Author Topic: [Fernando Pessoa:] Alberto Caeiro, Poesias  (Read 2415 times)

Offline sandhofer

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[Fernando Pessoa:] Alberto Caeiro, Poesias
« on: 10. Oktober 2009, 12.45 Uhr »
Hallo zusammen!

Da ich sowieso eigentlich keine Zeit habe und mit Ferdowsis Shanameh nur langsam vorrücke, habe ich beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen und nebenbei etwas zu lesen, bei dem es nicht nur keine Rolle spielt, dass ich einen Faden nicht verliere, sondern das sogar häppchenweise genossen werden kann/muss. Sprich: Lyrik. So habe ich zu Alberto Caeiro, Poesias gegriffen. Alberto Caeiro ist eines der Heteronyme, die Ferndando Pessoa (Das Buch der Unruhe) benutzt hat, und denen er auch eine eigene Biografie verpasst hat. Unter dem Namen Caeiro sind, wenn ich das aus dem ersten Eindruck schliessen darf, eine Art neuzeitlicher Schäfergedichte erschienen. Einfache, aber nicht simple Sprache - ruhige, schöne Bilder. Ich lese in der zweisprachigen, im verbleichenden Schweizer Ammann-Verlag erschienen Ausgabe und freue mich nebenbei auch darüber, dass mein Portugiesisch immer noch ausreicht, diese Gedichte im Original geniessen zu können.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Re:[Fernando Pessoa:] Alberto Caeiro, Poesias
« Reply #1 on: 11. Oktober 2009, 17.04 Uhr »
Ein heidnischer Grundton, asketisch-stoisch, mit dionysisch-rauschhaften Anklängen:

Porque pensar é não compreender...
O mundo não se fez para pensarmos nele
(Pensar é estar doente dos olhos)

[Denn Denken heisst nicht verstehen...
Die Welt ist nicht gemacht, damit wir über sie nachdenken
(Denken heisst augenkrank sein)]


Caeiro ist ein völlig anderer Charakter als der Hilfsbuchhalter Bernardo Soares. Interessant finde ich beide.
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Offline sandhofer

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Re:[Fernando Pessoa:] Alberto Caeiro, Poesias
« Reply #2 on: 15. Oktober 2009, 07.58 Uhr »
Ich habe das Buch mittlerweile fertig gelesen. Sind ja nicht viele Seiten, sieht nach mehr aus, weil's zweisprachig ist. Eine faszinierende Kunstfigur, die Pessoa mit diesem Caeiro geschaffen hat. Socrates meets Zen - and gets converted ... Keineswegs das simple Naturkind, als das er sich ausgibt, denn diese Gedichte behandeln nicht die Natur, sondern immer die Art, wie wir die Natur sehen - selbst und gerade weil Caeiro immer darauf besteht, dass wir nur diesen Baum-hier zu sehen haben, schon die Mehrzahl "Bäume" beinhaltet eine Abstraktion, die dem Baum-hier nicht gerecht wird.

Das Nachwort vergleicht Caeiro mit Husserl und dessen Phänomenologie. Aber meine Husserl-Lektüre liegt zu lange zurück, um das nachprüfen zu können ...

Jedenfalls hat mit dieses Buch Lust gemacht auf mehr Gedichte von Pessoa. Leider sind ein paar der Bände des Ammann-Verlags bereits vergriffen. Das bedeutet mühsame Suche in Antiquariatskatalogen. Nun, ich habe Zeit. Und genügend andere Lesepläne ... :)
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