Author Topic: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin  (Read 11122 times)

BigBen

  • Guest
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #15 on: 10. Oktober 2013, 08.07 Uhr »
Ich habe jetzt mehr als zwei Drittel des Buches gelesen. Und ich habe immer mehr das Gefühl, dass Flasch es bedauert, kein Christ mehr zu sein / sein zu können (wie im Märchen "Ach, wenn es mir doch nur gruseln würde."  ;))
Manche Abschnitte lesen sich wie eine Werbung für Gott (besonders den "Gott der Philosophen"). Wenn Gott nur etwas lieber und netter wäre und in der Vergangenheit nicht so viele Fehler begangen hätte, etwas abgestaubt und neu lackiert würde, dann, ja dann könnte man ja ....  >:D
Ich kann die Lektüre nicht wirklich empfehlen.

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #16 on: 10. Oktober 2013, 20.13 Uhr »
Ich kann die Lektüre nicht wirklich empfehlen.

Du hast mich überzeugt  :)

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

BigBen

  • Guest
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #17 on: 14. Oktober 2013, 09.16 Uhr »
Ich habe das Buch am Wochenende beendet, und es war mit Abstand das schlechteste Buch, das ich bisher dieses Jahr in den Händen hatte. Die schwere Beweisbarkeit von Nichtexistenz hat Flasch dreimal in dem Buch wiederholt! Am Ende gab es vermehrt lateinische Zitate ohne Übersetzung. Im Anhang kann ich so etwas akzeptieren. Im Text ist das eine Frechheit. Es sei denn, der Autor erwartet gar nicht, das der Leser ihm folgen kann.
Zur Abwechslung gibt es jetzt etwas Steampunk.  :)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 764
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #18 on: 14. Oktober 2013, 14.18 Uhr »
Hallo Anna

Du bist, wenn ich das recht sehe, die einzige, die noch bleibt für eine Leserunde. Immer noch interessiert? Das Buch habe ich eh...

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Anna

  • Full Member
  • ***
  • Posts: 155
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #19 on: 14. Oktober 2013, 19.38 Uhr »
Hallo sandhofer,

nach Big Bens Kommentaren ist auch mein Interesse an dem Buch abgeflaut und ich werde auf eine Anschaffung verzichten. Trotzdem bin ich gespannt auf Deine Meinung.

Gruß
Anna
Bodo Kirchhoff - Verlangen und Melancholie
Regina Dieterle - Theodor Fontane
Charles Dickens - David Copperfield
Traudl Bünger, Ella Berthoud, Susan Elderkin - Die Romantherapie

BigBen

  • Guest
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #20 on: 15. Oktober 2013, 07.59 Uhr »
Sorry, ich wollte die Leserunde nicht in die Flucht schlagen. Außerdem sollte doch eigentlich bekannt sein, das ich einen besonders eigenartigen Buchgeschmack habe.  :angel:

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #21 on: 15. Oktober 2013, 08.14 Uhr »
Hallo!

Ich weiß nicht, welche Strafen der Chef für seine Vereinsamung in der Leserunde vorsieht :). - Aber das Buch scheint einem häufig anzutreffenden Phänomen zu entsprechen: Dem, dass hochgebildete, eigentlich kluge Leute, in so mancher Hinsicht von beachtlicher Einfalt sind. Manchmal ist es von Vorteil, sich mit geschätzten Professoren nicht über derlei Persönliches zu unterhalten, um von der außerfachlichen Einfalt nicht peinlich berührt zu werden.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 764
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #22 on: 19. Januar 2014, 15.03 Uhr »
Ich kann die Lektüre nicht wirklich empfehlen.

Ich bin jetzt in der Hälfte. Abgesehen vom Lapsus mit Atheismus und Agnostizismus ist mir nichts Besonderes aufgefallen. Die Beweisbarkeit von Nicht-Existenz habe ich entweder überlesen, oder sie kommt erst noch.

Schade, dass die Leserunde geplatzt ist. Flasch ist ein Philosophiehistoriker mit grossem Wissen, und seine diesbezüglichen Ausführungen hätten Anlass zu so manch anderer weiterer gemeinsamer Lektüre und Leserunde sein können.  8)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 764
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #23 on: 19. Januar 2014, 17.27 Uhr »
Die schwere Beweisbarkeit von Nichtexistenz hat Flasch dreimal in dem Buch wiederholt!

Ha! Eine Stelle gefunden! Ehrlich gesagt: Ich halte sie für ironisch.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Anna

  • Full Member
  • ***
  • Posts: 155
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #24 on: 21. Januar 2014, 11.57 Uhr »
Hallo!

Schade, dass die Leserunde geplatzt ist. Flasch ist ein Philosophiehistoriker mit grossem Wissen, und seine diesbezüglichen Ausführungen hätten Anlass zu so manch anderer weiterer gemeinsamer Lektüre und Leserunde sein können.  8)

Im Nachhinein finde ich es auch schade. Vor Weihnachten habe ich in der Sendung "Druckfrisch" ein Interview mit Flasch gesehen, das mein Interesse an dem Buch wieder geweckt hat. Er erzählt dort, dass er als Kind tief gläubig war und die Kriegsjahre - als Vierzehnjähriger musste er miterleben, wie Mutter, Bruder und Cousine bei einem Bombenangriff ums Leben kamen - nur dank seines Glaubens überstanden hätte. Auch mit dem Klerus hat er damals nur positive Erfahrungen gemacht. Es ist schon interessant, dass die Beschäftigung mit der Philosophie und Theologie ihn dazu geführt hat, diesen Glauben, der ihm Halt und Geborgenheit bedeutete, aufzugeben. Aber wenn einem erstmal die Schlange Vernunft ihr Gift ins Ohr geträufelt hat, kann man wohl nicht anders. :teufel: Dass Flasch sich hin und wieder nach dem alten Zustand der Gläubigkeit zurücksehnt, wie es BigBen scheint, kann ich auch verstehen. Seit Adam und Eva wissen wir, dass die Erkenntnis vielleicht stolzer und freier, aber nicht unbedingt glücklicher macht.  ;)

