Author Topic: Man wird sich offenbar ...  (Read 17297 times)

Offline Dostoevskij

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #15 on: 11. Januar 2012, 19.44 Uhr »
Moin, Moin!

lese also zuerst das entliehene Exemplar und kaufe es mir ev. bei Gefallen. Bei neuer Belletristik ähnlich (auch wenn sie erschwinglich wäre).

Diese Vorgehenweise eigne ich mir auch mehr und mehr an.

Quote
Aber ich spüre mit dem Älterwerden ein Nachlassen des Interesses an Belletristik,

Bei mir im Gegenteil. Durch die Nutzung der Bibliothek probiere und viel mehr und lese auch mal Bücher, die ich mir sonst nicht gekäuft hätte. Bzw. lese sie an und bei Bedarf weiter oder eben nicht. Dieser Zugewinn gefällt mir sehr.

Quote
Das Internet dient mir ebenfalls als eine Art Lexikonersatz, wobei ich manche dennoch oft zurate ziehe:


Eine kluge Verquickung aller Quellen ist wohl das Beste, was man tun kann. ;-)
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Offline orzifar

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #16 on: 11. Januar 2012, 20.21 Uhr »
Hallo!

Quote from: orzifar
Aber ich spüre mit dem Älterwerden ein Nachlassen des Interesses an Belletristik,

Bei mir im Gegenteil. Durch die Nutzung der Bibliothek probiere und viel mehr und lese auch mal Bücher, die ich mir sonst nicht gekäuft hätte. Bzw. lese sie an und bei Bedarf weiter oder eben nicht. Dieser Zugewinn gefällt mir sehr.


diese Unterschiedlichkeit ist - in Verbindung mit dem Internet - einer der großen Vorzüge dieses Mediums: So kann jeder für sich einen Gewinn daraus ziehen. Und wenn wir beide auch nicht den gleichen Geschmack unser eigen nennen, so kann ich aus deinen Zitaten oder kurzen Erwähnung oft zwischen den Zeilen (und wie sich im nachhinein oft herausgestellt hat - richtig zwischen den Zeilen) lesen, was denn von dieser Literatur auch ich einmal versuchen könnte.


Quote from: orzifar
Das Internet dient mir ebenfalls als eine Art Lexikonersatz, wobei ich manche dennoch oft zurate ziehe:


Eine kluge Verquickung aller Quellen ist wohl das Beste, was man tun kann. ;-)

Du hast im Klassikerforum von Menschen gesprochen, die sich dem Netz fast vollständig verweigern: Eine solche Verweigerungshaltung (prinzipieller Natur) ist m. E. eine Form der Dummheit und Ignoranz. Das Internet bietet so unglaublich viele Möglichkeiten, dass es für einen einigermaßen aufgeschlossenen Menschen eine Selbstverständlichkeit sein sollte, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Natürlich stecken hier auch Gefahren (wie bei jeder Technologie), das Abgleiten in eine Art Suchtverhalten gibt es beim Fernsehen ebenso wie im Netz. Und man kann natürlich auch zum Schluss kommen, dass es besser ist, auf das eine oder andere Medium Verzicht zu leisten. Sich aber aus Prinzip zu verweigern ist einfach engstirnig.

Mir selbst macht das Netz, die Informatik, das Programmieren (um seiner selbst willen) einfach Spaß, so wie ich ja auch Literatur ("schwere" Literatur), Philosophie aus reiner Freude lese - einfach weil Denken Spaß macht. Ich hatte Freude an meiner ersten Website, an meinem ersten Javascript, an einer richtig angesprochenen Datenbank - so wie Kinder Freude am Spielen mit Matador haben, wenn sich da etwas bewegt, die Dinge einigermaßen das tun, was man von ihnen verlangt. (Vor ein paar Tagen etwa ist mir die Idee zu einem rekursiven Algorithmus der Quadratwurzelberechnung gekommen, der wundersamer Weise auch perfekt funktionierte. Natürlich ist das so notwendig wie der sprichwörtliche Kropf, aber es macht einfach Spaß, etwas selbst zu machen. Das ist wohl eine Form der Kindlichkeit, aber eine, die das Leben interessant, schön macht.)

lg

orzifar
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Offline Dostoevskij

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #17 on: 11. Januar 2012, 21.38 Uhr »
Moin, Moin!

