Author Topic: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.  (Read 18195 times)

Offline orzifar

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Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« on: 22. April 2012, 20.16 Uhr »
Hallo!

Habe nun den King begonnen. Über die fast skurrile Verbindung zu Lovecraft (der ja auslösendes Moment für diese Lektüre war) habe ich schon geschrieben. Noch ein Satz des Vorwortes fiel mir auf: Dass King sich von der Realität meint deshalb distanzieren zu müssen, weil diese so prosaisch, langweilig, uninteressant sei. Hier muss man natürlich widersprechen: Dass ist eine Verkennung der Realität, die - ganz im Gegenteil - sehr viel abwechslungsreicher zu sein pflegt denn alle Mythen und Märchen zusammen. Und was denn eine solche phantastische Literatur betrifft: Sie bezieht all ihre Ideen immer nur aus der Realität, aus der meist wenig kreativen Kombination von realistischen Versatzstücken. H. Boschs Figuren sind nicht annähernd so kreativ wie die tatsächlich existierenden Lebewesen in all ihren Facetten, seine Fabelwesen sind im Vergleich mit dieser Wirklichkeit äußerst einfallslos (wie viel phantastischer sind Schnabeltier und Känguruh als die dargestellen Mensch-Tierwesen).

Die erste Geschichte eine Geschichte der Rache. Was aber sofort auffällt (und bei mir immer Kritik hervorruft) ist die schablonenhafte Darstellung der Charaktere. Dieser Grundschullehrer entspricht in all seinen Charakterzügen jenen Vorstellungen, mit denen ein solcher üblicherweise bedacht wird. Unsportlich, unscheinbar, durchschnittlich, oft ausgelacht wird hier der Rachefeldzug des typischen Verlierers dargestellt, mit dem sich der Normalbürger ganz wunderbar identifizieren kann. Dass es gegen Ende der Geschichte Überraschungen geben wird (d. h., dass diese Rache noch eine ganz spezielle Note bekommt) liegt auch schon jetzt auf der Hand (nach wenigen gelesenen Seiten), es wäre höchst überraschend, wenn es diese Überraschung nicht gäbe (die etwa darin bestehen könnte, dass sich der Grund für die Verfolgung des vermeintlichen Verbrechers als falsch herausstellt). Diese Berechenbarkeit, noch viel mehr aber die simplifizierende Beschreibung von Menschen (vielmehr Menschtypen) ist das, was mich bei solchen Büchern langweilt.

lg

orzifar
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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #1 on: 23. April 2012, 17.03 Uhr »
Hallo!

Die erste Geschichte gelesen und - sie war noch weniger überraschend als erwartet. Und so geht es mir bisher wie bei vielen Horror- oder Kriminalgeschichten: Das konstituierende Element, das der Spannung, kann ich so gar nicht nachvollziehen, weil die Überraschungen (wenn den überhaupt) so kalkulierbar ausfallen. Ich habe im Anschluss einige Seiten im Camus gelesen und fand den Mythos von Sisyphos sehr viel packender (wenn auch nur teilweise aus inhaltlicher Sicht, aber darüber anderswo). Ich bin schon neugierig, wie es dir, mombour, mit den Erzählungen gehen wird. 

lg

orzifar
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Offline mombour

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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #2 on: 23. April 2012, 17.51 Uhr »
Hallo!

Die erste Geschichte gelesen und - sie war noch weniger überraschend als erwartet. Und so geht es mir bisher wie bei vielen Horror- oder Kriminalgeschichten

Horrorfilme sind ja auch recht langweilig, weil sie oft nach einem gewissen Schema F ablaufen. "Halloween" von John Carpenter geht ja noch, oder "Die Fliege" von Cronenberg, der alte Schwarzweißfilm "Nosferatu" ist auch gut. Bei Dracula schmunzele ich nur und finde das nicht grausig. Da meine Nichte nächsten Sonntag konfirmiert wird, schreibe ich für sie eine Horrorgeschichte (die jungen Mädels lesen ja so was, wenn sie nicht gerade im Fantasy versackt sind). Dem orzifar würden sich die Haare sträuben, wenn er mein Gezeile liest.  ;D
Es liegt jetzt nur an der Post, wann der King eintrudelt.
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Offline mombour

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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #3 on: 24. April 2012, 13.28 Uhr »
: Dass King sich von der Realität meint deshalb distanzieren zu müssen, weil diese so prosaisch, langweilig, uninteressant sei. Hier muss man natürlich widersprechen: Dass ist eine Verkennung der Realität, die - ganz im Gegenteil - sehr viel abwechslungsreicher zu sein pflegt denn alle Mythen und Märchen zusammen.