Ich werde mir das Buch jedenfalls irgendwann noch anschaffen. Vielleicht liest es dann noch jemand - orzifar? - mit. Diskussionsstoff scheint es ja reichlich zu bieten. ;D

Wer sich das Interview auf youtube ansehen möchte:

http://www.youtube.com/watch?v=bB4U-Lig2U8


Gruß
Anna


Bodo Kirchhoff - Verlangen und Melancholie
Regina Dieterle - Theodor Fontane
Charles Dickens - David Copperfield
Traudl Bünger, Ella Berthoud, Susan Elderkin - Die Romantherapie

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 764
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #25 on: 21. Januar 2014, 20.19 Uhr »
Dass Flasch sich hin und wieder nach dem alten Zustand der Gläubigkeit zurücksehnt, wie es BigBen scheint, kann ich auch verstehen.

Na ja ... verstehen könnte ich das auch ... aber ... um ehrlich zu sein: Ich finde das im Text nirgends.

Ich finde:

Manche sehen mich in den Klauen Satans, andere überantworten mich der Barmherzigkeit Gottes und anerkennen, daß ich mir Mühe gegeben habe. Sie bringen mich in ihrer Schublade <Gottessucher> unter. Gerade dieses Etikett weise ich zurück; es ist eine Art der Eingemeindung. Mein Fall ist ein anderer: Ich habe Gott gesucht und habe ihn nicht gefunden. Ich habe dabei meine rheinische Fröhlichkeit nicht eingebüßt; ich lebe und arbeite in Heiterkeit. Ich mache mir über meine Zukunft keine Illusionen; ich weiß. daß ich in absehbarer Zeit sterben werde; ich rechne nicht damit, daß die Menschheit ewig fortbestehen wird; die Sonne wird wohl einmal aufhören zu leuchten. Aber mein Leben ist nicht sinnlos. (S. 255)

Und ich finde:

Auf ähnliche Art nahm ich langsam und relativ akribisch Abschied [vom Christentum], ohne Wehmut, eher vergnügt, in dem Gefühl, etwas Neues gelernt zu haben und meine eigenen Gedanken denken zu dürfen. [...] Am Ende stand das ruhig gewonnene Resultat: Ich war kein Christ mehr. (S. 265 - der letzte Abschnitt des Buchs)

Ich sehe bei Flasch kein Sich-nach-dem-Christentum-Zurücksehnen mehr ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #26 on: 22. Januar 2014, 04.46 Uhr »
Hallo!

Ich werde mir das Buch jedenfalls irgendwann noch anschaffen. Vielleicht liest es dann noch jemand - orzifar? - mit. Diskussionsstoff scheint es ja reichlich zu bieten. ;D

Ja, ich muss bei Flasch offenbar Abbitte leisten. Spätestens seit der Musgrave-Diskussion wurde mir klar, dass BigBen die Kulturtechnik des Lesens (und damit Verstehens) nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Diesbezügliche Vertrauensvorschüsse erweisen sich leider allzu oft als unberechtigt - und der Vorschuss wird zum Schuss in den Ofen. Wie auch immer: Kaufen werde ich mir den Flasch (neu) trotzdem nicht, aber ihn möglicherweise entlehnen. Allerdings habe ich mit John L. Mackies "Das Wunder des Theismus" ein recht voluminöses Buch ähnlichen Zuschnitts (allerdings mehr die philosophische Problemlage auslotend) auf dem Nachttisch liegen und werde mich in jedem Fall diesem vorher widmen.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 764
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #27 on: 22. Januar 2014, 13.00 Uhr »
Allerdings habe ich mit John L. Mackies "Das Wunder des Theismus" ein recht voluminöses Buch ähnlichen Zuschnitts (allerdings mehr die philosophische Problemlage auslotend) auf dem Nachttisch liegen und werde mich in jedem Fall diesem vorher widmen.

Kommt jetzt darauf an, wie Du das meinst bzw. wovon Du das absetzt. Trotz des "ich" im Titel argumentiert Flasch ja keineswegs individuell-egoistisch-gefühlsmässig. Und insofern er die Gotteskonzepte eines Augustin oder eines Thomas von Aquin diskutiert, auch philosophisch. Allerdings argumentiert er auch philologisch, indem er ("historisch-kritisch", wie er es nennt) z.B. die Altersschichtungen des biblischen Textes problematisiert und so auf einige Entwicklungen u.a. des Gottesbegriffes hinweist, die dieser durchgemacht hat, oder z.B. darauf hinweist, dass noch Paulus von Jesus nie als von Gott gesprochen hat.

Viele seiner Argumente sind die klassisch-atheistischen. Allerdings versucht er schon, nicht fachspezifisch-philosophisch zu werden.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #28 on: 22. Januar 2014, 21.51 Uhr »
Hallo!

Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie genau sich Flasch dem Thema annähert: Allerdings scheint sein Zugang sehr viel persönlicher zu sein als der Mackies. Was nichts bedeutet: Das kann sowohl gut als auch schlecht sein.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 764
Re: Neuerscheinung: Kurt Flasch - Warum ich kein Christ bin
« Reply #29 on: 25. Januar 2014, 00.41 Uhr »
Allerdings scheint sein Zugang sehr viel persönlicher zu sein als der Mackies.

Sehr viel - weiss ich nicht. Ich war überrascht, wie unpersönlich Flasch argumentiert.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus