Na ja. Es ist bei Windelband auch Meckern auf hohem Niveau. Aber ich mag es nicht, wenn anhand von vermeintlichen oder tatsächlichen Charakterzügen der Philosophen ihre Philosophie exemplifiziert wird. Wenn Windelband dann einmal darüber weg ist, gibt es eigentlich wenig auszusetzen
Umso mehr auszusetzen habe ich an Cohens "Logik der Erkentniss". Ich habe am Wochenende kurz hineingeschaut: Ich kann das nicht in einer Leserunde lesen. Wo Cohen in die Geschichte der Philosophie abtaucht (und das tut er oft), gibt er apodiktische Urteile über die Philosophen und ihre Begrifflichkeiten ab, ohne sie mit Belegen zu stützen. Er hypstasiert philosophische Begriffe wie Substanz oder Kategorie, und lässt die aus eigenem Willen Dinge tun oder lassen. Das hat mich schon bei Dilthey geärgert. Es klingt dann zwar so schön wie eine Beschreibung natürlichen Verhaltens (und damit schon fast naturwissenschaftlich), ist aber nur Sprachgeklingel. Und wenn das Denken eines Philosophen nicht dem seinen entspricht, pinkelt er ihm rotzfrech ans Bein - so, wenn er Hume philophisches Unverständnis vorwirft, wenn dieser die Regeln des logischen Schliessens auf Gewohnheit zurückführt, statt wie die alten Griechen und Kant (und also auch Cohen selber) auf Kategorien und Substanzen. Dass Hume hier vor allem seinem gesunden anti-metaphysischen Reflex folgt, kommt dem Erz-Metaphysiker Cohen natürlich nicht einmal in den Sinn...