Hallo Regina und sandhofer,
die Biographie kenne ich auch nicht, aber dafür bin ich mit dem ersten Abschnitt ebenfalls schon durch. Wenn man sich in eine Leserunde wagt mit jemandem, der den gesamten Proust in nur drei Monaten runtergerissen hat, muss man auf Zack sein.

Ich bin angenehm überrascht, wie flüssig und unterhaltsam das Buch geschrieben ist, ich hatte es mir spröder vorgestellt. Burckhardt beschreibt knapp, aber spannend, wie die ständige Angst vor Anschlägen den römischen Imperatoren das Leben vergällte, wie Feldherrn und höhere Beamte sich fortwährend zu Kaisern erheben mussten, nur um gegenüber anderen Usurpatoren ihr Leben zu verteidigen, das sie dann doch bald verloren, und wie in dieser von Furcht beherrschten Zeit selbst die wenigen Kaiser, die sich um eine gerechte und milde Herrschaft bemühten, von vorneherein zum Scheitern verurteilt waren. Dabei scheint ihm sehr gelegen daran zu sein, deutlich zu machen, dass der Senat besser war als sein Ruf (in den Darstellungen jener Zeit, die ich kenne, wird der Senat in der Tat eher als korrumpiert, feige und machtlos geschildert). In einem Jahrhundert, in dem Kaiser, Senat und Heer „aneinander irre“ wurden, stellt er ihn als die einzige positive Kraft hin, als letzten Hort der alten römischen Tugenden, der noch mit Verantwortungsgefühl und Entschlossenheit versuchte, eine vernünftige Staatsregierung zu etablieren.
Die Sprache Burkhardts ist nicht ohne Reiz. Präpositionalkonstruktionen, die vom ständigen Umgang mit dem Lateinischen zeugen, viele Konjunktive, die man heute leider immer weniger benutzt (schon das „könnte bedürfen“ im ersten Satz würde heute wahrscheinlich ohne Konjunktiv mit „eigentlich bedarf“ ausgedrückt werden), manche Ausdrücke, die heute als nicht korrekt gelten würden („den Anlass mochte ein Attentat geben, dem die eigene Familie nicht fremd war“). Dieser etwas altmodische, aber um Klarheit und Genauigkeit bemühte Stil gefällt mir gut.
So, morgen geht es mit frischem Mut weiter (wollen wir wirklich die ganzen 2264 Seiten lesen?

)
Gruß
Anna