Aber hallo.. wer rennt mir denn hier davon

Ich rekapituliere erst einmal und komme dann zu dem Schlag des Flügels.
° Dank einer Frage von Mascha, habe ich die erste Geschichte noch einmal gelesen und revidiere ganz gerne mein erstes Urteil, dies sei bloß Fantasy und deshalb nichts für mich. Da ich im Nachhinein merkte, dass ich die zweite Geschichte zu schnell gelesen hatte und einiges einfach überlesen hatte, widmete ich mich der ersten doch noch einmal – und komme jetzt doch auch zur Schlussfolgerung von Mombour.. Die Sehnsucht nach der Heimat kleidet er wohl in eine Geschichte, die mir nicht unbedingt behagt – aber ich muss doch auch die Zeit in Betracht ziehen zu der sie geschrieben wird – somit ist das also dann doch ok.
° Da meine Ausgabe chronologisch vorgeht, kommt vor eurer besprochenen Geschichte Der Schlag des Flügels noch
3.
Bruits – Klänge (September 1923)
(ich übernehme hier den deutschen Titel der Aufzählung von Mascha – obwohl ich es sehr subtil finde, dass ‚Bruits’ im Französischen zuerst Geräusch, Lärm bedeutet aber als dritte Bedeutung Gerüchte – und auch darum geht es in dieser Geschichte)
Bisher meine liebste Geschichte. Es geht um einen Ich-Erzähler der ein Verhältnis zu einer verheirateten Frau hat und mir ihr gemeinsam einen Bekannten besucht.
Als sie nach dem Besuch wieder zum Haus der Frau gehen, schickt sie ihn unter einem Vorwand zum Freund zurück (ich würde wetten, sie hat bewusst ihr Zigarettenetui vergessen), damit er Zeuge wird, wie dieser sich weinend im Bett liegend befindet – ist es die unglückliche Liebe zur Frau? Aber dies macht keinen Eindruck auf ihn – im Gegenteil, er fühlt sich als Zeuge des Unglücks des anderen regelrecht fröhlich.
Und selbst als er zur Frau zurückkommt und diese ihm sagt, dass sie ihrem Mann die Wahrheit sagen will - aufgrund einiger Leute, die sie wohl zusammen gesehen haben und anfangen werden zu reden, weiß er für sich selber – SO sehr liebe ich sie nicht.
Und mein Lieblingssatz:
Il m’était doux de te perdre (in etwa – es war mir angenehm (süß) dich zu verlieren)
In meiner Ausgabe gibt es im Anhang nicht nur chronologische Daten, Originaltitel, sondern Dmitri Nabokov ergänzt auch manchmal mit einigen persönlichen Fakten – er sagt zu dieser Geschichte, dass sie wohl eine Geschichte über seine Jugendliebe zu seiner Cousine Tatiana Evguenia Segelkranz sein.
°
4 - Un coup d’aile – Der Schlag des Flügels(Oktober 1923)
Ihr beide habt dazu schon ausgiebig geschrieben und zum Inhalt und zur Deutung bleibt mir kaum mehr etwas mehr zu sagen.
Außer dass mir die Geschichte mit dem Engel auch zuerst rätselhaft (und wieder etwas zu abgehoben

) war – aber als er kurze Zeit später keine Spur mehr vom Engel im Schrank fand, es anderntags seinen vermeintlich geschriebenen Brief nicht mehr gab, habe ich es mir auch als alkoholbeeinflussten Traum erklärt.
Ja, in der Tat – schöner Vergleich mit dem Schmetterling und der fliegenden Isabel.
Ihr wisst ja dass mich Sprachen faszinieren – aber hier haben wir nun ein sehr schönes Beispiel, wie Übersetzer ihre eigene Persönlichkeit in einen Text mit hineinbringen.
Der Satz, den Mombour hervorhebt, habe ich auch gefunden.
Sie gehört zur Gattung der Glatthäuter. Sie sucht nur flüchtige BeziehungenNur ist in der französischen Übersetzung zu lesen:
Elle est de la race des glisseuses. Elle ne recherche que des frôlements.Dazu ist es interessant zu wissen, dass ‚glisser’ als Bedeutung z.B. hat: über den Schnee gleiten – was ja hier wie die Faust aufs Auge passt
Ich würde also diesen Satz folgendermaßen sehen:
Sie gehört zur Gattung der ‚Gleitenden’. Sie sucht nur leichte Berührungen.
Das erspart uns also eine Sinnsuche der Glatthäuter

Und dabei haben wir jetzt noch nicht mal das russische Original

Doch noch etwas vergessen - der 'Tatler' war mir vorher schon ein Begriff - Evelyn Waugh und/oder Somerset Maugham..
