Ich lese gerade (u.a.) einen Band mit Erzählungen von Nikolai Gogol. Die frühen Erzählungen (erschienen in Abende auf dem Weiler bei Dikanka) spielen in einem ukrainischen Dorf und sind voller Hexen und Teufel. Der an der Oberfläche naive Ton und die Thematik (derbe Bauernspässe, Dorfliebeleien, Spuk- und Hexengeschichten) erwecken im Leser das Bild einer heiteren, unschuldigen Welt. Wenn man näher hinschaut, wird man allerdings feststellen, dass dies wirklich nur die Oberfläche ist. Darunter tun sich Abgründe auf. Die Liebesgeschichten haben kein Happy Ending, oder dann nur ein vorläufiges, vom Teufel herbeigeführtes (z.B. auf Kosten des Lebens vom kleinen, 9jährigen Bruder der Braut, den der Liebhaber töten muss, um ans für die Heirat vom Vater verlangte Gold zu kommen). Solche Ränke und Teufelsspielereien können nur schief gehen, eine Katastrophe ist vorprogrammiert. Am Schluss hat niemand etwas - nicht einmal der Teufel ...
Die eine oder andere Geschichte meiner Auswahlausgabe habe ich bereits gelesen und kenne und schätze deshalb Gogols satirische Ader. Die Brüchigkeit seiner Welt aber wird mir hier mal wieder so richtig von neuem bewusst.