Und wenn wir beide auch nicht den gleichen Geschmack unser eigen nennen, so kann ich aus deinen Zitaten oder kurzen Erwähnung oft zwischen den Zeilen (und wie sich im nachhinein oft herausgestellt hat - richtig zwischen den Zeilen) lesen, was denn von dieser Literatur auch ich einmal versuchen könnte.

Das ist schön, weil Sinn der Chose. Aber wenn du sagst "nicht den gleichen Geschmack" klingt das nach generellem und grundlegendem Unterschied zwischen unseren Lesevorlieben. SO verschieden hatte ich das nicht gedacht.

Quote
Du hast im Klassikerforum von Menschen gesprochen, die sich dem Netz fast vollständig verweigern: Eine solche Verweigerungshaltung (prinzipieller Natur) ist m. E. eine Form der Dummheit und Ignoranz.

Was mich ja verblüfft, ist die Vermutung, daß es keine bewußte Verweigerung ist, sondern daß diese Intellektuellen so gestrickt sind, daß sie nicht zu erkennen vermögen, daß und wie das Netz als Erweiterung dienen kann. Undf das spricht für ein Leben jenseits der Gegebenheiten. Ähnlich, dessen bin ich mir sicher, existieren Politiker ab einem gewissen Level in einer anderen Sphäre. Wulff läßt grüßen. Die erkennen einfach nicht mehr, was Phase ist.

Quote
Sich aber aus Prinzip zu verweigern ist einfach engstirnig.

Ich habe einen Freund, der sich dem Internet komplett verweigert. Er geht halt arbeiten und liest in seiner Freizeit Zeitung und Sachbücher, hört Radio, betätigt sich politisch und geht in die Kneipe. Das geht auch. Und ich kann nicht sagen, daß ihm Wesentliches abgeht. ER ist so zufrieden.

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Ich hatte Freude an meiner ersten Website, an meinem ersten Javascript, an einer richtig angesprochenen Datenbank - so wie Kinder Freude am Spielen mit Matador haben, wenn sich da etwas bewegt, die Dinge einigermaßen das tun, was man von ihnen verlangt. (Vor ein paar Tagen etwa ist mir die Idee zu einem rekursiven Algorithmus der Quadratwurzelberechnung gekommen, der wundersamer Weise auch perfekt funktionierte.

Das bestaune ich immer wieder. Hätte ich die Fähigkeiten, hätte ich mein Bücherlei weitergeführt, unter professionelleren Prämissen, und wäre nicht eingeknickt, weil es mir an einem CMS mangelt.
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Offline orzifar

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #18 on: 12. Januar 2012, 00.00 Uhr »
Das ist schön, weil Sinn der Chose. Aber wenn du sagst "nicht den gleichen Geschmack" klingt das nach generellem und grundlegendem Unterschied zwischen unseren Lesevorlieben. SO verschieden hatte ich das nicht gedacht.

nein, das scheint falsch angekommen zu sein. Ich glaube, dass unsere Schnittmenge wohl rund 80 % beträgt, dass wir also bei den meisten Schriftstellern in der Beurteilung konform gehen würden. Was uns sicher sehr viel stärker unterscheidet ist der Umgang mit Literatur: Mir ist es enorm wichtig, über Bücher zu schreiben, zu diskutieren, dir ist sehr viel mehr an einer Art tabellarischen Aufbereitung gelegen. Ich wünsche mir, dass ich keines der gelesenen Bücher vergesse (selbst wenn sie zu vergessen sind), möchte in irgendeiner Form eine Art "Erkenntnisgewinn" aus der Literatur, dem Lesen (Leben) erzielen. Du hast mal geschrieben, dass es dich nicht weiter stört, wenn du den Inhalt der gelesenen Bücher vergisst, ich möchte mir dies für mein Alter aufheben ;). Ich sage dabei nicht, dass das eine besser als das andere ist, aber es sind doch wohl unterschiedliche Herangehensweisen.

