Hallo!
Nach einer ausführlichen Einleitung, in der Deschner - nicht immer wirklich überzeugend - seine historische Herangehensweise erläutert (inwieweit man als Historiker objektiv sein kann, darf, muss: Diesen theoretischen Überlegungen hat Hans Albert in seinen Ausführungen zu Max Weber sehr viel besser Ausdruck verliehen), beginnt er mit der Analyse des Judentums bzw. des Alten Testamentes. Und hier wird bereits ein Problem sichtbar, das ich immer wieder mit Deschners Bücher hatte: Er dokumentiert allzu ausführlich, schreibt Einzelheiten, die als das 10., 100. Beispiel in den Fußnoten besser aufgehoben wären. Natürlich: Der liebe Gott des Alten Testamentes ist der Gottvater des Massenmordes, der Heuchelei, Rachsucht - von Mord- und Totschlag (Frauen und Kinder inklusvie, sofern sie nicht zu Versklavung taugen). Das würde aber bereits durch eine Bruchteil der zitierten Schlächtereien klar werden, sodass man durch die faktische Anhäufung auf Dauer ein wenig gelangweilt wird. Ich zweifle nicht an der Richtigkeit der Ausführungen: Aber der Historiker hat auch die Pflicht, zusammenzufassen, zu verweisen, die Quellen aufzubereiten.
Aber durch diese Lektüre wird einem wieder das Abstoßende, Ekelhafte der Religionen (ob jüdisch oder christlich) in Erinnerung gerufen, die Dummheit rezenter Theologen, die da noch immer an den bald 3000 Jahre alten Schauergeschichten heruminterpretieren, einem perversen Stammesgott nachlaufen und all die Gräueltaten beschönigen. Wenn diese Perversion nicht noch immer einen so großen Einfluss haben würde: Man könnte das alles ins Kuriositätenkabinett der Geschichte verbannen. Aber diese Idiotie wird noch heute flächendeckend an Schulen und Universitäten gelehrt, sie genießt Anerkennung - und immer wieder hervorgehoben - Respekt. Gerade letzteres ist mir ein völliges Rätsel: Respekt vor jemanden, der vor einem rachsüchtigen Beduinengott auf die Knie fällt, der die Imbezillität sein eigen nennt, an Engel, unbefleckte Empfängnis und heilige Geister zu glauben, Respekt vor einer Religion, die im Laufe ihrer Geschichte ungleich mehr Menschen ermordet hat als Hitler in seinem tausendjährigen Reich? Das verdient sowohl intellektuelle als auch moralische Verachtung, umso mehr, als eben von Staats wegen die Kinder immer noch mit diesem Unsinn indoktriniert werden. (Es bedurfte einiges an Mühe, eine auch nur einigermaßen akzeptable Schule für orzifar jr. zu finden: Religiös-esoterische Anstalten gibt es zur Genüge, aber keine einzige, die ein Faible für Naturwissenschaften hätte. Man erzähle mir nicht, dass sich die Kinder nicht dafür interessieren würden - mein Kleiner ist der Beweis für's Gegenteil. Und nicht nur er ... Aber bevor ich nun eine Schimpftirade auf das öst. Schulsystem anstimme, die Seiten über Seiten umfassen würde (und meiner Laune abträglich wäre), halte ich hiermit inne.)
lg
orzifar