Author Topic: C. M. Wieland  (Read 23822 times)

Offline sandhofer

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C. M. Wieland
« on: 15. Juni 2013, 17.07 Uhr »
Wieland wird mich in nächster Zeit immer mal wieder beschäftigen. Gerade lese ich zur Einstimmung für eine Leserunde zu Musarion im Klassikerforum, und weil es in meiner Ausgabe dem Musarion vorgelagert ist, Wielands Danischmend. Wenig Handlung, viel Diskussion - mit zum Teil für Wieland und überhaupt recht scharfer, ätzender Satire - vor allem in den fingierten gelehrten Anmerkungen ...

Wieland macht Spass.
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Offline sandhofer

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Re: C. M. Wieland
« Reply #1 on: 15. Juni 2013, 20.57 Uhr »
Der Danischmend geht 'runter wie Bordeau. Gut, wie Zweigelt vielleicht. Die Bösartigkeit von Wielands Bemerkungen verschwindet, je mehr Wieland dazu übergeht, "Action" statthaben zu lassen. Schade im Grunde genommen. Auch ist Wielands Idealstaat - eine Art ur-kommunistisch organisierter Agrarstaat mit ein bisschen Handwerk und ein ganz-ganz-klein bisschen Industrie - als Utopie ungeeignet. Das schickt sich, ebenso wie das Happy Ending des Danischmend, mehr für ein Märchen. Aber vielleicht wollte Wieland den Danischmend auch als solches betrachtet wissen.

(Ich lese übrigens wieder mal in völlig falscher Reihenfolge. Der Danischmend ist die Fortsetzung von irgendwas anderem. Vom Goldenen Spiegel? Ich muss meine Wieland-Ausgabe wohl doch mal von vorne zu lesen beginnen...)
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Offline sandhofer

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Re: C. M. Wieland
« Reply #2 on: 16. Juni 2013, 08.16 Uhr »
In der Vorbemerkung zu dieser Ausgabe [dem Hamburger Reprint der wohlfeilen Werkausgabe bei Göschen, 1794ff] zitiert Reemtsma - wen wohl? Genau: Arno Schmidt:

... jeder Prosafachmann sollte daran interessiert sein, von Wieland zu lernen; einem Manne, durch dessen Schreibtisch wir Schriftsteller unsern ersten Meridian ziehen müßten.

 8)
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Offline sandhofer

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Re: C. M. Wieland
« Reply #3 on: 17. Juni 2013, 07.16 Uhr »
Agathon

Galt seinerzeit wohl als das Opus magnum Wielands. Bis jetzt liest es sich recht angenehm, aber die Satire ist mild. (Ausser, wir sehen die auktoriale Distanzierung vom Sophisten Hippias als Deckmäntelchen an, unter dem Wieland dann in aller Ruhe die äusserst zynische (nicht: kynische!) Haltung des Sophisten zur Welt und zur Politik referieren kann.)

Übrigens hier schon erste Spuren romantischer Ironie, wenn Wieland die beiden Helden, Agathon und Psyche, sich auf einem Seeräuberschiff treffen lässt, beide Gefangene eben dieser Seeräuber - und statt die Tatsache auszunützen, dass die Mannschaft besoffen herumliegt und einen valablen Fluchtplan auszuhecken, sich lieber ihre Erlebnisse erzählen und ihre Liebe erklären. "Wie Romanhelden", fügt Wieland hinzu, und es ist nicht klar, ob das eine auktoriale Bemerkung war oder ein Gedanke eines der Protagonisten.
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Re: C. M. Wieland
« Reply #4 on: 20. Juni 2013, 20.38 Uhr »
Wieland neigt schon zur Geschwätzigkeit. Die deutsche Sprache steht ihm in einer Geläufigkeit zur Verfügung wie keinem vor und wenigen nach ihm. Agathon = der Gute. Manchmal ein bisschen allzu gut. Aber ich mag Wieland dennoch.
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Offline orzifar

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Re: C. M. Wieland
« Reply #5 on: 21. Juni 2013, 01.10 Uhr »
Wieland neigt schon zur Geschwätzigkeit. Die deutsche Sprache steht ihm in einer Geläufigkeit zur Verfügung wie keinem vor und wenigen nach ihm. Agathon = der Gute. Manchmal ein bisschen allzu gut. Aber ich mag Wieland dennoch.