Das andere, in meinem Hinterkopf Spukende, ist natürlich deine Hesse-Liebe (die du aber einmal relativierend als eine nostalgische Beziehung bezeichnet hast: Dann würde ich sie sehr viel besser verstehen, da ich ja selbst jede Zeile von Hesse gelesen habe - das meiste mindestens zweimal). Ansonsten neige ich bei solchen Vorlieben dazu, ein kleines Esoterik-Schublädchen zu öffnen und den Betreffenden auf diese Weise zu katalogisieren. Nicht immer ganz redlich :).


Quote from: orzifar
Ich hatte Freude an meiner ersten Website, an meinem ersten Javascript, an einer richtig angesprochenen Datenbank - so wie Kinder Freude am Spielen mit Matador haben, wenn sich da etwas bewegt, die Dinge einigermaßen das tun, was man von ihnen verlangt. (Vor ein paar Tagen etwa ist mir die Idee zu einem rekursiven Algorithmus der Quadratwurzelberechnung gekommen, der wundersamer Weise auch perfekt funktionierte.

Das bestaune ich immer wieder. Hätte ich die Fähigkeiten, hätte ich mein Bücherlei weitergeführt, unter professionelleren Prämissen, und wäre nicht eingeknickt, weil es mir an einem CMS mangelt.

Das verstehe ich nun gar nicht. Warum sollte ein nachweislich intelligenter Mensch wie du nicht fähig sein, sich programmiertechnische Fertigkeiten anzueignen??? Allerdings ist's manchmal viel Arbeit, die ärgernde und alles zerstörende Code-Zeile zu finden, aber (wie erwähnt): Es macht einfach auch Spaß. Man muss vielleicht ein kindisch-kindlicher Typ sein, um sich auch an kleinen Erfolgen erfreuen zu können. Aber an den "Fähigkeiten" deinerseits kann es sicher nicht liegen, im Zweifelsfall nimmt man eben ein vorgefertigtes CMS und versucht sich dort einzuarbeiten. Braucht manchmal soviel Geduld wie selbst programmieren. Bei letzterem das Schöne: Der Weg ist das Ziel, was nun allerdings bedeuten kann, dass man dieses nicht wirklich erreicht :).

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orzifar
« Last Edit: 12. Januar 2012, 01.52 Uhr by orzifar »
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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #19 on: 12. Januar 2012, 07.29 Uhr »
Hallo orzifar und die anderen!

@orzifar

Vielen Dank für deine ausführlichen Erläuterungen. Ich sehe, daß meine Einschätzung durch sie gedeckt werden. Du hast recht. Meine Art der Rezeption ist wenig analytisch, vielmehr konsumptiv, sammelnd. Ich lese Bücher, erfreue mich an gelungenen Passagen, poste sie dann auch, lese diese "Fundstücke" darüber hinaus wieder und wieder, behalte von Büchern der Menge wegen oft nur einen Gefühlseindruck übrig. Es rauscht bei mir also im Gegensatz zu dir, der du in die Tiefe lotest. Ich weiß, daß ich mehr widerständige Literatur lesen müßte. Ab und zu beim Lesen auch schwitzen.

ad Hesse: Tja, was soll ich sagen. Erklär den anderen doch mal Liebe! Es ist ein existenzielles Zuhause- und Beheimatetsein. Warum sollte ich das aufgeben?

ad CMS: Alle Ansätze dahingehend scheiterten bisher. Es ist nicht so, daß ich nichts probiert hätte. Viel klügere Leute als ich, die ebensowenig Ahnung davon haben, beauftragten mit dieser Problematik einfach einen Dienstleister, bezahlten ihn und sind froh. Dem steht dann doch mein Geiz gegenüber und meine Unbeständigkeit. Die 16 Jahre, die meine Webseite nun besteht, waren ein einziges Auf und Ab, dazu und weg...

Quote
Du hast mal geschrieben, dass es dich nicht weiter stört, wenn du den Inhalt der gelesenen Bücher vergisst, ich möchte mir dies für mein Alter aufheben ;).

