Agathon
Galt seinerzeit wohl als das Opus magnum Wielands. Bis jetzt liest es sich recht angenehm, aber die Satire ist mild. (Ausser, wir sehen die auktoriale Distanzierung vom Sophisten Hippias als Deckmäntelchen an, unter dem Wieland dann in aller Ruhe die äusserst zynische (nicht: kynische!) Haltung des Sophisten zur Welt und zur Politik referieren kann.)
Übrigens hier schon erste Spuren romantischer Ironie, wenn Wieland die beiden Helden, Agathon und Psyche, sich auf einem Seeräuberschiff treffen lässt, beide Gefangene eben dieser Seeräuber - und statt die Tatsache auszunützen, dass die Mannschaft besoffen herumliegt und einen valablen Fluchtplan auszuhecken, sich lieber ihre Erlebnisse erzählen und ihre Liebe erklären. "Wie Romanhelden", fügt Wieland hinzu, und es ist nicht klar, ob das eine auktoriale Bemerkung war oder ein Gedanke eines der Protagonisten.