An dieser Stelle kann ich King auch nicht folgen. Es würde die Horrorliteratur enorm aufwerten, wenn sie sich auch auf die Realität beziehen würde, auf Gesellschaftskritik usw. Ich fände es gestochen langweilig, wenn Horrorliteratur sich nur im abstrusen Horrorfantasien verliert. Mal sehen, ich lese jetzt die erste Story.
Thomas Hardy: Herzen in Aufruhr
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Offline mombour

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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #4 on: 25. April 2012, 13.12 Uhr »
Hallo orzifar,

"Dolans Cadillac"

Tja, nun. Die Geschichte ist voraussehbar. Man braucht einen Rachegrund und eine spektakuläre Art und Weise des Mordens, schon hat man eine Horrorstory. Das Motiv hat King vielleicht von Edgar Allan Poe, bei Poe also auch ein verhasster Mensch beseitigt wird - eingemauert in einem Weinkeller. Ob bei Poe das Ende voraussehbar war, weiß ich nicht mehr, müsste ich nachlesen, aber Poes Art zu schreiben wird von Stephen King nicht ännähernd erreicht. King hätte zum Schluss seinen Protagonisten bissiger und zynischer und viel abartig gemeiner darstellen müssen, dann wäre aus der Geschichte noch etwas geworden. Das Ende des Verhassten ist überhaupt nicht gruselig geschrieben, dagegen doch Poe sehr viel mehr Saft für das Grausen entfaltet hat. In dieser Story fehlt einfach der Biss. Ohne diesen Biss wirkt sie recht lahm.

"Das Ende des ganzen Schlamassels"

Diese Geschichte hat mir gefallen. Es geht um einen Weltverbesserer, der den ganzen Schlamassel in der Welt, Krieg, Gewalt usw. beenden lassen will und hat in Südamerika ein besonderes Wasser entdeckt, was Menschen friedlicher macht. Übrigens ist dieser Bobby ein Frühbegabter auch noch. Die story ist sehr skuril und darum gefällt sie mir. King hatte hier einen verrückten Einfall. Bobby hat die Wirkung des Wassers an Wespen und Bienen ausprobiert und ist besessen, eine friedliche Welt zu schaffen. Doch leider hat die Sache einen Haken.  Hier darf, wie in anderen Geschichten nur grob verraten werden, worum es geht. Die Story ist einfach zu gut, um sie hier weiter zu enthüllen. :)

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 25. April 2012, 18.11 Uhr by mombour »
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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #5 on: 25. April 2012, 19.15 Uhr »

Hallo,

ja, erinnert stark an Poe (ich glaube, es war das "Fass Amontillado"). Und es besteht ein wichtiger Unterschied: Ob man nämlich der erste ist, der ein bestimmtes Motiv benutzt oder aber den xten Aufguss davon fabriziert. Ich glaube, dass ich recht langsam lesen werde, bisher verlangt mich nicht eben nach mehr (aber ich habe die Hoffnung, dass die Geschichten besser werden).

Meine Hauptkritik richtet sich aber nach wie vor auf die einfach gestrickten Personen: Das Spannungsmoment ist nur ein Akzidens, die Stimmigkeit der Situation inklusive der Protagonisten scheint mir wichtiger. Ein wenig kurios, weil King im Vorwort die Realität der Langeweile bezichtigt: Seine Figuren sind sehr viel langweiliger als es die wirklichen Menschen je sein könnten.

lg

orzifar

p. s.: So nebenbei: Hast du, mombour, den Heidegger aufgegeben? Ich wollte dir - Gesamtlektüre von "Sein und Zeit" vorausgesetzt - schon den großen Masochistenorden am Band mit Eichenlaub verleihen.
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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #6 on: 25. April 2012, 22.46 Uhr »

p. s.: So nebenbei: Hast du, mombour, den Heidegger aufgegeben? Ich wollte dir - Gesamtlektüre von "Sein und Zeit" vorausgesetzt - schon den großen Masochistenorden am Band mit Eichenlaub verleihen.

Was Heigegger da schreibt, ist schon sehr interessant und an sich wert, das zu studieren. Bloß, da gebe ich dir recht, ich habe mich masochistisch maßlos geschunden wegen der Ungenießbarkeit seiner Art zu Schreiben Fast die Hälfte habe ich geschafft, dann habe ich irgendwie den Faden verloren und wollte mich nicht mehr quälen (allerdings, bei anderen Philosophien könnte mir das auch passieren). Den Nietzsche mag ich, weil ich den lesen kann.
« Last Edit: 26. April 2012, 05.37 Uhr by mombour »
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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #7 on: 27. April 2012, 16.42 Uhr »
Ich lese weiter, weil ich so schön drin bin.