LOL
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Offline orzifar

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #20 on: 12. Januar 2012, 21.40 Uhr »
Hallo!

@orzifar

Vielen Dank für deine ausführlichen Erläuterungen. Ich sehe, daß meine Einschätzung durch sie gedeckt werden. Du hast recht. Meine Art der Rezeption ist wenig analytisch, vielmehr konsumptiv, sammelnd. Ich lese Bücher, erfreue mich an gelungenen Passagen, poste sie dann auch, lese diese "Fundstücke" darüber hinaus wieder und wieder, behalte von Büchern der Menge wegen oft nur einen Gefühlseindruck übrig. Es rauscht bei mir also im Gegensatz zu dir, der du in die Tiefe lotest. Ich weiß, daß ich mehr widerständige Literatur lesen müßte. Ab und zu beim Lesen auch schwitzen.

Entscheidend für mich: Ich schwitze gern - und um wirkliche Freude am Lesen haben zu können, brauche ich ein Mindestmaß an Transpiration.

Aber: Keiner muss müssen, wie Lessing schon einem Derwisch zu erklären versuchte ;). Entscheidend ist ja, wie viel Zufriedenheit einem aus dem Lesen erwächst. Diese verhält sich bei mir direkt proportional zu den schon apostrophierten Schweißperlen.

ad Hesse: Tja, was soll ich sagen. Erklär den anderen doch mal Liebe! Es ist ein existenzielles Zuhause- und Beheimatetsein. Warum sollte ich das aufgeben?

Ich versteh das durchaus, da ich mit Siddartha und Goldmund lustgewandelt bin im zarten Alter von 16 Jahren. Aber Jugendlieben haben es häufig an sich, dass man sie aus einer gewissen Entfernung (zeitlicher Natur) mit mehr Skepsis betrachtet, etwas, das sich nicht ausschließlich auf Bücher beziehen muss. Beim letzten Besuch in meiner Heimatstadt habe ich ein solches nicht-literarisches Exemplar der Verehrung getroffen - und bin anschließend in mich gegangen, um zu ergründen, warum ich ausgerechnet dieser Dame so viele schlaflose Nächte gewidmet habe (nebst - ich war noch seeeehr jung - einigen lyrischen Ergüssen).


ad CMS: Alle Ansätze dahingehend scheiterten bisher. Es ist nicht so, daß ich nichts probiert hätte. Viel klügere Leute als ich, die ebensowenig Ahnung davon haben, beauftragten mit dieser Problematik einfach einen Dienstleister, bezahlten ihn und sind froh. Dem steht dann doch mein Geiz gegenüber und meine Unbeständigkeit. Die 16 Jahre, die meine Webseite nun besteht, waren ein einziges Auf und Ab, dazu und weg...

Es ist halt wirklich viel Arbeit. Oft mehr Arbeit als das Bereitstellen der Informationen. Nur an den "Fähigkeiten" liegt's sicher nicht.

Ich habe mich auch hier (bezüglich der Hauptseite) mit der Idee getragen, dies alles selbst zu machen. Sandhofer, älter und klüger als ich, hat schließlich pragmatisch gehandelt und WordPress installiert, womit er Recht hatte. Wenn's denn mehr sein soll als eine Spielerei ist's einfach viel, viel Arbeit.

Quote from: orzifar
Du hast mal geschrieben, dass es dich nicht weiter stört, wenn du den Inhalt der gelesenen Bücher vergisst, ich möchte mir dies für mein Alter aufheben ;).
LOL

:) - wobei: Die beste Ehefrau von allen ist immer öfter der Ansicht, dass ich durchaus an dieser Alterserscheinung partizipiere - auf pragmatisch-spezifische Art, indem ich vergesse (sie meint pejorativ: ignoriere), was ich denn für das allgemeine Familienwohl manchmal zu erledigen verpflichtet sei, während ich - bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten - Horaz im Original zu zitieren vermöchte. So gesehen (denn hier zu widersprechen würde ich keinesfalls wagen) habe ich schon heute (im ohnehin bereits fortgeschrittenen Alter) Anteil an der mir in Zukunft zukommenden Dosis Alzheimer, obschon mein Kleiner, an ein vor mehreren Tagen getanes Versprechen erinnert, durchaus gegenteiliger Ansicht zu sein pflegt: "Papaaaa, kannst du nicht irgendwann irgendwas mal vergessen?? Tu ich doch auch ..."

