedeutung des "Intervening" weit über die des "Representing" stellt.

Trotzdem sich Hacking (wie erwähnt) sehr um Verständlichkeit bemüht, ist eine grundlegende Kenntnis wissenschaftstheoretischer Konzepte von Vorteil: Es werden zwar die Positionen von Kuhn, Feyerabend, Popper oder dem apostrophierten Putnam skizziert, aber ich habe doch meine Zweifel, ob man den Ausführungen ohne Kenntnis dieser Autoren wirklich zu folgen vermag. Andererseits ist gerade der erste Teil (bzw. die Einleitung) durchaus als "Einführung" zu lesen (dies vielleicht der einzige Vorwand für den unsäglichen deutschen Titel), allerdings eine Einführung, die sehr selektiv ist. Was Hacking selbstredend nicht vorgeworfen werden kann, da ihm ja um eine detaillierte Darstellung gar nicht zu tun war.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline orzifar

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Re: Ian Hacking: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften
« Reply #1 on: 27. Januar 2014, 04.59 Uhr »
Der Rest schien mir besser ins Blog zu passen ...

lg

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