(wobei Magris von einem "hypochondrischen Anfall" spricht, was meinen Informationen über das jahrelange Leiden des Schriftstellers an Leberzirrhose widerspricht), ein Ende, das manchmal unverständlicherweise in einem Gegensatz zu seinen Büchern gesehen wird.
Stifter hatte unsäglich große Schmerzen gehabt wegen seiner Leberzirrhose. Man sollte das gewiss nicht als Gegensatz zu seinen Büchern sehen, denn Stifter befand sich in einer Ausnahmesituation. Ist halt tragisch. Auch wenn ich zu manch seinen Erzählungen immer etwas zu meckern fand, sei es
Bergkristall,
Brigitta oder
Turmalin, übt dieser Schriftsteller eine Anziehungskraft auf mich aus, als ob er ein Geheimnis verberge. Vielleicht liegt das Geheimnis in der Natur, hinter diesen Idyllen, hinter denen sich das Tragische, die Gefahr, verbirgt. Den
Nachsommer habe ich leider nur zur Hälfte gelesen, obwohl mir das recht gefallen hat (aber auch an diese Langsamkeit muss man sich gewöhnen

).
Und er weist auf Primo Levi hin, der das für mich bislang eindrucksvollste Dokument über Auschwitz verfasst hat, der seltene Glücks(??)fall, dass ein außergewöhnlich begabter Schriftsteller dies erlebt, _über_ lebt hat. (Denn Levi hat nicht nur über dieses Grauen Hervorragendes verfasst, sein gesamtes Werk gehört zum Besten der Literatur, etwa "Der Ringschlüssel").
Vielleicht würde Magris heute noch Imre Kertész dazuzählen "Roman eines Schichsallosen" konnte er damals nicht kennen.
Bruckners und Adalbert Stifters Kunst entstehe aus der Ehrfurcht vor der sanften und idyllischen österreichisch-böhmischen Landschaft, sagt Magris.
„Das Leben in den Wäldern entsteht und verändert sich zwar, doch in so langsamen Rhythmen, das es den einzelnen Individuum völlig unbeweglich erscheint...“ Adalbert Stifter werden die langsamen Rhythmen aufgefallen sein. In seinem
Nachsommer erreicht er fast einen Stillstand der Handlung. Magris erwähnt Stifters Erzählungen
Abdias und
Turmalin (enthalten in
„Bunte Steine“),um aufzuzeigen, dass hinter der Harmonie der Natur auch das Zerstörerische lauert, die
„Grausamkeit des Schicksals“ und der
„Verfall der Dinge“. Magris mag diese Erzählungen, weil sie
„ohne moralische Predigten und ideologischen Protest“ daherkommen, nur ein stumpes Verwundern hinterlassen. Trotzdem hat mir
„Turmalin“ von der Struktur nicht gefallen. Es gibt darin nämlich einen Bruch, einen Wechsel der Erzählperspektive. Die Tragödie finde ich außerdem überzogen. Alles nur weil der Rentherr mal von seiner Frau betrogen worden ist.
Endlich erwähnt Magris mal Kunstmaler. Albrecht Altdorfer (um 1480-1538) hat auf dem Sebastiansaltar von Sankt Florian erschütternde Bilder von der Passion und des Martyrium des Heiligen hinterlassen. In diesen Bildern entflammt der Himmel,
„wird eine bestialische, dumpfe Gewalttätigkeit“ gegen die Verurteilten entfesselt. Magris erwähnt das unweit vom Sebastianaltar zu sehende Gemälde von Wolf Huber (1485-1553) zu sehen wie auf Sebastian brutal eingeschlagen wird. Es ist ja bekannt, was für fratzenhafte höllische Gestalten auf christlichen Bilderwerken erscheinen, so bei Huber
„ein verblödetes perverses Kind“, welches auf den Märtyrer einschlägt. Gerne würde ich jetzt sehen, ob der Blick des Heiligen noch sanftmütig bleibt. Magris meint, hier schreie dem Beschauer in wilden Farben auch der Wahnsinn der Konzentrationslager (Mauthausen) entgegen. Himmel und Hölle im ehrwürdigen Sankt Florian.
Liebe Grüße
mombour