Aber dies sind Niederungen der Familienlebens, die du für dich (soweit ich weiß) bislang zu vermeiden wusstest. Und ich wüsste diesbezüglich nicht, ob man das ändern soll: Schon Doderer meinte, dass es unglaublich schwer sei, jemandem fundamental zu raten (der Stangeler dem Eichkater?? *glaub*).

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Offline Dostoevskij

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #21 on: 13. Januar 2012, 01.36 Uhr »
Moin, Moin!

Entscheidend ist ja, wie viel Zufriedenheit einem aus dem Lesen erwächst. Diese verhält sich bei mir direkt proportional zu den schon apostrophierten Schweißperlen.

Bei mir ist es die Freude, den Stift zücken und eine Fundstelle anstreichen zu können. Dann schnurre ich wie eine Katze.

Quote
Aber Jugendlieben haben es häufig an sich, dass man sie aus einer gewissen Entfernung (zeitlicher Natur) mit mehr Skepsis betrachtet, etwas, das sich nicht ausschließlich auf Bücher beziehen muss.

In Sachen Hesse war ich nicht mehr Jugendlicher, als ich ihn schätzen lernte. Als Erwachsener begegnete ich seinem Eigensinn und seine Unzufriedenheit, die mich täglich noch belästigt und an ihn erinnert.

Quote
Ich habe mich auch hier (bezüglich der Hauptseite) mit der Idee getragen, dies alles selbst zu machen. Sandhofer, älter und klüger als ich, hat schließlich pragmatisch gehandelt und WordPress installiert, womit er Recht hatte. Wenn's denn mehr sein soll als eine Spielerei ist's einfach viel, viel Arbeit.


Aber das Forum selbst ist wieder eine eigene Software, oder?
Quote
habe ich schon heute (im ohnehin bereits fortgeschrittenen Alter) Anteil an der mir in Zukunft zukommenden Dosis Alzheimer, obschon mein Kleiner, an ein vor mehreren Tagen getanes Versprechen erinnert, durchaus gegenteiliger Ansicht zu sein pflegt: "Papaaaa, kannst du nicht irgendwann irgendwas mal vergessen?? Tu ich doch auch ..."

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Offline sandhofer

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #22 on: 13. Januar 2012, 07.39 Uhr »
Hallo zusammen!

Sandhofer, älter und klüger als ich,

"Fauler", hätte meine Frau gesagt ...  ;D

Eigentlich wollte ich keine Blogging-Software installieren; aber mir ging es ähnlich wie Dostojewskij: zu faul und zu wenig motiviert, um mich in ein CMS einzuarbeiten. Und meine html-Tage liegen auch schon weit zurück ... (Es gab mal Zeiten - aber da war html noch Pipifax - da konnte ich eine Seite html einfach so 'runterschreiben. Tempi passati ...)

Aber das Forum selbst ist wieder eine eigene Software, oder?

Ja. Was zu gewissen Koordinationsproblemen betr. Startseite führte. Und so ist die alte, provisorisch gemeinte, halt gleich die neue geblieben und man wird von dort aufs Blog weitergeleitet, wo dann der Link ins Forum steht.

Zu Hesse kann ich wenig sagen. Ich habe ihn relativ spät kennen gelernt, durch die Lektüre des "Peter Camenzind" im Gymnasium. Ich erinnere mich v.a. an ein lächerlich imitiertes Schweizerdeutsch. So war Hesse für mich schon so ziemlich unten durch, als ich dann in der Bibliothek meines Vaters den "Knulp" in die Hände bekam. Was interessieren einen Teenager die Eheprobleme seiner Grossväter? Wohl habe ich dann sehr vieles von ihm noch gelesen, den "Steppenwolf" und das "Glasperlenspiel" sogar zwei- oder dreimal. Aber im Moment drängt es mich nicht zu Hesse.

