Habe jetzt das fünfte Buch beendet.
Das Vierte fand ich mühsam zu lesen, da es ein Durcheinander an Themen vor dem Leser ausbreitet, ein roter Faden nicht zu erkennen ist. Da ist von Ausschweifungen die Rede, dann aber dass Augustin in der Zeitspanne, die das vierte Buch beschreibt, monogam mit einer Frau zusammengelebt hat, von seiner Tätigkeit als Rhetoriklehrer, von Wahrsagerei, Astrologen, von Freundschaft, vom Tod eines Freundes, von der Trauer, von der Schönheit, von Aristoteles und seinen
Zehn Kategorien u.v.m.. Das Verbindende: dass alles schlecht, falsch, sündhaft war! Selbst Positives wie Freundschaft - denn es war keine Freundschaft
in Gott, Trauer über den toten Freund - denn sie war exessiv oder aber zu schnell vergessen, Schönheit - denn die Freude daran bezog sich nicht auf den, der sie geschaffen hat usw.
Augustin geht mir gerade gehörig auf den Zeiger; das ständige Anrufen Gottes und Bitten um Verzeihung für irgendwelche Kleinigkeiten, die er als riesige Todsünden stilisiert, ermüden.

Dieses Stilisieren und Schlimmer-machen-als-es ist hat, glaube ich, zu tun mit der Auffassung der göttlichen Gnade, die A. in den
Bekenntnissen entwickelt. Bei allen Irrwegen, die er beschreitet, meint er doch eine göttliche Lenkung wahrzunehmen und nach göttlichem Ratschluss zum Heil vorherbestimmt zu sein. Im zweiten Buch z. B findet sich, nachdem er wieder mal etwas besonders Verwerfliches aus seinem Leben zum besten gegeben hat, folgender schöner Satz:
Von ferne aber zog über mir deine treue Barmherzigkeit ihre Kreise. Et circumvolabat super me fidelis a longe misericardia tua. Die
Bekenntnisse sollen die Wirksamkeit der göttlichen Gnade an einem Sünder beispielhaft demonstrieren und da kann das Leben bis zur Errettung durch den Glauben gar nicht schwarz genug gemalt werden, denn um so heller scheint die Gnade. Deshalb auch solche seltsamen Sätze wie:
Ich will dir … zu deinem Lobe meine Schandtaten bekennen. Oder:
Lass es mir zuteil werden, in lebendiger Erinnerung noch einmal die hinter mir liegenden Umwege meiner Verirrung zu gehen und dir damit ein Opfer des Jubelgesangs darzubringen… (beides 4. Buch, 1.Kap.)
Da Augustin leider keinen umgebracht hat, muss er seine kleinen Verfehlungen aufbauschen zum Lobpreis Gottes, dessen Herrlichkeit in der Sündhaftigkeit des Menschen erst richtig zur Vollendung zu kommen scheint. Ich fürchte, wir müssen das als Leser der
Bekenntnisse bis zum Schluss in Kauf nehmen. Sie enden - hab ich gesehen - mit
Amen.

Das 5. Buch fand ich viel unterhaltsamer und informativer. Es geht darin noch mal um die Manichäer, ihren schludrigen Umgang mit den Naturwissenschaften, um Augustins Zusammentreffen mit dem Guru des Manichäismus, seine Enttäuschung und Abkehr von der Sekte. Außerdem geht er auf sein Verhältnis zur Philosophie ein .