Die vorliegende kurze Erzählung geht allerdings nur indirekt darauf ein; dass Las Casas’ Einsatz für die Indios auch aus recht tiefgründigen philosophischen Erwägungen über das Wesen der Person entstanden ist, entgeht dem Autor, Johann Jacob Engel.
Könntest du das bitte erläutern? Welche tiefgründigen philosophischen Erwägungen über das Wesen der Person meinst du? Und inwiefern reichen schlichte Menschlichkeit bzw. christl. Mitmenschlichkeit, die Engel dem Las Casas ja attestiert, nicht aus, um dessen Einsatz für die Indios zu erklären? Ist mir entgangen, dass dem Autor etwas entgangen ist?
Kannst Du auf den Eintrag zu Kenny III im Blog warten?
Der Eintrag zu Kenny III ist da. Ich nehme an, das ist das die Antwort?
Selbst den Jesuiten Las Casas treffen wir an, der als einer der ersten die These formulierte, auch die ‘Wilden’ Amerikas seien Menschen mit unantastbaren Rechten, z.B. dem auf Besitz. (Die Conquistadoren sollten sich allerdings – ebenso wie die Staaten, in deren Namen sie raubten und sengten – nicht darum bekümmern.)
Erlaube, dass ich mich verarscht fühle. Erst signalisierst du, meinen Ausführungen zu Engel sei nichts hinzuzufügen, dann, einige Zeit und ein paar Themen später, kommt ein "April, April": Las Casas Einsatz für die Indios sei aus t
iefgründigen philosophischen Erwägungen über das Wesen der Person zu erklären, die Engel entgangen seien. Mal abgesehen davon, dass es bei Engel um eine andere Problematik geht, ihm ist gar nichts entgangen! Denn es geht Las Casas nicht darum zu beweisen, die
Wilden Amerikas seien
auch Menschen … Ihr Mensch-Sein steht für ihn, den Dominikaner (er ist nicht Jesuit), außer Frage! Vielmehr führt er den Beweis, dass die Conquistadoren und ihre Helfershelfer
Unmenschen sind. Er klagt sie des Raubes und Mordes an, prangert Ausplünderung und Völkermord an. Die
Wilden sind die landnehmenden Spanier. Sie werden als vertiert beschrieben, als wilde
Tiere, als Wölfe.
Las Casas erzählt von einem gepeinigten Indio-Fürsten, dem von einem Franziskaner die Sterbesakramente angeboten werden. Als er auf die Frage, ob auch Spanier in den Himmel kommen, eine positive Antwort erhält, verzichtet er dankend auf Erlösung und ewiges Leben.
Um zu erkennen und auszusprechen, dass der ausgerotteten Urbevölkerung Unrecht geschehen, dass die ganze Conquista ein himmelschreiendes Unrecht ist, musste Las Casas keine
tiefgründigen Erwägungen über das Wesen der Person bemühen, bedurfte es keiner neuzeitlichen Philosophie. Eher um das Unrecht zu rechtfertigen und zu bemänteln: neuzeitlich war die Hybris des Eroberers und Unternehmers, der Raubtier- Kolonialismus, die ungebremste Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, die Abhängigkeit der gekrönten Häupter von Handelshäusern und Banken, für die immer mehr Gold und Silber aus den offenen Adern Amerikas herbeigeschafft werden musste. Und neuzeitlich war wohl - um guten Gewissens so handeln zu können - die Frage, ob es sich bei den Wesen, denen man so etwas antut, überhaupt um Menschen handelt, von Juristen möglichst lange und gründlich erörtert.
Las Casas hat sich die Frage nie gestellt.