Author Topic: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Read 255767 times)

Offline sandhofer

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[...] Mehr kann ich darüber nicht sagen.[...] Vielleicht sage ich beim nächsten Mal etwas dazu.

Also ähnlich fassungs- und sprachlos wie ich. Das wird was werden morgen ...  :yodel:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

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Das wird was werden morgen ...

Ist auch was geworden ... so kurz war ich seit langen nicht mehr: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=6570
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Offline Gontscharow

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[...] Mehr kann ich darüber nicht sagen.[...] Vielleicht sage ich beim nächsten Mal etwas dazu.

Also ähnlich fassungs- und sprachlos wie ich. Das wird was werden morgen ...  :yodel:

Besonders die Verdruckstheit der "Frauenliteratur" in den Horen enttäuscht mich zunehmend und macht mich sprachlos.

Das wird was werden morgen ...

Ist auch was geworden [...]: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=6570

Ich bin erleichtert!. Fürchtete schon, du würdest angesichts der inhaltlichen Ödnis von 8/1797 die Waffen strecken...  Aber ich weiß ja, dass Du es verstehst, aus Scheiße Gold zu machen .

Bin jetzt mal ein paar Wochen weg, werde aber wohl rechtzeitig wieder im Lande sein, um ein paar Worte über 9/1797 zu verlieren.
  :ciao:

Offline sandhofer

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Fürchtete schon, du würdest angesichts der inhaltlichen Ödnis von 8/1797 die Waffen strecken... 

Bei N° 9 bin ich echt versucht. Die Geisterinsel ist zum Gähnen. Der Marschall zum Einschlafen. Und das seltsame Gedicht über die Gallier in Rom schlicht Nonsense. Aber nicht einmal ein lustiger...
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Offline Gontscharow

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Die Geisterinsel ist zum Gähnen. Der Marschall zum Einschlafen.

Schließe mich uneingeschränkt Deiner Meinung an.

[...]das seltsame Gedicht über die Gallier in Rom schlicht Nonsense.

Und zwar horenaffiner Nonsense, denn Gries versucht in dem Gedicht im Sinne von Schillers Ästhetischer Erziehung einen Zusammenhang zwischen Anmut und Freiheit zu konstruieren. Erstaunlich, welch stümperhafter Gedankenlyrik Schiller in den Horen einen Platz einräumte - und das im sog. Balladenjahr, in dem sich Goethe und Schiller mit „Meisterwerken“ schier übertrumpften. Gries hat wohl später das Dichten aufgegeben und sich als  Übersetzer Ariosts und Tassos einen Namen gemacht. Ich zitiere wikipedia:

Sich selbst seines durchschnittlichen Talents für eigene Lyrik bewusst, wollte er „lieber gute Übersetzungen liefern als mittelmäßige Originale“. In der Übersetzung ging er ganz auf und lieferte den deutschen Lesern zum ersten Mal kunstfertige und originalgetreue Übersetzungen berühmter fremdsprachiger Texte, die noch heute maßgebend sind.

Offline sandhofer

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N° 10: Schiller scheint Wiedergutmachung leisten zu wollen - statt der bloss 3 Autoren der letzten Nummer nun gleich ein Dutzend. Hirts Aufsatz, mit dem die N° 10 beginnt, verspricht sogar einiges für diese Nummer. Immerhin ein ästhetischer Aufsatz, der Winckelmann und Lessing korrigieren will und ihre Gedanken zu Laokoon. Nichts Aufregendes, aber die Art von Futter, die die Horen eigentlich versprochen hatten.
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Offline Gontscharow

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N° 10: Schiller scheint Wiedergutmachung leisten zu wollen - statt der bloss 3 Autoren der letzten Nummer nun gleich ein Dutzend.

Ja, ich war auch erstaunt!

Hirts Aufsatz, mit dem die N° 10 beginnt, verspricht sogar einiges für diese Nummer. Immerhin ein ästhetischer Aufsatz, der Winckelmann und Lessing korrigieren will und ihre Gedanken zu Laokoon. Nichts Aufregendes, aber die Art von Futter, die die Horen eigentlich versprochen hatten.

Hirts Aufsatz scheint eine kleine Sensation gewesen zu sein! Die Abhandlung ist auf Goethes ausdrückliche Empfehlung hin ( vgl.Briefwechsel Goethe -Schiller) in den Horen erschienen. Und zwar wie vermutet wird aus "kunstpolitischen" Gründen, als Antwort auf kunstgeschichtliche Auffassungen der Frühromantiker. Näheres erfährt man im Goethezeitportal im Rahmen eines Artikels über Goethes Abhandlung Über Lao-koon.
 
Ehrlich gesagt finde ich diesen an Glaubensstreitigkeiten erinnernden Hickhack um die Frage, ob Laokoon nun aus Dezenz nicht schreit oder dazu einfach schon zu schwach ist, ein bisschen makaber.
Mir will scheinen, das von Hirt hervorgehobene „ Karakteristische" und die "Individuellheit" meint schlicht und einfach so etwas wie Realismus im Gegensatz zur idealisierenden Form der Darstellung. Friedrich Schlegel  machte sich dann ja auch über Hirts "anatomische" oder "chirurgische" Betrachtungsweise lustig. Ich finde, Hirt beobachtete richtig. Und er war vor Ort, kannte die Skulptur aus eigener Anschauung.

Offline sandhofer

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N° 10: Schiller scheint Wiedergutmachung leisten zu wollen - statt der bloss 3 Autoren der letzten Nummer nun gleich ein Dutzend.

Ja, ich war auch erstaunt!

