Ich denke, ich kann ja nur ganz vage vermuten, so rein aus dem Netz und Lektüre, dass mombour auf der Suche ist. Die große Suche nach dem Sinn, den Zweck des Lebens, das Wohin und Wofür. Ferner denke ich, dass der, der sich auf der Suche begibt, auf keinem Fall -
Einen Weg für mich habe ich gefunden, den ich schreite bis zum Sterbebett

, wobei es hier natürlich nicht um mich geht und wir leicht in off-topic-Bereiche rutschen, was bei diesem (bewegendem

)aber verständlich ist. Ich sage nur, dass ich, was orzifar über die Kirche sagt, auch meine Meinung ist und ich mich nicht um Diskussionen um Moral und Gott bemühen kann, desweiteren ich vieles in der (bes.) katholischen Kirche für unchristlich halte, mich deswegen diese Organisation nicht interessiert. Die Kirche ist ein Spielball im Kapitalismus und, jawohl, es geht ihr um Macht, was auch m.M. n. den Sinn des Christentums verfehlt. Nun, bevor wie hier in fahrige Diskussionen verfallen und keinen Ausgang mehr finden, wende ich mich mich weiter dem Buch zu, das zu besprechen gilt.
Das Buch hat drei Hauptteile:
I. Der Mythos
II. Der Ritus
III. Das Geheimnis als HoffnungDiese drei Hauptteile gliedern sich jeweils in zwei Unterteile auf, die einen Blick auf den europäisch-christlichen Raum werfen und dann den hinduistisch-buddhistischen Raum beleuchten. Im ersten Teil "Der Mythos" auch ein Blick auf China geworfen wird.
I. DER MYTHOSAnhand vom Mythos wird versucht einen Blick auf die Menschliche Erfahrung der Zeitlichkeit zu gewinnen. Es stellt sich nicht nur die Frage der Zeit an sich, sondern woher kommt die Zeit. Die Frage nach dem Ursprung der Zeit. Unser Bewusstsein agiert in der Zeit, sagt von Brück, es richtet sich aber auch nach einem Horizont aus, der jenseits der Zeit liegt, diesen Bereich Menschen als Transzendenz bezeichnen, oder als eine metaphysische Dimension. Ich habe die vage Vermutung, Zeit wird durch unser eigenes Bewusstsein geschaffen, in der mystischen Erfahrung von Transzendenz, gleichzeitig mit dem Überschreiten des eigenen Egos auch die Zeitlichkeit überschritten werden kann.
Jetzt aber erst einmal ein Gedicht aus
Rainer Maria Rilkes Stundenbuch, welches im Buch zitiert wird:
Wer seines Lebens viele WidersinneWer seines Lebens viele Widersinne
versöhnt und dankbar in ein Sinnbild fasst,
der drängt
die Lärmenden aus dem Palast,
wird anders festlich, und du bist der Gast,
den er an sanften Abenden empfängt.
Du bist der Zweite seiner Einsamkeit,
die ruhige Mitte seinen Monologen;
und jeder Kreis, um dich gezogen,
spannt ihm den Zirkel aus der Zeit. Der Mensch im chaotischen Betrieb des Lebens, Ängsten, Leid, und Stress, eben dem Widersinn des Lebens ausgesetzt, fasst dankbar ein versöhnendes Sinnbild, vielleicht Gott, in seinen Geist und erfährt seinen inneren ruhenden Wesenskern, hier als Metapher gesetzt, durch einen sanften Abend. So kommt der Mensch zu seiner ruhigen Mitte. Die Angst vor dem Tod entflieht und wir wachsen aus dem Kontinium von Zeit und Raum heraus.
In der Ekstase z.B. wird die Einheit der Gegensätze als Einheit in der Vielfalt konkret erfahren, und dies betrifft auch die Differenzierung in Vergangenes und Zukünftiges, die in der Ekstase als Gleichzeitigkeit des Jetzt erscheint, wie es bei den Mystikern heißt.
Aufgrund dessen, dass es verschiedene Bewusstseinszustände gibt, Wachzustand, Traum Tiefschlaf, Ekstase, sagt William James (1842-1910), es sei zumindest problematisch den normalen Wachzustand des Menschen als Maß aller Dinge zu erheben.
Nun ein Blick auf Mythen in Bezug auf Lebenszeit, TodKronos, der Gott der Zeit, verschlingt seine Kinder (abgesehen von Zeus) und speit sie wieder auf. Er frisst ihre Lebenszeit, und gibt ihnen das Leben wieder zurück.
Orpheus kann seine verstorbene Eurydike mit Hilfe seiner schönen Musik aus dem Totenreich zurückholen. Aber, indem sich Orpheus umdreht und Eurydike erblickt, hat er das Vertrauen auf die natürliche Ordnung, die seine Musik symbolisiert, verloren, und Eurydike muss zurück in die Häuser des Hades.
Dionysos verkörpert das Mysterium von Tod und Todesüberwindung. Dionysos ist ein Halbgott, seine Mutter, die sterbliche Semele, der Vater ist der unsterbliche Zeus. Durch diese Figuration wird das Thema von Zeitlichkeit und Unsterblichkeit thematisiert. Semele die sich betrogen fühlte, weil Zeus sie Menschengestalt verführte, wollte auf eifersüchtigen Rat der Hera, in das wahre Antlitz des Gottes schauen, sie deswegen im göttlichen Lichtblitz verbrannte und Zeus den Embryo Dionysos in seinen Schenkel einnähte, um ihn austragen zu können.
Von Brück über Dionysos:
„Er ist ein All-Gott, der den Zusammenfall der Gegensätze darstellt und doch gleichzeitig Vernichtung herbeiführen kann. Rausch und Ekstase, das Zerstören der Ordnung von Raum und Zeit, sind sein Heilswerk – wer ihn verehrt, erlebt Befreiung von der Vergänglichkeit, eine Entgrenzung des Ich und seiner Zeitempfindung, die Aufhebung der Grenzen zwischen Mensch und Natur, ein erleben universalen Einsseins, das in der heiligen Kommunion des Opfertieres gipfelt, das die Mänaden auf dem Höhepunkt der Ekstase blutig verzehren. Das Opfertier aber ist Gott selbst...“Das erinnert an die Heilige Kommunion der Katholiken, bzw. Abendmahl, wo der Leib und das Blut Christi verzehrt wird. Wahrlich, die Kirche ist heidnisch.

