Die erste Erählung finde ich erstaunlich.
Wenn ich Dich recht verstehe: Von einem quasi feministischen Standpunkt aus erstaunlich, inhaltlich mit ihrer Geisterseherei dann eher weniger. Damit kann ich mich einverstanden erklären.
Mittlerweile in nächsten Teil der
Briefe:
Da meint Schiller zunächst, dass die Geschichte zeige, dass die Entwicklung der Kunst immer ein Zeichen der Degeneration des betreffenden Staatswesens sei, nur um praktisch im nächsten Satz diesen empirischen Satz ganz einfach beiseite zu wischen und zum grossen Salto Mortale in die Theorie anzusetzen. Nun wird ein Sachtrieb und ein Formtrieb postuliert. Im Grunde genommen fusst Schiller hier auf Descartes' "Ich denke, also bin ich", und sitzt wie jener der Grammatik, der Sprache auf, indem er ein unveränderliches Ich und ein stets formbares Anderes annimmt - das Subjekt und sein Verb. Von hier zu Fichtes
Wissenschaftslehre (die Schiller auch zitiert), ist es ja dann nicht mehr weit. Und wenn Schiller zunächst die Einzigartigkeit und absolute Gegensätzlichkeit der beiden Triebe (Sach und Form) postuliert, führt er dann einen oder zwei Briefe später doch einen vermittelnden Trieb ein: den Spieltrieb. Und schon haben wir - durch reines Jonglieren mit Wörtern - die Ästhetik als Mittel der Erziehung vorbereitet, die wir gerade noch geleugnet hatten.
Und wer jetzt sagt: Ja, aber da ist doch zwischendurch noch ein Aufsatz vom "Kunscht"-Meyer? Ist, ja. Aber was soll man dazu sagen? Soweit ich es überblicke, haben wir eine Zusammenfassung Winckelmanns vor uns. Ohne Zeichnungen, Kupfer, Fotografien bleibt Meyer un-fassbar. Es mag ja sogar sein, dass diese Art von Aufsatz dem durchschnittlichen Publikum der
Horen besser konvenierte als Schillers doch ziemlich abstrakte Ausführungen.