Hallo!
Habe nun also den dritten Teil abgeschlossen, der tatsächlich gänzlich anders gestaltet ist als die beiden ersten Teile. Titus kommt in eine futuristische, seltsame Welt, er wird verfolgt, lernt Muzzlehatch kennen, einen ungeheuer vitalen, aber auch fast übermenschlichen Zoobesitzer, der zum Rächer für den seinen Tieren angetanen Tod wird. Denn diese Zukunft, in der Titus landet, ist unmenschlich, hat sich der Fabrikation menschlichen Lebens hingegeben (bzw. man darf das vermuten) - und damit der Entmenschlichung. Das alles findet statt in einem bizarren Szenario, dessen beste Szenen in der "Unterflusswelt" sehr stark an Beckett erinnern: Die drei Bettler wären bestens aufgehoben in "Endspiel" oder "Malone stirbt", sie erinnern an Estragon und Wladimir in ihrem endlosen Umherziehen, in ihrer Lebensweise, in ihrer Sprache.
Trotzdem bin ich - vor allem mit dem Ende - nicht ganz glücklich. Wieder erlebt man einen Showdown, der ein wenig aufgesetzt wirkt, manches wirkt unausgegoren (etwa das Auftauchen des "Anker", einer Person, die auf verschiedenste Weise interpretiert werden könnte - was ich mir hier schenke). Die Anklänge an Beckett scheinen mir offenkundig, den Ulysses wird Peake auch gekannt haben. So wird aus einem anfangs mittelalterlich-phantastisch anmutenden Roman ein existentialistischer Entwurf mit dystopischen Einsprengseln, manchmal äußerst eindrucksvoll, dann aber scheint man den Kräfteverfall des Autors (er litt an Parkinson und starb kurz darauf daran) doch stark zu spüren.
Ich bin mir unsicher, ob ich nun auch den vierten Teil lesen soll: Die Kritiken lassen mich eher ein Desaster befürchten. Es gibt zwar einen kurzen Entwurf des Autors, aber ob dieser in seinem Sinne hat beendet werden können, dürfte sehr zweifelhaft sein.
lg
orzifar