Author Topic: Die Tagebücher der Brüder Goncourt  (Read 15147 times)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #15 on: 22. Februar 2014, 07.48 Uhr »
Band 4 schliesst nahtlos an Band 3 an.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #16 on: 02. März 2014, 15.44 Uhr »
Über Rivière, einen unbedeutenden Autor: "Körperlich gleicht er einem homöopathischen Apotheker." 20. August 1869
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #17 on: 03. März 2014, 21.41 Uhr »
Band 5 ist äusserst deprimierend. Jules' allmählicher körperlicher und geistiger Zerfall sei Mitte 1869, dann sein Tod 1870, danach der preussisch-französische Krieg mit der Belagerung von Paris; jetzt (1871) die Commune...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #18 on: 05. März 2014, 18.52 Uhr »
Faszinierend allerdings, wie gut Edmond Goncourt über die Ereignisse orientiert war, selbst im eingekesselten Paris.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #19 on: 09. März 2014, 08.23 Uhr »
Band 5: Keine Erinnerungen aus dem literarischen Leben, sondern welche an Krieg und Sterben - nun auch im Blog.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Gontscharow

  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 595
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #20 on: 10. März 2014, 10.18 Uhr »
Band 5: Keine Erinnerungen aus dem literarischen Leben, sondern welche an Krieg und Sterben - nun auch im Blog.

Bei der Schilderung der Kriegsereignisse70/71 fielen mir Maupassants Recits de guerre und da besonders Boule de suif und La Mère Sauvage ein. Maupassant war selbst Kriegsteilnehmer. Da du gerade Stark wie der Tod nicht übel fandest, vielleicht  eine weitere Bestätigung, dass M. als Erzähler besser ist als sein Ruf…     Mir jedenfalls haben die Erzählungen gut gefallen.
 
Quote from: sandhofer im blog
...Pferde- und Eselsfleisch (zum grossen Ekel der verwöhnten Literaten!)...

Und ich dachte immer, der Verzehr von Pferdefleisch sei in Frankreich traditionell, weit verbreitet und beliebt... Noch heute sieht man ja "boucheries chevalines", die Metzgereien mit dem Pferdekopf über der Tür. Als ich das allererste Mal in Frankreich war, gab der Hausherr mir, der ahnungslosen Deutschen, durch Wiehern und Reitbewegungen zu verstehen, dass das Fleisch auf meinem Teller vom Pferd und etwas sehr Gutes  sei. Ich hab jetzt mal nachgeschaut. Außer der Hippophagie aus rituellen Gründen in grauer Vorzeit scheint sich das Konsumieren von Pferden in Frankreich erst während der Revolution „eingebürgert“ zu haben, aus Not, aber durchaus auch mit einem antiaristokratischen Beigeschmack ;). Und die Kriegszeit 70/71 und die Commune brachten einen weiteren Schub. Der Höhepunkt des Pferdekonsums soll  Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein, von da an ging’s bergab… Noch bis in die achtziger Jahre des 20.Jahrhunderts wurden die abgehalfterten Pferde der Nationalen Garde in den Läden als Delikatesse oder eher preisgünstige Fleischvariante feilgeboten.

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #21 on: 10. März 2014, 17.22 Uhr »
Zu Maupassant kann ich wenig sagen. Bel Ami, habe ich, ehrlich gesagt, nie gelesen. Maupassants Novellen und Kurzgeschichten fand ich vor einem Vierteljahrhundert recht gut. Aber mehr als diesen allgemeinen Eindruck habe ich nicht zurückbehalten. Bleibt Stark wie der Tod - ebenfalls recht gut.

Danke für Deine Recherchen zum Pferdefleischgenuss.  :hi:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #22 on: 13. März 2014, 21.20 Uhr »
Band 6 begonnen. Da hat Edmond offenbar doch ein wenig die Lust verloren - so viele Jahre in einem normaldicken Band zusammengequetscht gab es sonst nur ganz zu Beginn.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #23 on: 16. März 2014, 17.49 Uhr »
Allerdings findet er nun endlich die Anerkennung, die man ihm und seinem Bruder so lange vorenthielt. Er gehört nun, mit Zola und Flaubert, zu den Älteren, denen die jungen Naturalisten 8unter ihnen Guy de Maupassant) Dîners geben. (Andererseits muss er auch erleben, dass ihn der Sohn eines befreundeten Buchhändlers, den er noch als 11-Jährigen kannte, der ständig erkältet war und Rotz absonderte, dass ihn dieser Sohn also regelmässig in den Zeitungen verreisst - Anatole France.)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #24 on: 27. März 2014, 11.20 Uhr »
Band 6 ist "verbloggt".   :hi:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #25 on: 01. April 2014, 08.59 Uhr »
Man könnte es brutal formulieren: Das Leben geht weiter. Das Sterben auch. Im letzten Band Flaubert, in diesem Turgenjew. Und Daudet spürt die ersten Anzeichen der Paralyse, die ihn aufgrund seiner unbehandelten Syphilis treffen wird. Band 7.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #26 on: 07. April 2014, 20.33 Uhr »
Band 8. Edmond veröffentlicht Ausüge aus früheren Jahren der Tagebücher. Und wundert sich, dass alle seine Freunde sehr, sehr böse über ihn sind.  ::)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #27 on: 12. April 2014, 07.09 Uhr »
Aber im Grossen und Ganzen muss man sagen, dass der grosse Sarkasmus und Zynismus, der giftige Witz nach dem Tod Jules' zunehmend in den Hintergrund tritt. Edmond beobachtet und beschreibt zwar auch; aber er misst viel mehr am eigenen - meist schlechten! - Befinden. Band 8 im Blog.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #28 on: 14. April 2014, 20.11 Uhr »
Im Zentrum der ersten Hälfte von 1889 steht die Love Story zwischen der Prinzessin Mathilde Bonaparte und Popelin. Die deutsche und die englische Version von Wikipedia behaupten ja, gestützt auf den Gotha, dass die beiden verheiratet waren; die französische verneint das. In den Tagebüchern finde ich auch keinen Hinweis auf eine Heirat - Edmond hätte sich so was sicher nicht entgehen lassen. Weiss jemand mehr?
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 767
Re: Die Tagebücher der Brüder Goncourt
« Reply #29 on: 15. April 2014, 19.58 Uhr »
Langsam dämmert Edmonds Freunden, was er da macht. Als erst bittet ihn die Prinzessin Mathilde darum, in Zukunft in seinen Tagebüchern keine Erwähnung mehr zu finden.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus