Das mit dem Strick stimmt absolut. Wenn einem alles sinnlos ist, kann einem genausogut alles sinnvoll sein. Es kann in jede Richtung kippen. Wenn man genug verzweifelt ist, lacht man ja eigentlich mehr vor Verzweiflung als dass man weinen würde. Und aus der (überwundenen) Depression kann auch eine grosse Kraft kommen, die sonst unmöglich wäre.
Ich glaube, der Ausgang des Ödipuskonflikts bei Zorn war so, dass er sich sagte, ich gebe auf. Dieser Konflikt kann eh keinen guten Ausgang nehmen für das Kind, wenn die Eltern den Ödipuskonflikt ernster nehmen als es selbst...
Es gibt Männer, die ihre Frau und ihren Sohn (unbewusst) zu Mollusken werden lassen. Die "Lächerlichkeit", die Zorn erwähnt, ist ein Schlüssel zum Verständnis davon: Zorns Familie war wohl wirklich lächerlich, im weitesten Sinn, wie ich und meine Familie. Ich erinnere mich daran, wie mal in ein Lager meine Eltern mit meinem Grossvater auf Besuch kamen (generell keine gescheite Idee..) und dann haben die anderen Kinder irgendwie über sie gelacht. Aber Vielleicht nicht absolut lächerlich, sondern nur in dem Zusammenhang, alle anderen waren ganz anders sozialisiert, Schlüsselkinder mit Migrationshintergrund. Und meine Eltern bringen auch noch Schoggistängeli für alle vorbei, für die Klasse, wo drei Viertel mich schmähen.
Zorn scheint mir ausserdem auch eher eine kleine Verwandtschaft gehabt zu haben, was weiter zur Isolation und zum Um-Sich-Selbst-Drehen der Kleinfamilie führte, ein Komplexherd. Ich hatte gerademal 2 Cousins väterlicherseits (wovon einer adoptiert), während z.B. die Italos zahlreiche Cousins und Cousinen hier in der Schweiz hatten.
Wenn der Vater lächerlich ist (Sonderschuljahre als Kind, Harthörig ohne ein Hörgerät kaufen zu wollen, Wortfindungsstörungen), dann verdrängt das die Familie, denn er ist ja immerhin der Vater und man mag ihn ja.
Der Vater kann trotz der tieferen Schwächen und auch ohne besonders Aussehen ein rätselhaft attraktiver Mann à la Dick Laurent aus "Lost Highway" sein, solche Männer wie wandelnde Penisse, die bis auf die Knochen obszön sind (unterschwellig), sodass ihnen die Frauen zufliegen (ein Penis so gross, dass man nicht sieht, dass es einer ist. Cola kann haushohe Plakate kleben und niemanden störts, während der neueröffnete Coiffeursalon fast niedergebrannt wird, weil er paar Wurfzettel verteilt.) Jedenfalls wird um so einen Mann herum alles andere weiblich... Und der Sohn will nicht glänzen und nimmt sich körperlich und geistig zurück, will den Vater nicht übertrumpfen (Darum die Kunst als Ausflucht, weil es in der Kunst keine Konkurrenz gibt, alles ist einzigartig und "man kann es nicht vergleichen"). Trotzdem wird auf eine Art der Vater bald zum Sohn, und der unterdrückte Sohn zum Vater, weil er (ein Leichtes) geistig bald reifer ist. Noch bisschen verbale Gewalt, und voilà, das labile Kind hat die schönsten Komplexe. Die sind so mannigfach, dass es mir wirklich vorkommt, wie Zorn sagt: Zurückschlagen eines Vorhangs, und dahinter ist ein weiterer Vorhang, hinter dem noch mehr Schrecken ist usw. Man muss aber das Gute sehen: Man kann sich nach jedem Vorhang freuen, dem Leben einen Schritt näher zu kommen. Es hilft auch viel, sich nicht so ernst zu nehmen.
"Dick Laurent-Männer" bekommen alles, was sie wollen, denn den Penis will niemand verletzten oder zurückweisen. Vielleicht wegen den Fruchtbarkeitskulten von früher, vielleicht auch, weil die Leute unbewusst denken: "He, fuchtel nicht mit dem Ding hier rum!", und alle geben ihm alles, nur damit er verschwindet... Diese "Dickheads" umgehen rationale Schranken in der Frau und sprechen irgendwie unbewusste animalische Wünsche an.
Der Sohn muss aber bald merken, dass er sich nicht auf dieselbe Art den Frauen nähern kann, im Gegenteil... Es wird hier nicht mit gleichen Ellen gemessen, bei ihm gilt es sofort als Belästigung. Vielleicht auch nur weil er sensibler ist, und allzu deutlich merken kann, dass die anderen ihm signalisieren, dass es lästig ist.
So ein Mann baut eine Harmonie auf, notfalls mit (verbaler) Gewalt, durch raffinierte Schuldgefühle wagt es das Kind nicht, die Harmonie zu verletzen und z.B. nicht mit in die Ferien zu gehen (Daheimbleiben geht umso schlechter als dass es keine Freunde hat, sodass es dumm aussähe, zu sagen: Ich bleibe lieber ganz alleine zuhause, obwohl es stimmt.) Aber irgendwann beginnst Du dich zu fragen, wer hat diese Harmonie überhaupt am meisten nötig? Harmonie auch in dem Sinn, dass diese Männer jetzt ihre Jagdphase abgeschlossen haben, weil sie schon alle hatten, und jetzt umso monogamer sind. Verlogen wie die Einsiedler, zuerst das Leben geniessen, und dann, wenn man wund ist und den Kater hat, den Heiligen spielen. Sie wollen auch nicht, dass der Sohn wird wie sie, darum vermeiden sie, dass er sturmfrei oder sonstige Gelegenheiten bekommt.
M.E. potenzierte sich die Lächerlichkeit erst recht dadurch, dass Zorns Vater jemand war, der sich ernst nahm, mit seiner rein-säkulären Arbeit mit den Kirchen (Verlogener geht es nicht) Der Beruf des Vaters des antichristlichen Federicos ist somit eine grosse Ironie, der von meinem Vater auch (Erotik-Zulieferbranche). Solche Eltern arbeiten auch mit Drohungen wie "Iss auf, denk an die Kinder in Afrika usw.", dabei kümmern sich genau jene Eltern überhaupt nicht darum, was für politische Verhältnisse dazu führen, dass es in Afrika solche Misstände gibt...
Nennt mich abergläubisch, aber solche Unaufrichtigkeit beschwört einfach Flüche hinauf! Mit der Bedeutung, mit dem Sinn zu spassen, kann nicht gut sein, weil alle dann immer mehr in Frage stellen, am Schluss das Leben selbst, und immer mehr Substanz bröckelt weg. Man hat ja gesehen, was aus dem Sohn, des Laienpredigers Crowley, der Alkohol verteufelte, unter der Woche aber selber braute, geworden ist...