Es folgen zwei Geschichten, durch die man sich durchhangeln muss. Schüler rächen sich an einer Lehrerin, ein Vampir, der mit einem Flugzeug fliegen kann, der Vampir auf verschiedenen Flufhäfen ein Blutbad anrichtet. Die beiden Stories sind gute Beispiele dafür, wie hohl Horrorliteratur sein kann, und es ist schade, dass man bei Stephen King auch solch unwürdige Texte findet. Dierser Vampir - niemand weiß, warum der überhaupt mordet, warum die Geschichte in einem Blutbad endet. Vor allem, warum eigentlich auf einem Flughafen? Diese Abschlachterei hätte genauso auf einer Ötztaler Alpenhütte oder auf den Malediven stattfinden können. Völlig sinnlos das ganze. Das einzige, was vielleicht etwas Sinn macht, ist, dass ein Reporter sensationelle Fotos für seine Zeitung schießen möchte, der Vampir aber fordert, er solle den Film aus der Kamera nehmen. Soll das dann eine Geschichte gegen Sensationslüsternheit eines billigen Blattes ( in Deutschland waäre es die BILD) werden? Na, ja, ich fand es zu schwach. Das eine, was man King hier noch zu gute halten mag, er kann sehr gut detailliert schildern, aber trotzdem, die Geschichte hat zu wenig Sinn. Warum sich monsterhafte Schüler an einer Lehrerin rächen, sodass sie verrückt wird, ist auch so eine seltsam flache Horrorgeschichte Kategorie Sinnlosigkeit.

Popsy

hat man diese beiden Stories endlich bewerkstelligt, wird man, so meine ich, doch wieder belohnt mit einer kürzeren wunderbaren Geschichte einer Kindesentführung. Das interessante an dieser Geschichte, der Leser erfährt nicht, was das Kind letzten Endes zu erwarten hat. Er muss den Jungen an einem großeren Bösewicht abgeben, bei dem der kleine Bösewicht, der Sheridan heißt, der das Kind vor einem Supermarkt aufgabelt, Schulden hat. Der Schluss der Story ist absulut überraschend und unvorhersehbar.  Das ist auch ein Grund, warum sie mir gefallen hat.

Wenn ich so manchen Rezensionen im Internet Glauben schenken darf, ist dieser Erzählband nicht Kings bester Band. Es scheint also noch viel schönere Geschichten zu geben.

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 27. April 2012, 16.50 Uhr by mombour »
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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #8 on: 27. April 2012, 18.57 Uhr »
Ich lese weiter, weil ich so schön drin bin.

Hm, ich komm nicht rein ;). Aber ich werde natürlich trotzdem brav weiterlesen. Allerdings hat mir Steinbecks Ölsardinenstraße zwischendurch gutgetan. Und nun Lovecraft nebenher, der denn als unbewegter Beweger dieses Threads angesehen werden kann.

lg

orzifar
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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #9 on: 30. April 2012, 15.38 Uhr »

Hallo!

So, zwei weitere Geschichten gelesen. Ich fand beide nicht wirklich prickelnd, weder den Welterlöser (Waco liegt im übrigen in Texas und gehört m. W. zu den waffenreichsten und gewalttätigsten Orten, nicht ganz zufällig von King gewählt) noch die psychisch überforderte Lehrerin mit Hang zur Massenmörderin. Störend: Sowohl der hochbegabte Junge als auch die alternde Jungfer sind lebende Klischees - und hier scheidet sich eben der Spreu vom Weizen. Da ich gerade parallel Lovecraft lese, wird mir drastisch der Unterschied zwischen gutem und schlechten Horror vor Augen geführt: Lovecraft erzählt seine Geschichten, bettet sie ein in einen größeren Zusammenhang, beschreibt plastische, faszinierende Figuren, während man bei King bloße Abziehbilder erhält.

Was die Meinung anderer zu Kings Buch betrifft bin ich besonders skeptisch (bzw. gehe von der Annahme aus, dass diese für mich weitgehend belanglos ist): Da ich mit Sicherheit auf gänzlich andere Dinge achte den der übliche King-Leser. Während mir z. B. die Idee zu "Todesmarsch" sehr gut gefallen hat, ist sie in der Kritik der Leser z. T. einem seltsamen Realismus zum Opfer gefallen (der falsch und dumm ist). Insofern ist das Urteil "mittelmäßig" für mich wenig aussagekräftig (wobei ich auch schon Begeisterndes über das Buch gelesen habe). Für mich fehlt ganz einfach das Überraschungsmoment, die sorgfältige Ausgestaltung: Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).

lg

orzifar
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Offline sandhofer

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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #10 on: 30. April 2012, 17.50 Uhr »
Hallo

Wenn ich kurz darf:

Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).

Mit dem Fall Charles Dexter Ward liest Du wohl auch seinen besten Text.  :hi:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline mombour

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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #11 on: 30. April 2012, 20.48 Uhr »
Hallo,

Lovecraft ist gut, klar, allerdings wiederholen sich die Motive zu sehr.

