Hallo zusammen
Entschuldige, orzifar, ich konnte, nachdem ich nur kurz hineinlesen wollte, dann gestern nicht mehr bremsen, und bin unterdessen bereits mit meinem namenlosen Erzähler in Erewhon eingetrudelt. Der junge Mann, nach eigenem Geständnis gilt er mehr für einen Adonis als für eine Geistesleuchte, beginnt seine literarische Karriere als Schäfer in einer nicht näher bezeichneten, aber unschwer als Neuseeland erkennbaren Gegend. Der Wunsch, durch eigene Schafzucht oder Goldwäscherei reich zu werden, zieht ihn in die bisher von den Weissen unerforschten Berge. Die ersten 6 oder 7 Kapitel sind denn auch Reisebericht - ohne Erewhon. (So, wie der
Robinson Crusoe sich lange zieht, bis wir mit Robinson dann endlich auf der einsamen Insel stecken.) Die ersten Gedanken des Helden, als er dann wirklich von Erewhonianern aufgelesen wird, sind, dass es sich hier um die verlorenen 10 Stämme Israels handeln müsse, und dass er sie zum (anglikanischen) Christentum bekehren und taufen müsse. Und beide Male malt er sich aus, wie berühmt er wohl würde, wenn eine solche Tat bzw. Entdeckung von ihm bekannt würde. Die Erewhonianer stellen ihrerseits Schönheit und Gesundheit über alles, und so scheint einer glücklichen Zukunft des jungen Exil-Engländers in Erewhon nichts im Weg zu stehen.
Praktisch zeitgleich mit Bulwer-Lyttons
The Coming Race erschienen, teilt Butler wohl mit diesem den Zweifel daran, dass die Entwicklung der Menschheit unbedingt und geradlinig ins Positive verlaufen müsse. Die Erewhonianer behandeln einen Schnupfen als Kapitalverbrechen, eine Veruntreuung aber wie eine Krankheit. Speziell ausgebildete "Straiteners" kommen ins Haus des an Veruntreuung Leidenden und kurieren ihn in Gesprächen. (Erinnert irgendwie an die Gerichtspsychologen und ihre Einschätzungen der Gefangenen ...

.) Das Technikmuseum haben wir auch bereits gesehen, und unser junger Mann muss lernen, dass auch für den viktorianischen Engländer gelten kann, dass andere Länder andere Sitten haben, die eventuell sogar respektiert werden müssen.
Butler verteilt offenbar - hinter der harmlosen Maske des jungen Engländer versteckt - viele kleine Bosheiten an seine Zeit(genossen). Mal schauen, wie's weitergeht.
Grüsse
sandhofer