Meine literarische "Jugendliebe", meine erste Liebe überhaupt sozusagen, war Karl May. Den ich heute noch für einen besseren Autor halte, als es die meisten (inkl. MRR) wahr haben wollen. Er hätte, wäre er nicht ein armer, verwirrter Prolet gewesen, wie Bloch meinte, der deutsche Balzac werden können. Das ist zwar immer noch nicht viel, aber mehr als ein pseudologischer Trivialautor wäre dringelegen.

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Dostoevskij

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #23 on: 13. Januar 2012, 09.53 Uhr »
Moin, Moin!


Sandhofer, älter und klüger als ich,

"Fauler", hätte meine Frau gesagt ...  ;D

Synonyme.

Quote
Eigentlich wollte ich keine Blogging-Software installieren; aber mir ging es ähnlich wie Dostojewskij: zu faul und zu wenig motiviert, um mich in ein CMS einzuarbeiten. Und meine html-Tage liegen auch schon weit zurück ... (Es gab mal Zeiten - aber da war html noch Pipifax - da konnte ich eine Seite html einfach so 'runterschreiben. Tempi passati ...)

Meine rudimentäre HTML-Kenntnisse stammen aus Zeiten, in denen ich mir einiges angelesen und durch die Quelletexte anderer Webseiten beigebracht hatte, was mich befähigte, meine kleine Webseite mit vorwiegend Textinhalt zu basteln. Heute muß ich mir mit Copy & Paste behelfen, wenn ich neue Seiten kreiere und bestimmte Codes benötige. Eine zeitlang war ich gänzlich in Wikis vernarrt. Schon beim Aufspielen der Wordpress-Software auf meinen Webspace bin ich dann gescheitert.

Quote
Wohl habe ich dann sehr vieles von ihm noch gelesen, den "Steppenwolf" und das "Glasperlenspiel" sogar zwei- oder dreimal. Aber im Moment drängt es mich nicht zu Hesse.

Für mich spielen die Werke, die landläufig als "der Hesse" betrachtet werden, keine Rolle. Ich lese seine bibliomanen Sachen, seine essayistischen, betrachtenden Schriften und vor allem auch die Briefe - er war ja einer der großen Briefeschreiber des 20. Jahrhunderts.

Quote
Meine literarische "Jugendliebe", meine erste Liebe überhaupt sozusagen, war Karl May. Den ich heute noch für einen besseren Autor halte, als es die meisten (inkl. MRR) wahr haben wollen. Er hätte, wäre er nicht ein armer, verwirrter Prolet gewesen, wie Bloch meinte, der deutsche Balzac werden können. Das ist zwar immer noch nicht viel, aber mehr als ein pseudologischer Trivialautor wäre dringelegen.

Karl May ist zu 100% an mir vorbeigegangen, obwohl er in meiner Jugend, die in den 80 Jahren stattfand, soweit ich weiß, schon wieder einigermaßen rehabilitiert gewesen sein muß, oder?

An typischen Kinder- und Jugendbüchern las ich sehr wenig, auch nicht, was in der DDR so "in" war, z.B. Die Söhne der Großen Bärin. Auch die Digedags u.v.m. "Typische" erreichte mich nicht, einfach weil ich mit anderem blockiert war - siehe unten.

Mein Hinwendung zur Literatur erfolgte erst ab dem 17./18. Lebensjahr. Vorher las ich ausschließlich Religiöses: Hagiografien, Traktätchen, Mystiker (Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Seuse usw.) und vorrangig die Bücher meiner Sekte, in der ich lebte. Literatur initiiert wurde ich durch die Russen. Mit 20 Jahren, als ich als Theologieaspirant ins Seminar einzog, fing ich an, mehr und systematischer zu lesen, dank auch einer hervorragenden Bibliothek, die, weil wir sozusagen in einer westdeutschen Enklave innerhalb der DDR leben durften, komplett mit allem bestückt war, was uns in der DDR größtenteils verwehrt war: Frisch, Dürrenmatt, Böll, Walser, Grass, Bachmann usw. usf. Es war der Himmel auf Erden.
« Last Edit: 13. Januar 2012, 10.01 Uhr by Dostoevskij »
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Offline mombour

