Hallo!
religiöses Wissen -> Religion zeichnet sich dadurch aus, das sie auf Glauben und nicht auf Wissen basiert ist.
Du hast offenbar noch immer nicht im Ansatz verstanden, worum es ging (bzw. du hast es nicht gelesen - oder besser: Du hast das gelesen, was du lesen
wolltest): Es gibt eben eine andere, nicht propositionale Form des Wissens, über Ästhetik, über Religion oder Sport. Mein sportliches Wissen kann darin bestehen, dass ich über die Punktevergabe im Fußball Bescheid weiß, dass ich den Fußballweltmeister kenne oder die Abseitsregel. Das religiöse darin, dass ich weiß, dass Katholiken Jesus für den Sohn Gottes halten, der Papst in Rom residiert oder die Buddhisten das Nirvana hoch halten. Mit der Wahrheit oder Gewissheit der einzelnen Aussage hat das nichts zu tun. Aber nachdem Musgrave die gleichen Beispiele für diese Art des Wissens bringt ist es wohl vergebliche Liebesmüh, dir diesen Unterschied zu erklären, da du - aus welchen Gründen auch immer - dem zu folgen einfach nicht in der Lage scheinst.
Wobei - so nebenbei - dein "Alltagssprachverständnis" ohnehin auch das als "Wissen" bezeichnet, was von Musgrave als religiöses Wissen bezeichnet wird: Denn du "weißt", dass Katholiken und Protestanten verschiedene Sakramente anerkennen oder Ganesha eine Gottheit des Hinduismus ist.
Nur weil etwas üblich ist, heißt das nicht, das es exakt ist und nicht verbessert werden kann.
Gerade in der Philosophie ist die Wortwahl von Bedeutung. Und gerade deswegen sind die meisten Autoren unlesbar. Ein komplexer Zusammenhang muss nicht automatisch in Kauderwelsch enden.
Eine Terminologie ist nicht dann unklar, wenn sie nicht mit der BigBenschen Umgangssprache übereinstimmt, sondern wenn sie klarer Definitionen entbehrt. Du kommst mir vor wie einer, der einen Physiktext deshalb als unsinnig abtut, weil darin der Ausdruck "Schwarzes Loch" vorkommt (den der Leser für die Maulwurfsgänge in seinem Vorgarten reserviert hat und deshalb für ein irgendwie physikalisches Gebilde für unpassend erachtet).
Unabhängig davon scheint im Zusammenhang mit dem "GWG" "Glaube" (im Sinne von belief) der einzig wirklich exakte Ausdruck zu sein; deine Vorschläge wären schlicht falsch (weil es beim GWG auch immer um die feste
Überzeugung geht, derjenige, muss eben daran
glauben, etwas, das man bei einer "Annahme" oder "Vermutung" nicht sagen könnte). Diese deine Vorschläge basieren darauf, dass du den - logisch stringenten - Aufbau einfach nicht verstanden hast. Denn das Problem liegt ja - u. a. - darin, dass die ein wenig biertischähnliche Abgrenzung von Glauben und Wissen, die du dir zueigen gemacht hast, so einfach nicht aufrecht zu erhalten ist: Eine definitive Abgrenzung ist kaum möglich. Ich glaube, dass du mit dem für dich etwas verschwommenen Begriff des Vermutungswissen a la Popper argumentierst (worauf in großen Teilen auch diese Untersuchung hinausläuft), ein Wissen, das allerdings mehr Probleme involviert und diffiziler abzuhandeln ist, als du dir das offenbar vorstellst.
lg
orzifar