Band 1 [Kleinere metaphyische Schriften] der siebenbändigen Auswahl-Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. (Die mittlerweile leider auch schon wieder vergriffen ist. Die Logik von Port-Royal haben sie - was ja auch ok ist. Aber eine brauchbare Werkausgabe von Leibniz? Die lässt man ausgehen. Dabei führt die WBG mittlerweile eine elektronische Backlist, wo sie gewissen Titel als Book on Demand drucken können. Mein Aulus Gellius ist so eines.)
Der erste Text, in dem Leibniz seine prästabilierte Harmonie vorstellt, ist gleich in Band 1. Mir will scheinen, Leibniz hat mit seiner prästabilierten Harmonie gleich zwei Fliegen auf einen Schlag treffen wollen. Zum einen das Cartesische Problem der Interaktion zwischen Seele und Körper, die, wenn das zwei völlig verschiedene Entitäten sein sollen (dem würde Leibniz zustimmen), auf keine Weise bewiesen oder auch nur wahrscheinlich gemacht werden kann, und auf der andern Seite das der menschlichen Willensfreiheit vs. einer göttlichen Allmacht. Problem 1 wird gelöst, indem der liebe Gott die Welt so eingerichtet hat, dass Körper und Seele wundersam parallel funktionieren, ohne dass er einzugreifen brauchte (Leibniz braucht das Beispiel zweier perfekt synchronen Uhren). Problem 2 quasi durch ein Korollar, da der Mensch auf der Ebene der Seele völlig frei ist, auf der des Körpers aber dem sich physisch-mechanisch ausdrückenden göttlichen Willen unterworfen ist.