Tatsache ist: Goethe & Co. haben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen Alphabetisierungs- und Literarisierungsschub bewirkt - und das in einem Ausmaß, das Goethe mehr als 30 Jahre später gegenüber Eckermann stöhnen ließ über das Unheil, dass die poetische Kultur sich in Deutschland so sehr verbreitet hat, dass niemand mehr einen schlechten Vers macht (29. Januar 1826).
Literarisierungsschub - o.k., schön gesagt übrigens
. Aber Alphabetisierungs- Schub? Bewirkt durch Goethe &Co? Wirklich? Hast Du Anhaltspunkte? Kannst du Näheres darüber berichten? Interessiert mich.
Die treibenden Kräfte der Alphabetisierung in Kürze:
--> Der Buchdruck und die Evolution der Flugblatt-Publizistik (seit ca. 1500), später der Zeitungs- und Zeitschriften-Publizistik (seit ca. 1600);
--> Die Entstehung eines wohlhabenden Bürgertums, das Literatur und Theater als Konsumgut entdeckt; damit verbunden: die "Einführung" des bis ca. 1700 kaum bekannten individuellen Lesens im "stillen Kämmerlein";
--> Das Geschäftsmodell des Dichtergenies (prototypisch vorgeformt in Klopstock), aus dem sich der professionelle Star- und Bestsellerautor entwickeln konnte;
--> Die technologische Entwicklung des Zeitungsdrucks (Schnellpresse, ab ca. 1800).
All das übte (überwiegend ökonomisch motivierten) Druck auf das Bildungssystem aus - mit dem Effekt, dass Lesen und Schreiben allmählich zur Grundbildung gezählt wurden.
Mehr fällt mir auf die Schnelle nicht ein.