Um Dionysos entsteht eine frühgriechische Theologie, in der Pentheus, der Gegenspieler dionysischer Mysterien,
„die Welt entsühnt, die aus der Einheit gefallen ist und Mensch und Natur getrennt hat.“ und mit Dionysos
„ein Durchgang durch den Tod zu einer Auferstehung mit Dionysos, dem neuen Menschen, dem Gott-Menschen“ zelebriert wird (vgl. „Die Bakchen“ des Euripides).
Demeter verkörpert den Rhythmus der Natur des Werdens und Vergehens. Göttin der Fruchtbarkeit, des Getreides , der Saat. Hades entführt ihre Tochter Persephone, Demeter daraufhin aus Trauer kein Korn wachsen lässt. Zeus verlangt, Hades müsse für zwei Drittel des Jahres Persephone freigeben. Dieser Mythos begründet den Lauf der Jahreszeiten und die Kulturerfindung des Ackerbaus. Es kann nur in gewissen Zeitzyklen, wenn Hades Persephone freigibt, geerntet und gesät werden, zu anderer Zeit, wenn Persephone beim Hades weilt, ist die Erde unfruchtbar. Leben und Tod. Im bekannten
Psalm 104 wird Gottes Schöpfung gepriesen, darin Gott Leben schenken aber auch Leben nehmen kann.
„nimmst du weg ihren Odem
so vergehen sie
und werden wieder Staub.
Du sendest aus deinen Odem
so werden sie geschaffen,..“ (Psalm 104, 29,30)
Es ist immer ein Werden und Vergehen. Der Tod als Voraussetzung für neues Leben.
Im
Psalm 90 wird festgestellt, dass Gottes Zeit eine andere Zeit ist, als die des Menschen. Von Brück spricht von einem anderen Zeitmaß. Ich vermute aber hier eine Zeitlosigkeit, denn der HERR ist
„von Ewigkeit zu Ewigkeit“, das bedeutet für mich, er ist zeitlos. Ewigkeit ist so gewaltig, dass wir sie mit unserem Verstand niemals erfassen können. Im Psalm 90 heißt es auch, Tausend Jahre seien für Gott das, was für den Menschen ein Tag ist. Ich vermute, dass Tausend eben eine so große Zahl ist, dass sie hier für eine Zeitlosigkeit steht.
Schließlich gelangen wir zum Christentum. Paulus sagt der Tod sei ein Sold der Sünde(Röm.6,23), aber wer an Jesus glaubt, wird des ewigen Lebens teilhaftig. Aber wie sieht das ewige Leben aus? Zur Zeit von Jesu, so von Brück, habe sich bei den Juden eine „Hoffnung auf eine Auferstehung der Toten etabliert“ und Christus habe eine neue Weltzeit eingeleitet. Die christliche Taufe
„wird von Paulus als Mit-Sterben mit Christus interpretiert, wobei der alte Mensch (Adam) ertränkt und ein neuer, eben Christus, in jedem Menschen geboren wird" (Röm.6), wobei der Leib der Auferstehung ein anderer ist, als der somatische Körper. Da musste ich erst Michael von Brück lesen, um auf solch eine Stelle aufmerksam gemacht zu werden.
„Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.“ (1. Korinther, 15,44 und man lese auch ff).
Die Auferstehung im Christentum wirft für mich einige Fragen auf. Es wird immer gesagt, und wir können es nachlesen, Jesus sei auferstanden. Ja gut. Aber bei den Evangelisten ist der somatische Körper auferstanden, denn Jesu Grab war leer und Zeitzeugen wie Maria Magdalena und einige Jünger sollen Jesu dann ja noch gesehen haben, bevor er in den Himmel gefahren ist. Ein geistlichen, oder himmlischen Körper können wir doch mit unseren physischen Augen nicht wahrnehmen. Allerdings ist Jesu plötzlich in einem geschlossenen Raum erschienen, in dem sich Jünger befanden (ein pysischer Leibt durch eine Wand geht nicht). Ok. Wunder über Wunder. Diese Sache können wir nicht klären, sie sei nur angesprochen.
Zwei Phänomene haben die frühchristliche Entwicklung geprägt:
1) Die Endzeiterwartung und die Wiederkehr Christi bestehe unmittelbar bevor.
2) Erwartung einer 1000 jährigen Zwischenzeit vor dem jenseitigen Gericht, in der die Gottesherrschaft eingerichtet wird.
Liebe Grüße
mombour