Es soll was Schlimmeres geben als die Wielandsche Geschwätzigkeit. (Auch wenn ich sie nicht immer ertrage ...)

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

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Re: C. M. Wieland
« Reply #6 on: 21. Juni 2013, 11.03 Uhr »
Agathon wird jetzt der Nachfolger Platons in der (philosophischen) Gunst des Dionysos von Sizilien. Es ist nicht uninteressant, wie Wieland immer wieder kleine Spitzen gegen die Herrschenden in seinen Text einflicht. Und gegen die Philosophen...
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Offline sandhofer

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Re: C. M. Wieland
« Reply #7 on: 22. Juni 2013, 07.56 Uhr »
Zum Danischmend habe ich nun ein paar Worte im Blog verloren.
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Offline sandhofer

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Re: C. M. Wieland
« Reply #8 on: 22. Juni 2013, 14.09 Uhr »
Zum Danischmend habe ich nun ein paar Worte im Blog verloren.

Warum ich aber mal "Danischmend" und mal "Ganischmend" geschrieben habe, ist mir selber schleierhaft. Wer noch einen (falschen!) "Ganischmend" findet, bitte melden!  ::)
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Offline sandhofer

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Re: C. M. Wieland
« Reply #9 on: 22. Juni 2013, 15.49 Uhr »
Weiter im "Agathon". Aspasiens Lebensbeichte: eine merkwürdige und interessante Mischung aus feministischem Manifest und Hetären-Ausbildung.

Edith hat Tippfehler korrigiert.
« Last Edit: 22. Juni 2013, 17.57 Uhr by sandhofer »
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Re: C. M. Wieland
« Reply #10 on: 23. Juni 2013, 16.09 Uhr »
So. Agathon fertig. Später geht's für die Leserunde im Klassikerforum an Musarion. Ist ja nur ein kurzer Text, etwas über 100 Seiten in der Ausgabe letzter Hand.  8)

Agathon war zu Wielands Lebzeiten wohl so etwas wie sein Opus magnum. Heute können wir das nur noch bedingt nachvollziehen. Für einen Roman muss der Autor zu viel selbst erklären; die Veränderungen in Agathon oder in Danae erklären sich zu wenig aus Handlungen der Protagonisten selber. Da ist ihm - wenn ich mich recht erinnere - Goethe in seinem Wilhelm Meister über. Aber stilistisch ist Wielands Plauderton sympathischer als der gestelzte Ministerialton, den Goethe anschlägt.  :angel:
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Offline Sir Thomas

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Re: C. M. Wieland
« Reply #11 on: 23. Juni 2013, 18.11 Uhr »
Aspasiens Lebensbeichte: eine merkwürdige und interessante Mischung aus feministischem Manifest und Hetären-Ausbildung.

Da ist Dir etwas durcheinander geraten: Im "Agathon" beichtet Danae, nicht Aspasia.

Offline sandhofer

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Re: C. M. Wieland
« Reply #12 on: 23. Juni 2013, 19.07 Uhr »
Upsi. Wo Du Recht hast, hast Du Recht ...  :-[
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Re: C. M. Wieland
« Reply #13 on: 23. Juni 2013, 21.02 Uhr »
Also, um genau zu sein: Danae beichtet. Aber der Unterricht, den sie referiert, stammt von Aspasia. So ist das Manifest und die Hetären-Ausbildung bei beiden da.
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Re: C. M. Wieland
« Reply #14 on: 23. Juni 2013, 21.06 Uhr »
Also, um genau zu sein: Danae beichtet. Aber der Unterricht, den sie referiert, stammt von Aspasia. So ist das Manifest und die Hetären-Ausbildung bei beiden da.

Das hat Dir keine Ruhe gelassen, gell?  ;D