Hallo!
Die zweite Hälfte des Buches hat dann doch ziemlich enttäuscht. Alles das, worüber man zu Beginn noch hatte hinwegsehen können, hat sich zusehends verstärkt: Sprachliche Unbeholfenheiten, eine Handlung, die zusehends aus dem Ruder läuft, oberflächlich gezeichnete Charaktere.
Kurz zum Inhalt: Erzählt wird das Ganze von Gustav Links, einem Mathematiker, der, direkt oder indirekt, mit dem Plan zum Bau einer Wunderwaffe, der "Bombe", zu tun hat. Ein amerikanischer Offizier und Physiker taucht nach dem Krieg auf und versucht, Licht ins Dunkel der Wissenschaftsgesellschaft des Dritten Reiches zu bringen - und vor allem herauszufinden, wer für die Entscheidungen an höchster Stelle unter dem Namen "Klingsor" zuständig war. (@Sandhofer: Hier ist der Klingsor aus dem Parzifal, der böse Zauberer, gemeint, wie er auch ursprünglich bei W. v. Eschenbach auftaucht). Mit Hilfe von Links macht sich der Offizier auf die Suche, spricht mit hochrangigen Physikern (v. der Laue, Heisenberg, Schrödinger, Bohr), um festzustellen, dass er sich scheinbar immer weiter von seinem Ziel entfernt. In das Ganze sind Rückblicke verwoben, Links' private Schicksale werden erzählt, außerdem wird Bacon (der amerikanische Offizier) noch in eine Liebesgeschichte mit einer Deutschen, Irene, verstrickt, die ganz offenkundig auch an dem Thema Klingsor Interesse hat.
Und je stärker diese Irene in das Geschehen involviert wird, desto schwächer wird der Roman. Von Beginn an ist klar, dass sie als Agentin fungiert, sie ist als Figur unglaubwürdig, die Dialoge mit Bacon wirken gekünstelt (außerdem, lieber Volpi: Einsprengsel bei Dialogen in der Art "Er konnte vor lauter Aufregung nicht mehr atmen" usf. sind Zeichen von Unbeholfenheit. Für die Glaubwürdigkeit dieser Zustände muss der Dialog an sich stehen, zusätzliche Beschreibungen sind hier bestenfalls peinlich). Und so wird die anfangs plausible Handlung zu einem ziemlichen Wirrwarr, das in auch recht unbefriedigender Weise seine Auflösung erfährt. Volpi will einfach zu viel: Die zahlreichen erotischen Verstrickungen wirken auf Dauer ermüdend, die seitenlange Schilderung des Stauffenbergschen Attentats wie ein bemühter Kunstgriff, die Dinge fügen sich nicht mehr selbstverständlich ineinander, wie das zu Anfang noch der Fall ist. Wie so oft: Weniger wäre mehr gewesen.
lg
orzifar