Klapperzähne

Hogan ist unterwegs mit seinem Auto und will nach Hause fahren. Er macht einen Stop in Scooter's Lebensmittelladen & Zoo. Hierg ibt es alle möglichen Kleinigkeiten und Scherzartikel zu kaufen. Es ist sehr schön wie Stephen King die Atmosphäre dieses Landes zu Herumgruschen eingefangen hat. Schon der erste Satz ist fantastisch:

Quote from: King
Als er in den Schaukasten sah, war ihm zumute, als sähe er durch eine schmutzige Glasscheibe ins mittlere Drittel seiner Kindheit, die Jahre zwischen sieben und vierzehn, als ihn solche Sachen fasziniert hatten.

Hogan kauft Klapperzähne. Das sind Zähne, die man aufziehen kann und dann beißen sie. Er will es seinem Sohn schenken, obwohl dieses Spielzeug nicht mehr richtig funktioniert. Er fährt weiter, trotz bedenken nimmt er einen Jungen, einen Anhalter mit. Mit Anhaltern hat er schon schlechte Erfahrungen gemacht, er saß auch schon in einem Flugzeug, welches abgestürzt ist. Dieser Junge bringt Hogan wieder in Gefahr auf Leben und Tod. Eine sehr gute Story. Wunderbar. Stephen King kann erzählen, wenn er mag.

Die Story „Es wächst einem über den Kopf“ beginnt mit einer herrrlichen Beschreibung des Herbstes in Neuengland und fängt dann wiede die Atmosphäre eines Ladens ein, in dem sich Männer unterhalten.

Stephen King hat ohne Zweifel erzählerisches Talent, und es wurde mal Zeit, dass er in dieses Forum gelandet ist. Die fahrlässige Unterschätzung, ach, ist ja bloß Horrorliteratur, ist eben eine grobfahrlässige Unterschätzung gewesen, der ich erlegen war.

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 30. April 2012, 20.53 Uhr by mombour »
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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #12 on: 30. April 2012, 21.30 Uhr »
Hallo Horrorleser!

Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).

Mit dem Fall Charles Dexter Ward liest Du wohl auch seinen besten Text.  :hi:

Schade, ich dachte, ich könnte mich noch auf einiges in dieser Art freuen.

Lovecraft ist gut, klar, allerdings wiederholen sich die Motive zu sehr.

Kann ich nicht beurteilen, da dies mein erster Lovecraft ist. Der aber steckt den King ganz locker in die Tasche - in jeder Hinsicht.

lg

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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #13 on: 01. Mai 2012, 06.42 Uhr »
Hallo!

Weshalb ich Lovecraft mit Sicherheit vorher auslesen werde (der macht das schon richtig gut).

Mit dem Fall Charles Dexter Ward liest Du wohl auch seinen besten Text.  :hi:

Schade, ich dachte, ich könnte mich noch auf einiges in dieser Art freuen.

Nun ja, in der Länge hat Lovecraft ja eh praktisch nichts geschrieben. Es gibt schon noch ein paar gute Texte von ihm: The Dream-Quest of Unknown Kadath / The Rats in the Walls / Pickman's Model / The Colour out of Space / The Dunwich Horror / The Shadow over Innsmouth / The Thing on the Doorstep gehören meiner Meinung nach zu den besten. Aber viele sind halt so kurz, dass er kaum dazu kommt, Charaktere zu entwickeln, sondern "nur" Situationen.  :hi:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

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Re: Stephen King: Alpträume. Nightmares and Dreamscapes.
« Reply #14 on: 04. Mai 2012, 15.42 Uhr »

Hallo!

Nun also zwei Vampirgeschichten, die richtig schlecht sind. @mombour: Was war das Überraschende an Popsy? Der kleine Vampirjunge wird von seinem Vampirgroßpapa befreit - was nun wirklich nicht überraschend war, und wenn die Vampirfamilie nicht gestorben ist, so trinkt sie heute noch. Also die Geschichte fand ich richtig übel und einfallslos, ebenso die vorhergehende, in der einfach nur Köpfe abgerissen werden und haufenweise Leichen herumliegen. Wenn ich bei den manchmal erfundenen Gutenachtgeschichten für meinen Kleinen nicht kreativer wäre, müsste ich mit entschiedenem Protest rechnen.

Gerade diese beiden Geschichten (die für mich schlechtesten) sind jene Art von Horror, die mir einzig Gähnen entlocken (vielleicht also doch Einschlafgeschichten). Vorhersehbares Gemetzel, einige drastische Schilderungen, viel Blut. Kein Einfall, keine Handlung im Hintergrund, einfach nur reißerisch. Für mich so spannend wie die Teletubbies.

lg

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