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #24 on: 13. Januar 2012, 13.55 Uhr »
Aber ich spüre mit dem Älterwerden ein Nachlassen des Interesses an Belletristik,

Ich scheine auch allmählich in diese Spur zu rücken. Im Dezember habe ich keine Rezension zu Stande gebracht, irgendwie geht der Saft raus. Dafür schreibe ich lieber selbst und begeistere mich eben auch für so manches Sachbuch. Die Lektüre von António R.Damásio hat mich begeistert
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Offline Anita

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #25 on: 13. Januar 2012, 18.40 Uhr »
Aber ich spüre mit dem Älterwerden ein Nachlassen des Interesses an Belletristik,

Ich scheine auch allmählich in diese Spur zu rücken. Im Dezember habe ich keine Rezension zu Stande gebracht, irgendwie geht der Saft raus. Dafür schreibe ich lieber selbst und begeistere mich eben auch für so manches Sachbuch. Die Lektüre von António R.Damásio hat mich begeistert

Bei mir ist auffallend, dass ich keine Biographien mehr zuende bringe. Das Interesse verliert sich mit den Seiten und irgendwann schlage ich das Buch zu und es landet im Regal. Ansonsten habe ich derzeit so eine triebhafte Lust mich durch die Neuerscheinungen der Belletristik zu wühlen, ohne Kosten abgesehen der Vorbestellungs-Kosten. Ich bin jetzt leidenschaftliche Bibliotheksbesucherin, wohl ein Nachholbedürfnis. Auch kann man bei Nichtgefallen prima den Buchdeckel schließen, und braucht sich nicht zu ärgern. Bewährte Klassiker lese ich mit Genuss und Muse, da lasse ich mir enorm viel Zeit. Auch so eine Entwicklung der letzten Jahre.

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Offline Dostoevskij

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #26 on: 13. Januar 2012, 19.04 Uhr »
Moin, Moin!

Ansonsten habe ich derzeit so eine triebhafte Lust mich durch die Neuerscheinungen der Belletristik zu wühlen, ohne Kosten abgesehen der Vorbestellungs-Kosten. Ich bin jetzt leidenschaftliche Bibliotheksbesucherin, wohl ein Nachholbedürfnis. Auch kann man bei Nichtgefallen prima den Buchdeckel schließen, und braucht sich nicht zu ärgern.

So do I. So bekomme ich Zugang zu Büchern, die ich früher erst viele Jahre später lesen konnte, wenn nämlich die Taschenbuchausgabe antiquarisch meinen Erwerbshorizont erreicht hatte (< 5.- inklusive Versand). Bin schon froh, so den nun berühmten Fallada (Jeder stirbt für sich allein)  gelesen zu haben, Schischkins "Venushaar", Tellkamps "Turm" oder zuletzt die fulminante Schalansky.
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Offline sandhofer

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #27 on: 14. Januar 2012, 15.33 Uhr »
Ansonsten habe ich derzeit so eine triebhafte Lust mich durch die Neuerscheinungen der Belletristik zu wühlen, ohne Kosten abgesehen der Vorbestellungs-Kosten.

Bekennender Nicht-Bibliotheken-Benutzer, der ich bin (als Student natürlich, ja - für Fachliteratur, die man nur für ein einziges Zitat benötigt, lohnt sich ja der Kauf nicht, abgesehen vom schmalen Budget eines Studenten), kann ich nicht nur den Bibliotheken-Teil nicht nachvollziehen ...  :D

Neuerscheinungen reizen mich seit mindestens anderthalb Jahrzehnten kaum mehr. Wenn ich dann doch mal etwas Aktuelles kaufe, endet es in den meisten Fällen mit der zu erwartenden Enttäuschung. Zuletzt Melinda Nadj Abonji mit "Tauben fliegen auf" ... Mich interessieren die Liebes- und Familiennöte spätpubertierender Autorinnen nicht (mehr). Genausowenig wie die Liebesnöte von in Teenager verliebten Greisen. Der alte Goethe wurde ja zu Recht von jenem jungen Mädel abgewiesen. Und er hat zu Recht keinen Roman darüber verfasst, sondern jene wunderschönen Gedichte, die "Marienbader Elegien".
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline wanderer

