Hallo!
Ich kann deinen letzten Kommentaren nur zustimmen: Russel hätte sich die letzten 150 Seiten sparen können. Bergson ist für mich der Inbegriff jenes Philosophen, den ich nicht einmal in Ansätzen ernst nehmen kann: Das sind möglicherweise geistreiche Ideen (wie sie etwa einem Literaten zur Ehre gereichen), aber kein in sich stimmiges System. Das muss es auch nicht sein, außer es wird als Philosophie verkauft. Denn dann muss doch der Anspruch einer einigermaßen konsistenten Gesamtkonzeption eingelöst werden, sonst ist's Belletristik (wie etwa der Zarathustra).
Ich vermute im übrigen, dass Russel möglicherweise von den Strömungen um 1900 nicht wirklich viel Ahnung hatte. Deine Anspielung auf Vaihinger hätte er wohl nicht verstanden, ob er von Husserl irgendwas gehört hat, wage ich auch zu bezweifeln. Natürlich ist es schwer, die Bedeutung seiner Zeitgenossen tatsächlich einzuschätzen. Aber gerade deshalb (und auch im Wissen um seine eingeschränkte Kenntnis) hätte er sich zurückhalten müssen. Wobei - wie ebenfalls schon erwähnt - gerade das 19. Jahrhundert für sein Vorhaben, einen Zusammenhang zwischen wirschaftlich-politischer und philosophischer Entwicklung aufzuzeigen, mehr als geeignet gewesen wäre.
lg
orzifar