Hirts Aufsatz, mit dem die N° 10 beginnt, verspricht sogar einiges für diese Nummer. Immerhin ein ästhetischer Aufsatz, der Winckelmann und Lessing korrigieren will und ihre Gedanken zu Laokoon. Nichts Aufregendes, aber die Art von Futter, die die Horen eigentlich versprochen hatten.

Hirts Aufsatz scheint eine kleine Sensation gewesen zu sein!

Der Rest allerdings - vielleicht mit Ausnahme von Hölderlins Gedicht (das für Hölderlin nichts Spezielles ist, aber für diese Horen-Nummer doch über dem Durchschnitt) - enttäuscht. Auch Schillers eigene Gedichte.

Hirts Aufsatz wurde übrigens auch von Vischer (der die ästhetischen Aufsätze der Horen sehr wohl kannte) totgeschwiegen. Was Hirt da so antönt, ist naturalistische Kunst - von der wollten die Weimarer und ihre Epigonen nichts wissen. Goethe war allerdings gern der, der ein wenig provozierte.
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Offline sandhofer

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Mit Hilfe Hölderlins den Eintrag im Blog aufgehübscht.
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Offline Gontscharow

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Kleiner Nachtrag zum 10. Stück: Ich hatte ja nur zu Hirts Beitrag meinen Senf dazugegeben, eine Grippe Ende Oktober/Anfang November hinderte mich daran, etwas zu den anderen Beiträgen zu posten. Ich schließe mich Deiner Meinung an, es sind ziemliche Nichtigkeiten. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt: Die Ballade Das Fest der Hertha ist der erste und einzige Beitrag  mit einer nordisch germanischen Kulisse. Bislang gab es in den Horen altgriechische, alttrömische, orientalische und eventuell noch Renaissance- Szenerien. Beim Recherchieren zu Hertha schwappten mir aus dem Netz Fussball-, Esoterik-, Occultismus, und Nazi-Contents entgegen. In der Ballade geht es  - wie mir scheint - nach dem Vorbild Iphigenies um Humanisierung und Zivilisierung barbarischer Praktiken…Zur Verfasserin der…Todtenköpfe  sei noch erwähnt, dass Elisa von Recke sich durch eine Schrift über Cagliostro, den sie bei seinem Aufenthalt in Livland persönlich kennenlernte,  einen Namen gemacht hatte.
Das mit der Zusammenfassung im blog hast Du wieder schön gemacht! Die zitierten Hölderlin’schen Eichbäume klingen dort viel schöner und würdiger als im Kontext der anderen Horen-Elaborate.

Nun zum eilften Stück: Ähnliche Ödnis wie in 10. Texte wie der von von Einsiedel (sein Libretto Die Geisterinsel durften wir uns schon zu Gemüte führen) machen mich wütend. Im Jahre 9 der Revolution hat der Kammerherr nichts besseres zu tun als eine kindliche Utopie von einem Kasten- Staat zu entwerfen.
Hier schicke ich eine Arbeit von Einsiedeln, die ich wegen Kürze der Zeit nicht habe lesen können; sie steht, wenn Sie solche brauchen können, für die Horen zu Diensten. Nach der gewöhnlichen Erscheinung der Widersprüche, die der Zufall so oft in den Gang des Lebens mischt, erscheinen jetzt grade am Ende noch voluminose Beiträge und Böttigers Aufsatz über die neufränkische Behandlung der Kunstwerke wird wohl gar erst nach dem seligen Hintritt unserer drei geliebten Nymphen eintreffen.
( Goethe an Schiller,  3.2.1798)
Ja, aber wir müssen das lesen!

Als ich mich in die C. von Wolzogen zugeschriebene Erzählung Donna Rosalva eingelesen hatte und einigermaßen gespannt war, ob nun der Ritter bei Rosalva werde landen können und was es mit dem Rückzug der Gräfin und dem Faktotum  Boccadore auf sich hat, und in der nächsten Folge nach der angekündigten Fortsetzung suchte, musste ich feststellen, dass es eine solche nicht gibt. Das kennen wir doch schon,@ Frau von Wolzogen!

« Last Edit: 30. November 2015, 17.29 Uhr by Gontscharow »

Offline sandhofer

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Ich möchte Einsiedel zu Gute halten, dass sein Deutsch bedeutend besser ist als das der beiden Wolzogen. Und dass die Geisterinsel von F. W. Gotter stammt, und nicht von ihm. Jedenfalls wenn mein Beibuch Recht hat.

Utopien haben irgendwie die Tendenz, rückwärts gerichtet zu sein, weiss der Himmel, warum...

Aber ich bin noch nicht fertig mit Lesen. Ein Auslandaufenthalt hat mich ein wenig gebremst.
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Offline Gontscharow

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Und dass die Geisterinsel von F. W. Gotter stammt, und nicht von ihm. 

Quote from:  google
Gotter, Friedrich Wilhelm, Libretti, Die Geisterinsel - Zeno.org
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Hildebrand von Einsiedel. Uraufführung am 06.07.1798, Königliches
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Einsiedel, Friedrich Hildebrand von, Libretto - Zeno.org
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Die Geisterinsel. Komponiert von Johann Friedrich Reichardt. Libretto in
Zusammenarbeit mit Johann Friedrich Wilhelm Gotter. Uraufführung am 06.07.
1798, ...

Offline sandhofer

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Na gut: von beiden.  :angel:
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Jedenfalls ist die zweitletzte Nummer nun auch im Blog darnieder gekommen...
« Last Edit: 05. Dezember 2015, 19.42 Uhr by sandhofer »
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