Author Topic: Peter Sloterdijk - Du mußt dein Leben ändern  (Read 1845 times)

Offline Sir Thomas

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Peter Sloterdijk - Du mußt dein Leben ändern
« on: 16. Mai 2012, 15.28 Uhr »
Bislang habe ich immer einen Bogen gemacht um die Produkte des Dampfplauderers aus der philosophischen Garküche. Nun erhielt ich das o.g. Buch mit wärmster Empfehlung geschenkt, was für mich einem Lesezwang gleichkommt, zumal auch der Untertitel "Über Anthropotechnik" durchaus mein Interesse weckte.

Sloterdijk behauptet, Nietzsches Schriften hätten nach 1900 eine anthropotechnische Wende bewirkt (unter Anthropotechniken versteht er sämtliche "Exerzitien", deren der Mensch sich seit jeher bedient, um sich geistig-kulturell gegen Schicksalschläge und Bedrohungen zu "immunisieren"). An die Stelle geistig-religiöser Askesen seien im 20. Jahrhundert sportliche und mentale Strategien zur ständigen Selbstoptimierung und Selbstveredelung getreten. Sloterdijk nennt die moderne Welt deshalb eine Welt der Übenden, sich Verbessernden, Optimierenden und deklariert dieses Treiben zur conditio humana schlechthin.

Neben Nietzsche macht er Kafka, Cioran und Rilke zu Umwertern aller Werte. "Du mußt dein Leben ändern" ist übrigens der letzte Satz eines Rilke-Gedichts (Archäischer Torso Apollos; Neue Gedichte 1907/08). Am überzeugendsten fand ich die Ausführungen über Nietzsche und dessen Antike-Besessenheit. Sloterdijks gar nicht mal uninteressante These: Seit Nietzsche wissen wir, dass die Antike niemals tot war, auch nicht diverser Renaissancen bedurfte, um als quasi überzeitliche Folie des frühen Menschheitsideals weiterzuleben.

Ich habe mittlerweile 130 von über 700 Seiten gelesen. Mehr werde ich mir zunächst einmal nicht antun. Hat noch jemand Erfahrungen mit diesem Buch gemacht?   

LG

Tom

Offline orzifar

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Re: Peter Sloterdijk - Du mußt dein Leben ändern
« Reply #1 on: 17. Mai 2012, 15.34 Uhr »
Hallo!

Ich kenne Solterdijk nur in Auszügen, die "Kritik der zyn. Vernunft" blieb großteils ungelesen, auch mit seinen anderen Texten konnte ich zumeist so gar nichts anfangen. Er pflegt teilweise diesen bombastischen Stil, der hinter viel Wortgeklingel so manche Seichtigkeit zu verbergen sucht. Bzw.: Er schreibt so, wie er in den diversen Talkshows spricht: Nach viel Räuspern, Halb- und Viertelsätzen, erneutem Beginnen und wieder Abbrechen bleibt der Hörer verständnislos zurück: Man vernahm bloß Geräusche, die eine entfernte Ähnlichkeit mit Sprache hatten.

Parturient montes, nascetur ridiculus mus. Auf den fülligen Sloterdijk scheint das in jeder Hinsicht zu passen.

lg

orzifar
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