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #28 on: 01. März 2012, 10.58 Uhr »
Seit meiner Kindheit habe ich immer viel gelesen. Eine wunderbare und einsame Sommer in meiner Heimatsstadt Turin erinnere ich immer gern: ich war 12jähriger und jeder Tag lies ich drei Bücher, damals war Emilio Salgari mein bevorzugte Autor und ich hörte dabei klassische Musik. Sicher war es ein bisschen seltsam: ein sehr angenehme Eindruck  ist trotzdem in Erinnerung geblieben. In jede Zeit habe ich auch mir auf verschiedenen Gründen ein Lesenverbot gegeben. Meine Familie hatte eine sehr bestimmte Vorstellung bezüglich die Note, die ich in der Schule erreichen sollte und die Widmung zur Lektüre sollte ich erst nach dem Lernen ausüben. Später an der Uni dachte ich, dass die Lektüren während des Studiums der Physik mich abgelenkt hätten. Zwei Jahre lang habe ich mich gezwungen, keine Literatur oder Philosophie zu lesen. Als ich zu arbeiten begann und in Philosophie an der Uni mich einschreiben konnte, habe ich viele Bücher wieder gelesen auch wenn mit Beschränkung an der Bereich Philosophie oder Fachbücher der bezüglich. Meine Hausbibliothek ist immer reicher geworden.

Gab es Periode mit langer Krankheit, in dem ich das Lesen sehr intensiv genossen habe. Einmal habe ich 83 Bücher in drei Monate lesen können und dabei war die ganze „Recherche“, die ich zwei male lies und aus der ich mir Notizen aufschrieb.

Mein Nachteil ist, nur in Einsamkeit kann ich mich am besten konzentrieren. Und wenn ich in Arbeit sehr tief versunken bin, die Probleme der Arbeit bleiben bei mir Tag und Nacht und keine Konzentration mehr möglich ist. Außerdem ich arbeite schon immer mit Bücher: ich forsche  und die Bücher sind meine Werkzeugen. Lesen als Genuss ist anders.

Intensität spüre ich noch immer: sicher seltener und nur bei Autoren, die ich mir sehr nahe fühle. Vor zwei Jahren habe ich Thomas Bernhard entdeckt und durch den Forum Heimito von Doderer.

Jetzt befinde ich mich in Zeit des Trauerns. Die Person, die mir am wichtigste war ist nicht mehr da. Alles hat sein Sinn verloren. Ich kann das Forschen nicht mehr ertragen und auch das Lesen wird leer von Bedeutung. Habt ihr auch wegen der Tod einer geliebten Mensch so reagiert oder habt ihr ein Trost bei Lesen euch gewinnen? Diese Frage und Euer Antwort liegen mir zurzeit sehr besonders am Herzen. Ich danke in voraus, wer sie beantworten wird.
LG
wanderer

Offline sandhofer

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Re: Man wird sich offenbar ...
« Reply #29 on: 02. März 2012, 09.37 Uhr »
Hallo!

Jetzt befinde ich mich in Zeit des Trauerns. Die Person, die mir am wichtigste war ist nicht mehr da. Alles hat sein Sinn verloren. Ich kann das Forschen nicht mehr ertragen und auch das Lesen wird leer von Bedeutung. Habt ihr auch wegen der Tod einer geliebten Mensch so reagiert oder habt ihr ein Trost bei Lesen euch gewinnen?

Das tut mir leid zu hören. Ich denke nicht, dass Lesen in der Zeit des Trauerns Trost bieten kann. Jedenfalls ging es mir so, dass in der ersten Phase der akuten Trauer dies nicht funktionierte. Da war Musik der bedeutend bessere Trost. Aber das Lesen ist wiedergekommen.
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